Messies, ein schönes Chaos (2012)

Messies, ein schönes Chaos (2012)

Oder: Wedsch Puff, Mann?

Wo ist Walter?

Wo ist Walter?

Karl, Arthur, Elmira und Thomas leiden an einer "Krankheit", von der rund zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung betroffen sind: Sie sind Messies. Bühnenbildner Karl ist bei Theaterregisseuren geschätzt, weil er selbst die ausgefallensten Requisiten auftreiben kann. Doch dies hat seinen Preis: Sein Haus ist dermassen vollgestellt, dass ihm seine Frau ein Ultimatum stellt - entweder er räumt auf oder sie geht. Zumindest mit diesem Problem muss sich der alleinstehende Bauer Arthur nicht rumschlagen. Dafür hat er Ärger mit der Gemeinde, die ihn zwingt, sein heilloses Chaos aus rostigen Baggern und landwirtschaftlichen Nutzgeräten rund um seinen Hof aufzuräumen.

Keine aufgeräumte Stimmung

Keine aufgeräumte Stimmung

Elmira wiederum hätte gerne mehr als ein Leben. Denn ihre Interessen sind derart vielfältig, dass sie gar nie die Zeit hat, alle zu befriedigen. Ihre Wohnung ist voll von Magazinen, bespielten Musikkassetten und sonstigen Trouvaillen. Derweilen häuft sich in der Garage des Technikfreaks Thomas der Elektroschrott. Er ist fasziniert von technischen Geräten aller Art und ein leidenschaftlicher Bastler, seine grösste Freude besteht darin, alte Geräte auseinanderzunehmen und neu zusammenzuschrauben.


Film-Rating

Mit Kindern sollte man Messies, ein schönes Chaos besser nicht schauen. Sie werden nachher garantiert nie mehr ihr Zimmer aufräumen, weil: "Die im Film hatten ja ein viiel schlimmeres Durcheinander als ich!". Doch ansonsten ist Ulrich Grossenbachers Film wärmstens zu empfehlen, denn er ist amüsant und beklemmend zugleich.

Untermalt von gelegentlich eingespielten melancholischen Jazzklängen, begleitet Grossenbacher seine vier Protagonisten bei ihren alltäglichen Adventure-Trips durch ihr eigenes Chaos. Dabei hängt er ihnen auch gerne mal eine Minikamera um den Hals, so dass der Zuschauer die gefährliche Tour aus der First-Person-Perspektive hautnah miterleben kann. Dann wiederum sind höchst intime Szenen zu sehen, beispielsweise, wenn der zwanghafte Sammler Karl vor den Trümmern seiner Ehe steht und nicht fähig ist, etwas dagegen zu tun.

Man weiss nicht so recht, ob man lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall gelingt es Grossenbacher, dem Zuschauer die auf den ersten Blick verschrobenen Charaktere näherzubringen. Er bewahrt dabei stets eine leicht ironische Distanz, ohne aber jemals in Versuchung zu geraten, seine Protagonisten blosszustellen. Von den vieren kommt der Technikfreak Thomas im Vergleich zu den anderen deutlich zu kurz - dabei ist just er derjenige, der das Filmplakat ziert und für Schmunzler sorgt, wenn er mit dem "Messi"-Fussballshirt (gestellt oder nicht?) durch seine vollgemüllte Garage schleicht. Ob die Szenen mit ihm deswegen so vergleichsweise kurz ausgefallen sind, weil er als einziger der vier Porträtierten keine sichtbaren ernsthaften Probleme aufgrund seines Messietums zu haben scheint?

Vielleicht ist er auch nur der Schere zum Opfer gefallen. Denn auch so schon weist Messies mit knapp zwei Stunden für Dokfilm-Verhältnisse Monsterlänge auf. Möglich, dass die eine oder andere Räumungsszene auf Dauer etwas ermüdend wirkt und gekürzt hätte werden können. Verschwendete Zeit ist der Film dennoch nicht - im Gegenteil. Bis zum symbolischen Schlussbild mit einer säuberlich ausgedrückten Senftube und dem folgenden Schlussong "Messi vielmal" (höhö) ist Grossenbachers Film ein konsequentes, unterhaltsames, aber auch nachdenklich stimmendes Porträt von vier Menschen, deren Sammeltrieb sie zu Aussenseitern der Gesellschaft gemacht hat.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

26.01.2012 / ebe

Community:

Bewertung: 4.9 (7 Bewertungen)

 

 

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