Sâdhu (2012)

Sâdhu (2012)

Sadhu - Auf der Suche nach der Wahrheit
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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Eight Years in Tibet

Ein schönes Panorama
Ein schönes Panorama © Studio / Produzent

Suraj Baba ist ein sogenannter Sâdhu - ein Wahrheitssuchender. Vor acht Jahren hat er sich in eine Grotte im Himalaya zurückgezogen, um sich auf einer Höhe von über 3000 Metern über Meer frei von materiellen Wünschen oder körperlichen Bedürfnissen der Meditation hinzugeben und in sich selbst zu gehen. Nun kehrt er in die Zivilisation zurück, um sich am hinduistischen Kumbh-Mela-Fest, einem nur alle zwölf Jahre stattfindenden Grossanlass, mit anderen Sâdhus auszutauschen.

Dies befriedigt ihn aber nicht, da ihm die streng hierarchisch organisierte und stark auf Äusserlichkeiten fokussierte Welt, die sich ihm dort präsentiert, nicht zusagt. So entschliesst er sich, auf seiner Suche nach der Wahrheit weiterzuziehen - und zwar nach Tibet, wo er ein Askesegelübde ablegen will. Doch auf seiner langen beschwerlichen Reise befallen ihn immer wieder Zweifel am Sinn seiner Suche. Die Musik und der Glaube geben ihm Halt.

Seit der Hippie-Zeit in den Siebzigerjahren haben Indien und die hinduistische Religion einen gewissen erotisch-esoterischen Reiz. Sâdhus, Kumbh-Mela und Meditation sind halt einfach etwas prickelnder als der Kirchen-Mief hierzulande. Man kann es all denjenigen nicht verdenken, die lieber auf einer Indien-Reise zu sich selbst finden als in einer Sonntagspredigt. Und alle, die darin eine Faszination ausmachen, werden von dem Dokumentarfilm von Gael Metroz bestens bedient. Leider ist nicht nur der Protagonist des Filmes auf der Suche - auch der Film ist es; und zwar auf der Suche nach einem roten Faden, einer Kontur.

Das ist natürlich nicht die Schuld von Suraj Baba, dem porträtierten Sâdhu. Die Konsequenz, mit der er seine religiösen Ziele verfolgt, ist bewundernswert. Überhaupt staunt der unbedarfte Zuschauer, dass der vermeintliche Heilige so gar nicht dem Bild (oder besser: dem Vorurteil) entspricht, das man sich im Kopf von einem solchen gemacht hat. Da trifft man einen relativ jungen, vielleicht 40-jährigen Mann, der mit seiner Gitarre lüpfige Songs zum Besten gibt, sich in Englisch bestens artikuliert und seinen Glauben immer wieder selbstkritisch hinterfragt. Ein durch und durch gmögiger Typ auf jeden Fall und nicht einer, der den ganzen Tag nur rumsitzt und mit entrückten Blick "ooohmmmmmmmmm" summt; obwohl solcherlei natürlich auch dazugehört.

Ebenfalls aufschlussreich ist das Kumbh-Mela-Fest, das sich, wie es der Protagonist treffend ausdrückt, als eine Art bunter Zirkus entpuppt; ein Massenevent, bei dem aus den Lautsprechern der Hinweis dröhnt, man möge doch bitte aufs Rauchen verzichten. Eines Schmunzelns mag man sich da nicht erwehren angesichts des Kontrastes zur asketischen Einsamkeit, die von den Wahrheitssuchern propagiert wird.

Dennoch besteht leider ein grosser Teil des Filmes aus bedächtigen Aufnahmen, die mit sphärischem, aber nichtssagendem Sitar-Gedudel untermalt sind. Dass sich der Regisseur ganz aus dem Geschehen herausnimmt, obwohl er während längerer Zeit mit Suraj Baba gemeinsame Wege gegangen ist, mag man als angenehm uneitle Bescheidenheit schätzen. Doch vielleicht wäre es in diesem Fall die bessere Entscheidung gewesen, sich selbst als Dialogpartner des Sâdhu im Film einzubringen; so bleibt anstatt möglicherweise spannender Diskussionen nur der etwas eintönige Monolog des Protagonisten.

Die Wahrheit findet man also kaum mit diesem Film - was natürlich auch nicht dessen Anspruch sein kann. Leider findet man aber auch sonst ein bisschen gar wenig. Man mag's nicht "ziellos" nennen, was an Sâdhu stört, denn schliesslich ist der Weg das Ziel. Doch bei aller Sympathie gegenüber Suraj Baba will man diesen Weg dann doch lieber nicht mit ihm zusammen beschreiten.

/ ebe

Trailer Englisch, mit deutschen Untertitel, 01:50