Ping Pong (2012)

Ping Pong (2012)

  1. ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Alte ziehen sich über den Tisch

Kappe und Schläger modisch abgestimmt
Kappe und Schläger modisch abgestimmt © Studio / Produzent

Terry Donlons Ärzte stehen vor einem Rätsel: Auch nach mehreren Krebs-Operationen und Todesprognosen hüpft der Rentner noch am Tischtennistisch herum. Die Weltmeisterschaft der Ping-Pong-Spieler über 85 findet dieses Jahr in der Mongolei statt, und Terry ist davon überzeugt, dass er sie gewinnen kann. Es wäre schliesslich nicht das erste Mal, dass er es weit bringen würde. Les D'Arcy, ebenfalls aus England, trainiert trotz seines Alters immer noch mit Hanteln, und seine Fitness scheint keine Grenzen zu kennen. Auch er ist unterwegs in die Mongolei.

Inga aus Deutschland lebt in einem Heim für demente Menschen, doch der Tischtennis-Sport hat ihr einen Ausweg gezeigt, und sie hat durch ihn ihre Krankheit überwinden können. Nun kriegt auch sie zum ersten Mal die Möglichkeit, an einem internationalen Turnier teilzunehmen. Die Australierin Dorothy feierte gerade ihren 100-jährigen Geburtstag, doch das hindert sie nicht, voller Elan ins Turnier einzusteigen. So begleitet Regisseur Hugh Hartford acht erstaunliche Menschen, die um den Titel kämpfen.

Mit so charmanten, liebenswerten, starken und bewundernswerten Figuren wie sie in Ping Pong zu sehen sind, hat man eigentlich schon gewonnen. Alleine dadurch ist der Film unglaublich kurzweilig. Wie der Film aufgebaut ist, wirkt jedoch ziemlich amateurhaft. Das Stirnrunzeln beginnt bereits bei der Titelsequenz, einer Kamerafahrt über einen ziemlich billig animierten Piong Pong-Tisch, begleitet von einer nicht minder billigen Musik.

Dann stellt Regisseur Hugh Hartford die acht Personen vor, die er während der nur knapp 80 Minuten begleiten wird. Wenn man hier also hochkomplexe Mathematik anwendet, macht das gerade mal 10 Minuten pro Mensch. So ist schon diese Vorstellungsrunde ziemlich gehetzt. Es werden Graphiken eingesetzt, und trotz interessanter Menschen wirkt dieser Teil des Films dann auch ein bisschen repetitiv. Zwei bis vier Teilnehmer hätte man lieber weggelassen, doch da alle recht interessante Persönlichkeiten sind, ist das Dilemma des Regisseurs zu verstehen.

Die wahre Underdog-Story ist diejenige von Inge, die durch Ping Pong ihre Demenz wortwörtlich vergisst und zum ersten Mal an einer Meisterschaft teilnimmt. Ihr drückt der Zuschauer bis zum Schluss die Daumen. Doch auch der krebskranke Terry, der laut Ärzten eigentlich schon tot sein sollte, beeindruckt mit seinem Kampfgeist und Siegeswillen. Die Ausgangslage für ein spannendes Finale scheint also schon gegeben, und tatsächlich ist es unmöglich, nicht mitzufiebern.

Ping Pong ist ein reiner Unterhaltungsfilm und funktioniert als solcher auch hervorragend. Mit ein paar Figuren weniger und einer solideren, weniger verspielten Inszenierung wäre ein Publikumshit garantiert. Aber auch so dürfte dieser Film auch den grössten Dokumuffel amüsieren und bestens unterhalten.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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