Les Misérables (2012)

Les Misérables (2012)

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  3. 158 Minuten

Filmkritik: Do you hear the people sing?

Es heisst nicht umsonst "Les Misérables"...
Es heisst nicht umsonst "Les Misérables"... © Universal Pictures

Frankreich, 1815: Weil er Brot für seine hungernde Familie gestohlen hatte, musste Jean Valjean (Hugh Jackman) 19 Jahre im Straflager verbringen. Auch nach seiner Freilassung wird er wie ein Schwerverbrecher behandelt. Er findet keine Arbeit und ist bald so verzweifelt, dass er einen gutmütigen Bischof bestiehlt. Genau dieser Bischof zeigt jedoch Barmherzigkeit und bewahrt ihn vor einer erneuten Gefängnisstrafe, weshalb Valjean schwört, ein gottesfürchtiger, ehrlicher Mensch zu werden.

Hugh kann auch hässlich!
Hugh kann auch hässlich! © Universal Pictures

Acht Jahre später hat es Valjean unter neuem Namen zum angesehenen Unternehmer und Bürgermeister gebracht. Das Wiedersehen mit Gefängniswärter Javert (Russell Crowe) bringt dieses neue Leben jedoch in Gefahr. Zur gleichen Zeit verliert die junge Fantine (Anne Hathaway) Arbeit und Ansehen, als bekannt wird, dass sie eine uneheliche Tochter hat. Valjean verspricht Fantine, die sich aus Not prostituieren musste, dass er sich um ihre Tochter Cosette kümmern wird, die bei einem betrügerischen Wirtspaar (Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen) lebt.

Valjean bringt Cosette nach Paris und zieht sie wie seine eigene Tochter auf. Wenige Jahre später steht das Volk kurz davor, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Cosette (Amanda Seyfried) verliebt sich in den Studenten Marius (Eddie Redmayne) - doch das junge Glück wird durch die drohende Revolte und den hartnäckigen Javert bedroht.

Victor Hugos Literaturklassiker aus dem Jahr 1862 wurde unter anderem schon als TV-Mehrteiler mit Gérard Depardieu oder fürs Kino mit Liam Neeson adaptiert. Auch beim Musical - von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil 1980 auf Französisch konzipiert und 1985 in englischer Sprache uraufgeführt - wurden früh Filmpläne geschmiedet. Der Sprung auf die grosse Leinwand gelang jedoch erst nach dem 25-Jahre-Jubiläum. Geschadet hat's sicher auch nicht, dass inzwischen mit Mamma Mia! ein Filmmusical-Grosserfolg erschienen ist und Susan Boyle weltweite Beachtung mit ihrer Version von I Dreamed A Dream erlangt hat.

Verantwortlich zeichnen Oscarpreisträger Regisseur Tom Hooper (The King's Speech) sowie Produzent Cameron Mackintosh, der nicht nur Les Misérables auf die Bühne gebracht hat, sondern überhaupt einer der ganz grossen Musical-Produzenten des 20. Jahrhunderts ist. Mackintoshs Mitarbeit lässt erahnen, dass man sich nicht zu weit von der Bühnenversion entfernen wollte. So wird auch im Film grundsätzlich gesungen und nur vereinzelt gesprochen; verzichtet hat man dafür auf sämtliche tänzerischen Elemente, um die ernste Thematik möglichst realistisch umzusetzen.

Alle Lieder live singen zu lassen, anstatt sie wie in Musicalverfilmungen üblich erst im Studio einzuspielen, war offenbar die richtige Entscheidung, da so stark auf Emotion gesetzt werden konnte - in manchen Szenen geschieht dies so intensiv, dass nur noch geschluchzt wird. Die Darsteller wissen fast alle zu überzeugen; stimmlich fallen nur Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen deutlich ab. Die Inszenierung beeindruckt hingegen weniger: Obwohl Kulissen und Kostüme toll geraten sind, bleibt der Film manchmal etwas statisch, was sicher auch daran liegt, dass Hooper die Kamera in seinem typischen Stil ganz nah auf die Darsteller hält und wenig von der umgebenden Szenerie sehen lässt. Bei Anne Hathaways herzzerreissendem Solo - eine unvergessliche Szene, für die sie zu Recht vielfach ausgezeichnet wurde - passt diese Nähe perfekt. Mit der Zeit fällt das penetrante Draufhalten aber eher negativ auf.

Beim Cast hatte Hooper hingegen ein goldenes Händchen, besonders bei Hauptdarsteller Hugh Jackman, der den Film mit seinem emotionalen Spiel und seiner tollen Stimme mühelos trägt. Allen Unkenrufen zum Trotz darf man auch Russell Crowes Leistung nicht unterschätzen: Seine Stimme ist zwar weit weniger tragend als die seines Filmgegners; sein Gesang passt jedoch gut zur steifen Art von Javert. Schön ist, dass man neben gestandenen Filmschauspielern auch auf Gesangsneulinge wie Eddie Redmayne und eigentliche Musicaldarsteller wie Aaron Tveit (Enjolras) oder Samantha Banks (Eponine) setzte, die ihre Sache grossartig machen.

Trotz einiger Längen (die allesamt der Vorlage geschuldet sind), ist Les Misérables grosses Gefühlskino mit mitreissender Musik, bei der man hemmungslos mitfiebern und -leiden und ja, auch ordentlich weinen kann. Für Musical-Fans ist der Film sowieso ein Muss, die gelungene Mischung aus Thriller, Kriegsfilm, Familientragödie, Romanze und Historienfilm ist aber auch für Zuschauer ohne Musical-Kenntnisse sehenswert.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 11

El Chupanebrey

Hübsch gemacht, aber nach 70, 80 Minuten wird das Ganze laaaaaangweilig.

yan

Blu-ray-Review: Hesch mer es Nastüechli, bitte? *schluchz*

nadisimei

Der Film bekommt von mir ein grosses Lob. Mir hatte noch nie einen Film so gefallen wie Les Misérables! Einzelleistungen von mir persönlich gehen ganz klar an Anne Hathaway und Eddie Redmayne. Aber von Amanda Seyfried war ich ein bisschen enttäuscht. Von ihr hätte ich ein bisschen mehr erwartet.

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