Mars et Avril (2012)

Mars et Avril (2012)

  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: The Sound of the Universe

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter
Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter © Studio / Produzent

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft. Das Gesicht der Erde hat sich verändert, gewaltige Städte haben sich gebildet und neue Transporttechnologien erleichtern das Reisen innerhalb der urbanen Ballungszentren enorm. Auch sonst hat die Wissenschaft Quantensprünge vollbracht, weshalb auch das nächste grosse Unterfangen der Menschheit nach vielen Jahren der Entwicklung endlich vor der Türe steht: die Reise zum Mars. Der Rote Planet fasziniert die Menschen nämlich schon länger und es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schritte im roten Sand getan werden.

Doch nicht nur die Wissenschaft hat sich weiter entwickelt, auch die Musik ist nicht stehengeblieben. Besonders der charismatische Musiker Jacob Obus (Jacques Languirand) hat die Kunst perfektioniert, mit seinen bizarren Instrumenten für sein Publikum die Zeit zu verlangsamen. Unterstützt wird er von seinem Freund Arthur (Paul Ahmarani), der eben diese Instrumente entwickelt und auf Basis von Frauenkörpern modelliert. So arbeiten sie seit Jahren in Harmonie. Diese wird jedoch stark gestört, als sich Arthur und Jacob beide in die junge Fotografin Avril (Caroline Dhavernas) verlieben und sich eine Dreiecksbeziehung entwickelt. Zur selben Zeit wie das Raumschiff in Richtung Mars startet, beginnt auch für die drei die Suche nach der Bedeutung des Lebens und der Liebe.

Filme mit Comicvorlagen gab es in den letzten Jahren häufiger, und so wurden wir mehrmals mit Spider-Man, Batman und weiteren Adaptionen beglückt. Mars et Avril basiert ebenfalls auf zwei hochgelobten "Graphic Novels" - wie die Comics auch bezeichnet werden - und wurde mit einem sehr knappen Budget in 25 Tagen primär vor Green-Screens gedreht. Der Film ist auch gleichzeitig das Debüt des Regisseurs, was bei einer solch aufwendigen und komplexen Produktion noch einen Schwierigkeitsgrad mehr bedeutet.

Wenn man Mars et Avril einer Filmkategorie zuordnen müsste, fallen einem da Fountain oder Cloud Atlas ein. Beides waren Produktionen, die vor allem durch ihre Vielschichtigkeit und auch ihren grossartigen Bilder überzeugten. Mars et Avril ist da nicht unähnlich, denn selbst wenn das beschränkte Budget bei den verwaschenen CGI-Szenen schon erkennbar ist, gelingt es Regisseur Martin Villeneuve schon in den ersten Minuten, mit grossartigen Bildern die Zuschauer zu packen und sie ins futuristische Montreal zu entführen. Auch sonst überzeugt Mars et Avril mit vielen liebevollen Details, die sich von den verschiedenen Kleidern über die Instrumente bis hin zu den Einrichtungen erstrecken - wobei nicht wenige Male auch Erinnerungen an Filme wie The City of Lost Children wach werden, wenn sich die Schauspieler in der Steampunk-Umwelt bewegen. Letztendlich sorgt aber der geniale Soundtrack dafür, dass man richtig in den ruhigen Bildern versinkt und auch das Gefühl aufkommt, dass die Zeit stehen bleibt.

Leider hat Mars et Avril wie auch Fountain oder Cloud Atlas das Problem, selbst wenn der audiovisuelle Aspekt grossartig ist, dass der Film inhaltlich sehr verschachtelt bleibt und über die Laufzeit mit zusätzlich hineingeschobenen Themen nicht einfacher wird. Was zu Beginn noch eine Suche nach Liebe und eine Dreiecksbeziehung war, wird so um immer mehr Themen erweitert, bis man an einen Punkt kommt, an dem der Film auch viele Zuschauer verlieren könnte. Besonders mit dem Marslandungshandlungsfaden, der immer wieder eingeflochten wird, hat der Film noch viel Hintergrundrauschen dabei, was eben doch mehr als Füller herhalten muss, als dass es letztendlich etwas zur Auflösung des Rätsels beisteuert.

Fazit: Mars et Avril gehört zu den Filmen, auf die man sich einlassen muss, denn selbst wenn die Bilder enorm schön präsentiert und durch den Soundtrack auch grossartig unterlegt sind, die Geschichte driftet über die Laufzeit immer mehr ins Esoterische ab, und da muss man doch dabei bleiben, um jeden Hinweis mitnehmen zu können. Dennoch bleibt der Film auch dank den beteiligten Schauspielern ein sehr faszinierendes Werk, das besonders als Debütfilm eine grossartige Leistung ist.

/ db