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Modest Reception - Paziraie sadeh (2012)

Modest Reception - Die Macht des Geldes

Modest Reception - Paziraie sadeh (2012) Modest Reception - Die Macht des Geldes

Oder: Geld ist kein Segen

"Wer will noch einen Batzen haben?"

"Wer will noch einen Batzen haben?"

Eine junge Frau und ein Mann fahren mit einem Auto durch eine kahle, verlassene Berglandschaft. Der Kofferraum ist voller Geld. Woher die Plastiksäcke voll mit Geld herkommen und wer die beiden sind, weiss niemand so recht. Doch Leyla (Taraneh Alidoosti) und Kaveh (Mani Haghighi) kommen in guter Mission. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Geld an die wenigen Bewohner der Bergregion zu verteilen.

"Smile for the Camera!"

"Smile for the Camera!"

So vorbildlich und selbstlos das Vorhaben der beiden ist, stellt sich dieses bald als ein Ding der Unmöglichkeit heraus. Denn die meisten Leute trauen den beiden nicht oder wissen mit so viel Geld nichts anzufangen. Das Verhalten der ungefragt Begünstigten bringt das Duo in skurrile und oft auch traurige Situationen. Bald steht fest, dass nicht allen mit Geld geholfen ist und dass die Aussicht auf ein wohlhabendes Leben gerade bei den einfachsten Leuten oft auf Abneigung stösst. Das ungleiche Paar, das den Leuten das Geld auf verschiedenste Weisen aufzudrängen versucht, gibt den Plan dennoch nicht auf.


Film-Rating

Modest Reception ist der neue Spielfilm von dem iranischen Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Mani Haghighi. Darin übernimmt er auch die Hauptrolle und spielt dabei neben Taraneh Alisdoosti, mit der er bereits in About Elly vor der Kamera gestanden hat. Der Film spielt in der Nähe von Haghighis Geburtsort, Teheran, in einer vom Krieg geprägten und erst vor kurzem bombardierten Bergregion. Auch dass Haghigi ursprünglich Philosophie studiert hat, ist seinem Film deutlich anzumerken. Modest Reception thematisiert die heutige Gesellschaft, in der Geld zum höchsten Gut heraufstilisiert wird und die Moral auf der Strecke bleibt.

Das iranische Drama packt bereits mit der ersten Szene. Ohne eine Einführung werden die Zuschauer wie auch die anderen Figuren im Film mit den beiden Protagonisten Leyla (Alidoosti) und Kaveh (Haghighi) konfrontiert, ohne zu wissen, was die beiden genau vorhaben oder wie sie zueinander stehen. Streitend treffen die beiden auf einen Offizier, der ihre Papiere prüfen will. Doch das Paar spielt dem Soldaten etwas vor und wirft ihm schliesslich einige Geldsäcke hin, um ihn daraufhin verdutzt damit zurückzulassen.

Die Story ist simpel, und doch werden die Situationen immer skurriler und unglaublicher. Der Film kritisiert die Rolle, die Geld in der heutigen Gesellschaft angenommen hat, und geht immer weiter, um zu zeigen, was Menschen für Geld zu tun bereit sind. Was als lustiges, absurdes Roadmovie beginnt, wird bald zu einer immer kühler werdenden Reise ins Ungewisse, auf der die Beteiligten jegliche Kontrolle über sich selbst und die Situation, in der sie sich befinden, zu verlieren drohen. Der Zuschauer wird Zeuge eines gefährlichen moralischen Spiels, dem sich niemand entziehen kann.

Modest Reception überzeugt neben der dramatischen Erzählstrategie und starken Emotionen besonders durch die beiden Protagonisten. Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, mit wem man es hier zu tun hat, mit welcher Vergangenheit die Figuren zu leben haben, und was ihr Handeln motiviert. Und doch reisst die ruhige Spannung nie ab, und man folgt gespannt dem Lauf, den die Dinge nehmen.

Fazit: Mani Haghighi ist ein perfider, bedrückender, und zugleich sehr menschlicher Film gelungen, der trotz seiner Absurdität zum Nachdenken anregt. Er liefert damit den Beweis dafür, dass Geschichten und somit auch Filme unter schwierigen Bedingungen entstehen können. Modest Reception sollte man sich nicht entgehen lassen, auch wenn man das Kino nicht gerade beflügelt verlassen wird.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

28.08.2012 / stb

Community:

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