Passion (2012)

Passion (2012)

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  3. 102 Minuten

Filmkritik: Bitchfight!

Kiss of the Devil
Kiss of the Devil © Studio / Produzent

Die attraktive Christine (Rachel McAdams) ist eine Erfolgsfrau: Als Teamleiterin im deutschen Ableger eines internationalen Konzerns wird sie von ihren Mitarbeitern gleichermassen respektiert und gefürchtet. Das Spiel mit der Macht beherrscht sie aus dem Effeff, und sie zögert nicht, dieses auch rücksichtslos anzuwenden. Dies bekommt auch ihre Assistentin Isabelle (Noomi Rapace) zu spüren. Eine brillante Idee für einen Werbespot, die Isabelle mit ihrer Kollegin Dani (Karoline Herfurth) umgesetzt hat, gibt Christine gegenüber ihren Vorgesetzten einfach so mal als ihre eigene aus - und dies, obwohl sie eben noch einen auf beste Freundin gemacht hat. Tja, so läuft das halt im Business.

Sie hat zuviel "Psycho" gesehen.
Sie hat zuviel "Psycho" gesehen. © Studio / Produzent

Isabelle ihrerseits tröstet sich mit einer heissen Affäre mit Christines Freund Dirk (Paul Anderson) über ihren Frust hinweg. Und als sie eines Tages die Möglichkeit sieht, Christine den Ideenklau mit deren eigenen Waffen heimzuzahlen, zögert sie nicht lange. Doch Achtung: Jetzt ist Christine erst recht gereizt. Was als kleiner Bürozwist begonnen hat, entwickelt sich bald zur tödlichen Intrige um Macht und Leidenschaft. Wer hat am Schluss die Nase vorn?

Eigentlich hätte man es ja andersrum erwartet: Irgendwie scheint die Rolle der berechnenden Intrigantin nicht zu Everybody's Schnügel Rachel McAdams zu passen; schon eher zu Noomi Rapace, die als Lisbeth Salander auch schon einen Charakter mit dunklen Seiten verkörperte. Aber Besetzungen gegen das Rollen-Image können ja auch eine spannende Sache sein. Hier ist dies allerdings nur beschränkt gelungen: Zwar geniesst es McAdams sichtlich, mal eine fiese Bitch zu verkörpern, doch so richtig mag man ihr diese nicht abnehmen. Rapace hingegen - mit schnuckligen Stirnfransen - gibt ihre Kontrahentin überzeugend als Mischung zwischen Zicke und Huscheli.

Für seine erste Regiearbeit seit Redacted vor fünf Jahren hat sich Brian De Palma für ein Remake des relativ unbekannten französischen Films Crime d'amour entschieden. Daraus macht er einen gepflegten Hochglanz-Thriller, der in seiner Inszenierung stark an Basic Instinct erinnert - nicht zuletzt durch die auffällig eingesetzte Musik. Doch auch die Lust am Versteckspiel mit dem Zuschauer und der Geheimniskrämerei bis zur allerletzten Einstellung erinnert an den Film von Paul Verhoeven, der dieses Jahr seinen 20. Geburtstag feiert.

Passion kann grob in zwei Teile unterteilt werden: Im ersten Teil gibt's Büroknatsch zwischen der fiesen Christine und der bedauernswerten Isabelle. Mit Klischees wird hier nicht gespart: McAdams und Rapace verkörpern zwei Abziehbildcharaktere, wie sie platter nicht sein könnten. Und auch die Business-Welt, in der sich die beiden bewegen, ist so simpel, wie sie nur im Film sein kann. Kaum zu glauben beispielsweise, wie einfach virales Marketing funktioniert: Einfach schnell ein Filmli drehen und auf Youtube stellen, schon hat man den Selbstläufer. Kommunikationsabteilungen aller Welt, schaut her, so geht das!

Im zweiten Teil wird dann die Spannungsschraube angezogen, und der Film entwickelt sich zum nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel, auf das hier natürlich nicht näher eingegangen werden soll. Nur soviel: Gegen Schluss übertreibt es De Palma mit den überraschenden Wendungen, so dass sich beim Zuschauer irgendwann mal ein Twist-Overkill einstellt. Unterhaltsam ist der Film aber dennoch - und blitzsauber inszeniert. In dieser Hinsicht gibt sich der Meister keine Blösse.

Ein neuer Basic Instinct ist Passion sicherlich nicht. Und dies nicht nur deswegen, weil es nicht annähernd so viel Sex zu sehen gibt wie beim Vorbild. Männer, die sich auf heisse Lesbenszenen freuen zwischen Rapace, McAdams oder auch Co-Darstellerin Karoline Herfurth, dürften zweifellos enttäuscht sein. Zudem ist mit Rachel McAdams einfach (noch?) keine Sharon Stone vom Himmel gefallen. Dennoch: Man schraube die Ansprüche herunter und erwarte nichts mehr als einen anspruchslosen, aber schnittigen und schön altmodischen Edel-Thriller wie aus den "guten alten Neunzigern". Als solcher funktioniert der Film nämlich bestens.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 5

andycolette

Wow super Thriller so spannend umgesetzt tolle Darsteller hätte ihn sehr gerne im Kino gesehen!!! Super!!!

yan

Ja, das Remake lebt von den Darstellungen der beiden Hauptcharakter, doch gerade die haben mir überhaupt nicht gefallen. Das Verwirrspiel hatte dafür etwas und der creepy Score hat mich ebenfalls bei Laune gehalten.

woc

Man sieht Passion an, dass ein alter Haudegen Regie geführt hat. Das Remake lebt von der Darstellungen von Rapace und McAdams und braucht seine Zeit, bis er das Potential einigermassen ausschöpft. Die zweite Hälfte wird skurriler und auch spannender. Ansonsten ist es eigentlich ein mehrbesserer Tatort, was durch die Berliner Kulisse noch gestärkt wird. Brian De Palma hat das nötige Fingerspitzengefühl, verliebt sich aber zum Schluss zu sehr in Hitchcocksche Szeneneinstellungen und ultradramatischen Score. Nettes Katz- und Mausspiel, nothing more.

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