Light After Darkness - Post Tenebras Lux (2012)

Light After Darkness - Post Tenebras Lux (2012)

  1. , ,
  2. 115 Minuten

Filmkritik: Zum Kopfabreissen

"Ich krieg keine Luft."
"Ich krieg keine Luft." © Studio / Produzent

Irgendwo in den Wäldern von Mexiko: Eine vierköpfige Familie hat es sich, umgeben von Mutter Natur, in einem grossen Anwesen gemütlich gemacht. Doch der Haussegen hängt schon seit einiger Zeit mächtig schief. Ehefrau Natalia (Nathalia Acevedo) will keinen Sex mehr haben mit ihrem Mann Juan (Adolfo Jimenez Castro), was diesen auf die Palme bringt. Vielleicht hilft ja ein Ausflug in einen Swingerclub. Währenddessen bekommt der Nichtsnutz Seven (Willebaldo Torres) den Auftrag, einen Baum zu fällen, weil dieser laut seinem Auftraggeber Sex mit den anderen Bäumen hat. Da kann am Boden natürlich nichts wachsen, wenn da überall "Baumsamen" herumliegen.

Unter Männern
Unter Männern © Studio / Produzent

Weil Sevens Leben auch sonst nicht gerade das tollste der Welt ist, entscheidet er sich, das Haus von Juan auszuräumen. Er kennt dieses bestens, da er die sanitären Anlagen installiert hat. Ein Ausflug der Familie, der mehrere Tage dauern soll, scheint für ihn die ideale Gelegenheit für seinen Coup zu sein. Doch als Juan früher als gedacht zum Haus zurückkehrt, zückt Seven seine Waffe und drückt ab.

Ewig lange Einstellungen von Waldbildern, ein Hund, der totgeprügelt wird und ein füdliblutter Teufel mit Werkzeugkiste - dies sind die Zutaten, welche der mexikanische Filmemacher Carlos Reygadas zu seinem einschläfernden Werk Post Tenebras Lux vermischt. Dessen Schlusspunkt ist aber dann gleichermassen absurd und herrlich amüsant, was aber wohl weniger Reygadas' Absicht gewesen ist.

Worum geht es in diesem Film? Schwierig zu sagen, denn lange passiert gar nichts. Aus diesem Grund deckt die obige Zusammenfassung bereits 80 der gesamthaft 120 Minuten ab. Mit aller Langsamkeit zeigt Reygadas dem Zuschauer das Leben dieser reichen Familie inmitten der Natur und lässt sie dann das Böse spüren in Person von Mitgliedern der armen Bevölkerungsschicht. Schwer ist dann zu erklären, was das Rugbyspiel zu Beginn und am Ende des Filmes zu bedeuten hat und wie dieses in die Story passt. Ebenfalls in Frage gestellt werden muss die Szene im Swingerclub, die ewig zu dauern scheint und nicht damit geizt, die Geschlechtsteile vieler Männer zu zeigen.

Auch warum der Grossteil des Filmes wie durch eine Röhre gefilmt ist, bleibt wohl das Geheimnis der Regisseurs. Während in der Mitte des Bildes alles gestochen scharf ist, gibt es rundherum Doppelkonturen und Unschärfen. Vielleicht schaut ja der nackte Teufel mit seiner Werkzeugkiste dem sündigen Treiben zu. Doch diese Vermutung macht den Film weder besser noch interessanter.

Fazit: Regisseur Reygadas sagte in Cannes an der Pressekonferenz zu Post Tenebras Lux, dass er ins Drehbuch geschrieben habe, was er fühle. Mit diesem Statement hat auch schon Lars von Trier seinen Antichrist erklärt, doch dieser war dann auch visuell aufregend und von der Handlung her kontrovers. Bei Reygadas hingegen fragt man sich nur die ganze Zeit, was das denn alles solle. Vor allem dann, wenn am Ende des Filmes - Achtung Spoiler - ein Mann sich mit blossen Händen den eigenen Kopf abreisst. Anstatt geschockt zu sein, bricht man da nur in lautes Lachen aus.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd