On the Road (2012)

On the Road (2012)

Oder: Jung, wild und sexy

...und dann ging ihm ein Licht auf.

...und dann ging ihm ein Licht auf.

Amerika in den Vierzigerjahren: Der junge Schreiberling Sal Paradise (Sam Riley) hat gerade den Tod seines Vaters zu verkraften. Da lernt er eines Tages durch seinen Freund Carlo Marx (Tom Sturridge) den rebellischen Dean Moriarty (Garrett Hedlund) und dessen Ehefrau, die gerademal 16-jährige Marylou (Kristen Stewart) kennen. Alle verstehen sich sofort prächtig, wobei vor allem Sal begeistert ist von der leichtfüssigen Art, wie sich Dean ohne viel Geld zu besitzen durchs Leben schlägt.

"Hallo Kinobesucher"

"Hallo Kinobesucher"

Sal entschliesst sich, ebenfalls allen Verpflichtungen zu entsagen und ein Leben in totaler Freiheit zu führen. Er steigt bei Dean und Marylou ins Auto und bereist mit ihnen das ganze Land. Unter dem Motto "Sex, Drugs, und Jazz" feieren sie die Nächte durch, als würde es kein Morgen geben. Sal findet dann so auch wieder die Energie, zu schreiben und beschliesst, ein Buch zu verfassen über die vielen Erlebnisse, welche er "on the Road" gemacht hat.


Film-Rating

Mit dem Filmstart von On the Road im Jahre 2012 gehört die Verfilmung von Jack Kerouacs Klassiker der Beat-Generation zu den grössten Zangengeburten der Kinogeschichte. Das Buch erschien 1957, wobei 22 Jahre später Francis Ford Coppola die Rechte für die Verfilmung kaufte und über die Jahre Regisseure wie Jean-Luc Godard oder Gus van Sant um eine filmische Umsetzung bat. Abgesagt haben ihm aber alle angefragten Regisseure, da das Werk in Augen vieler als unverfilmbar gilt. Der Brasilianer Walter Salles hat es nun trotzdem gewagt, und dank seinen früheren Roadmovies wie The Motorcycle Diaries oder Central Station konnten hohe Erwartungen geschürt werden.

Gleich vorneweg: Das halbe Jahrhundert Warten auf den Film hat sich nur bedingt gelohnt. Wie bei seinem Ché-Film sind es hier wieder wunderschöne Bilder, die sein Kameramann Eric Gautier auf die Leinwand zaubert. Der Franzose versuchte aus jedem Frame etwas besonderes zu machen, und dies merkt man. Auf der erzählerischen Ebene kann der Film aber weniger überzeugen.

Dies vor allem, weil Salles bemüht war, alle wichtigen Teile des Buches in den Film zu packen. Ihm gelingt zwar so eine originalgetreue Adaption, doch zu viele Szenen bremsen den Erzählfluss massiv. Der Film wirkt mehr episodenhaft anstatt aus einem Guss. Es kommt dabei immer wieder zu Stopps, und das Gefühl der absoluten Freiheit ist selten spürbar. Auch weil viele dieser Episoden für den Film nicht besonders relevant sind - zum Beispiel jene mit Steve Buscemi -, fährt dieses Roadmovie nur mit angezogener Handbremse, was auf die Dauer vermehrt Langeweile mit sich bringt. Eine Art Enttäuschung stellt sich dann ein, denn man fühlt die ganze Zeit, dass unter dieser Oberfläche noch mehr steckt.

Zu kurz kommt auch das Freundschaftsverhältnis zwischen Sam Rileys Sal Paradise und Garrett Hedlunds Dean Moriarty. Wieso die beiden Freunde werden, geht in dem gehetzten Beginn ein wenig unter. Während Riley den ganzen Film durch ein wenig blass bleibt, ist es Hedlund, der jede seiner Szenen an sich reisst und eine Präsenz eines Marlon Brando oder eines James Dean entwickelt. Die dritte im Freiheits-Bunde ist Kristen Stewart. Deren Rolle wurde für den Film etwas erweitert, und dies zahlt sie mit ein paar überzeugenden Szenen zurück. Sie bleibt dann aber wie auch Amy Adams und Kirsten Dunst austauschbar. Es ist jedoch bekannt, dass die Frauen in dem Buch auch eher sekundär behandelt werden.

Fazit: On the Road mag ja vielleicht jung, wild und sexy sein, aber das Werk, das so lange in der Entwicklung gesteckt hat, wird wohl nur die wenigsten zufriedenstellen. Für Roadmovie-Fans findet zu wenig auf den Strassen statt, und Drama-Liebhaber werden die Distanz zu den Figuren bemängeln. Wenn das Buch von Kerouac wirklich eines dieser unverfilmbaren Werke sein soll, dann ist Regisseur Salles beim Versuch gescheitert, dies zu widerlegen.


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Bewertung: 3.0

 

27.05.2012 / crs

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