Oh Boy (2012)

Oh Boy (2012)

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  2. 86 Minuten

Filmkritik: First World Problems

"Ihr braucht seinen Ausweis nicht zu sehen."
"Ihr braucht seinen Ausweis nicht zu sehen." © Studio / Produzent

Niko (Tom Schilling) hat ein Problem: Dem 22-jährigen Berliner wurde seine Kreditkarte gesperrt. Sein Vater (und Geldgeber) hat nämlich erfahren, dass der Sohn das Jurastudium, für das ihm Monat für Monat 1000 Euro überwiesen wurden, vor zwei Jahren hingeschmissen hat. Was er in dieser Zeit gemacht habe, will der Vater natürlich wissen. Nachgedacht, meint Niko. Über sich, seine Zukunft, die Welt und so.

Wer zuerst blinzelt, hat verloren
Wer zuerst blinzelt, hat verloren © Studio / Produzent

Zu allem Übel macht auch noch seine Freundin am selben Tag Schluss mit ihm - und Niko unternimmt nicht einmal gross etwas, um sie daran zu hindern. Wichtiger ist es, dass er sich jetzt mal einen Kaffee holen kann. Doch so einfach ist das nicht, schon gar nicht an einem Tag wie diesem. Was folgt, ist eine Odyssee quer durch die Stadt und voller seltsamer Begegnungen. Wird es Niko schaffen, seine eigene Passivität zu überwinden?

Oh Boy!, der Debütfilm von Jan-Ole Gerster, ist einer jener Filme, die einem einfach sympathisch sind: Er handelt von der Ziellosigkeit und Einsamkeit eines jungen Erwachsenen und erzählt damit eine Geschichte, die den meisten Menschen wohl bestens bekannt sein dürfte. Das Sich-Einsam-Fühlen unter vielen und Ringen mit Sinnfragen (Wohin gehe ich in meinem Leben? Wohin gehöre ich?) sind schliesslich universale Themen des Erwachsenwerdens. Hier werden sie jedoch keineswegs bierernst, sondern mit lakonischem Humor und viel Selbstironie abgehandelt. Vor diesem Hintergrund überzeugt die Besetzung der Hauptrolle mit Tom Schilling, da dieser den etwas verkorksten Einzelgänger glaubhaft und liebenswert verkörpert.

Stilistisch ist Oh Boy! deutlich vom klassischen amerikanischen Independent-Kino inspiriert. Einerseits werden Assoziationen mit den Grossstadtkomödien von Woody Allen, anderseits aber etwa auch mit den melancholischen Werken eines Jim Jarmusch geweckt. So wird die moderne Metropole - in diesem Fall Berlin - als Universum der einsam umherdriftenden Seelen porträtiert. Diese Welt ist von zahlreichen skurrilen Figuren bevölkert, die alle auf irgendeine Weise dysfunktional sind. Gefilmt ist das passenderweise in atmosphärischem, körnigem Schwarzweiss, wodurch Gerster zusätzlich betont, dass die Handlung nicht unbedingt für bare Münze genommen werden soll. So lässt es sich verzeihen, dass die Figurenzeichnung ziemlich grob und die Handlung teilweise sehr konstruiert ist. Auch die Tatsache, dass man dem Film sein geringes Budget ansieht und die Bildqualität nicht immer auf demselben Niveau ist, passt in diesem Fall ins Gesamtbild bzw. in den Rahmen eines Debütfilms.

Eher ein Problem ist, dass die Handlung stellenweise an Spannung vermissen lässt. Die Story plätschert oft scheinbar ziellos vor sich hin - zu einem Stück sicherlich absichtlich, da der Erzählrhythmus die Gefühlslage der Hauptperson widerspiegeln soll. Dennoch erwartet man als Zuschauer mehr, insbesondere nachdem sich zum Beginn des Filmes die Ereignisse geradezu überstürzen. Auch die Nebendarsteller überzeugen leider nicht auf der ganzen Breite. Allein durch seine zahllosen witzigen Details - etwa Nikos vergebliche Versuche, einen Kaffee zu bekommen - und die berührende Schlusssequenz vermag es Gerster jedoch, diese Schwächen zu kompensieren.

Oh Boy! ist ein witziges, charmantes und alles in allem gelungenes Erstlingswerk, dem man eine hiesige Kinoauswertung durchaus gönnen würde.

/ Jonas Ulrich [jon]

Kommentare Total: 3

VesperLynd89

Das Filmdebüt von Regisseur Jan Ole Gerster handelt von Niko Fischer (Tom Schilling), der vor zwei Jahren sein Jura-Studium abgebrochen hat und seitdem auf Kosten seines Vaters lebt. Nachdem ihm sein Vater die Unterstützung aufkündigt, streift er ziellos durch die Strassen von Berlin und trifft allerlei kuriose Personen.

Dieser Film macht unglaublich Spass. Es ist recht ungewöhnlich, heutzutage einen Film in schwarz-weiss zu drehen, allerdings passt es perfekt zur Ziellosigkeit der Hauptfigur. Tom Schilling spielt Niko sehr oft als passiven Beobachter, schon fast als unbeteiligte Figur, die von den Geschehnissen um ihn herum überrannt wird. Gleichzeitig schafft er es aber, glaubhaft eine Hauptfigur zu schaffen, mit der man sich identifizieren kann.

Der Film nimmt sich die Zeit und setzt gezielt Pointen. Allerdings gibt es hier und da auch kleinere Durststrecken, in denen die Spannung abfällt. Als Zuschauer lechzt man förmlich nach dem nächsten Gag und manchmal scheint es eine halbe Ewigkeit zu dauern, bis der nächste Brüller kommt.

Gelungenes Debüt mit einem starken Tom Schilling (5/6)

filmcoopi

Hallo OutNow

Der Film wird in die Schweizer Kinos kommen...
Voraussichtlicher Starttermin ist der 10. Januar 2013.

Viele Grüsse

jon

Filmkritik: First World Problems

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Trailer Deutsch, 02:10