Reality XL (2012)

Reality XL (2012)

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  2. 81 Minuten

Blu-ray-Review: Warum wischt eigentlich keiner die Pflaumenmarmelade auf?

"Hat jemand mal ein Brillenputztuch für mich?"
"Hat jemand mal ein Brillenputztuch für mich?" © Studio / Produzent

13. Januar 2011: 24 Professoren treten im Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers LHC zur Nachtschicht an. Acht Stunden später verlässt der hochintelligente Wissenschaftler Konstantin Carus (Heiner Lauterbach) als einziger Überlebender den Kontrollraum - von seinen 23 Kollegen fehlt jede Spur.

"Wait, this is my song!"
"Wait, this is my song!" © Studio / Produzent

Um das merkwürdige Verschwinden der Professoren aufzuklären, wollen Vertreter der Schweizer Staatsanwaltschaft (Annika Blendl und Max Tidof) Carus an einem streng geheimen Ort vernehmen und hoffen auf eine schnelle Aufklärung. Allerdings hat der leicht reizbare Professor absolut kein Interesse daran, ihnen die Arbeit einfach zu gestalten und versucht, die zwei Staatsanwälte gegeneinander auszuspielen. Als Carus dann endlich von seiner Schicht berichtet, ahnt noch niemand, dass seine Erlebnisse in jener Nacht alles in Frage stellen könnten, woran die beiden Ermittler und die gesamte Menschheit je geglaubt haben...

Mit Reality XL erreicht eine deutsche Independent-Produktion die Heimkinos. Die Rückseite der Blu-ray-Hülle verspricht einen "Trip an die Grenze des Verstandes" und "grosse Kunst" - doch wenn man diese Versprechungen auf die Goldwaage legen würde, hätte nur das Hamburger Abendblatt den Nagel auf den Kopf getroffen: "In vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Film".

Ungewöhnlich ist hier genau das richtige Stichwort, denn der Mystery-Thriller von Tatort-Regisseur Tom Bohn kommt mit lediglich vier Darstellern, vier Räumlichkeiten und einer fast 80-minütigen Interrogation aus. Keine Stunts und keine Spezialeffekte: Reality XL erinnert an ein Kammerspiel à la Sartres Huis Clos und versucht, die ganz grossen Fragen des Lebens zu beantworten. Insgesamt hat Bohn einen interessanten Film geschaffen, der erfrischend anders ist und durch ein intelligentes Drehbuch zu packen weiss. Langeweile will nicht aufkommen, da man als Zuschauer versucht, sich einen Reim auf das Physik-Kauderwelsch zu machen und zwischen Traum und Realität zu unterscheiden. Leider fällt die finale Auflösung sehr flach aus und enttäuscht auf ganzer Linie. Denn die erhoffte grosse Überraschung bleibt aus, das Ende wird sogar auf dem Blu-ray-Cover mehr oder weniger verraten.

Bei der Besetzung hat man auf bekannte Grössen der Film und Theaterlandschaft gesetzt. Max Tidof und Annika Blendl brillieren als Vertreter der Schweizer Staatsanwaltschaft, Godehard Griese sorgt mit seiner abgedrehten Figur sicherlich für den einen oder anderen Lacher. Einzig Heiner Lauterbauch kauft man die Rolle des hochintelligenten Wissenschaftlers nicht wirklich ab.

Fazit: Tom Bohn hat mit wenig Aufwand einen interessanten Wissenschaftskrimi geschaffen, der mit einer faszinierenden Grundidee arbeitet, die selbst gesteckten hohen Erwartungen aber nicht erfüllen kann. Trotz allem ist der starke Cast und der Mut der Produzenten zu loben, denn ein ungewöhnliches Filmereignis ist Reality XL allemal.

Die Blu-ray kommt in einem schicken Pappschuber daher. Aus technischer Sicht bietet die Scheibe ein gestochen scharfes Bild, das bei dunklen Farben teilweise ein wenig fleckig wirkt. Die lange Interrogation, die den Grossteil des Filmes einnimmt, lässt leider so gut wie keine Möglichkeit für eine überzeugende 5.1-Abmischung zu. Gleiches gilt für das Making-of, das bis auf Interviews nicht viel Interessantes bieten kann. Das Special "Sprung ins Wasser" zeigt Tom Bohn bei einem Bad in eisiger Kälte. Der werte Herr Tatort-Regisseur hatte eine Wette bezüglich der Popularität von Reality XL verloren und seinen Einsatz als Bonusmaterial auf die Blu-ray gepackt. Wettschulden sind Ehrenschulden, sagt man. Ein Upload bei YouTube hätte es aber sicherlich auch getan.

/ lop

Kommentare Total: 2

WideScreen03608

Ich finde es schade, dass diesem Film nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet wird, denn das wird ihm nicht gerecht. Denn das Script ist durchaus vielschichtig und der Film ist kurzweilig, spannend, meiner Meinung nach nicht vorhersehbar und er hat in der Tat eine Message. Und wer die Auflösung, wenn man dem so sagen kann, doof findet, da frage ich mich, was wurde erwartet?

Ein ungewöhnlicher, aber nicht minder spannender Film, mit sehr guten Akteuren. Allemal sehenswert.

lop

Blu-ray-Review: Warum wischt eigentlich keiner die Pflaumenmarmelade auf?

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