Magic Mike (2012)

Magic Mike (2012)

  1. ,
  2. 110 Minuten

Filmkritik: Natural Born Strippers

Gibt's das Teil auch für Männer?
Gibt's das Teil auch für Männer?

Mike (Channing Tatum) ist eigentlich ein Jungunternehmer. Da die Bank ihm aber jegliche Kredite verweigert, setzt der athletisch gebaute Schönling seinen Körper im örtlichen Stripperschuppen Xquisite öffentlich zur Schau und kassiert dabei ordentlich Geld. Der grosse amerikanische Traum scheint so greifbar näher zu kommen. Während seines Tagesjobs auf dem Bau trifft Mike auf den jüngeren Adam (Alex Pettyfer), welcher wegen Diebstahls gleich wieder entlassen wird. Als sich die beiden nachts in der Partyszene erneut über den Weg laufen, hat Mike Erbarmen und schleust ihn in die Welt der Stripper ein.

Krawatte muss schon sein.
Krawatte muss schon sein.

Clubchef Dallas (Matthew McConaughey) setzt den Sprössling für die Requisiten ein. Was Adam zunächst gar nicht behagt, wird von Tag zu Tag zu seiner Leidenschaft, ganz zum Leidwesen seiner Schwester Brooke (Cody Horn), die vor allem der Freundschaft zu Mike nicht angetan ist. Adam wird zum professionellen Stripper und scheint sein Leben finanziell geregelt zu haben. Doch mit Glanz und Ruhm kommen auch Probleme zum Vorschein...

Es verwundert schon ein bisschen, wenn Oscarpreisträger Steven Soderbergh (Contagion, Ocean's Eleven) ausgerechnet mit Magic Mike, einem Mainstream-Stripperfilm, seinen bisher grössten Kassenrekord am Startwochenende feiern darf. Es müssen zweifellos scharenweise weibliche Fans von Channing Tatum & Co. die Kinos gestürmt haben - denn aus cineastischer Sicht kann ein solcher Streifen zu gar nichts taugen. Oder vielleicht doch?

Aus einem Schwatz, bei dem Tatum (21 Jump Street) dem Regisseur von seiner Vergangenheit als Stripper erzählt hatte, entsprang kurzerhand ein vermarktbares Drehbuch und schliesslich 110 Minuten voller magischer Stripeinlagen. Magic Mike könnte das Pendant zu Paul Verhoevens Misserfolg Showgirls sein: Von einer Story primär keine Spur, aber nackte Haut, derbe Sprüche und Drogen bis zum Umfallen. Frau wird dabei gerade in den ersten Sekunden bedient, sobald der splitterfasernackte und durchtrainierte Mitproduzent Channing Tatum aus dem Bett krabbelt.

Der männliche Cast trumpft im Scheinwerferlicht so richtig auf: Matthew McConaughey (The Lincoln Lawyer) bringt auch noch als Mittvierziger stählerne Bauchmuskeln mit sich, Joe Manganiello (True Blood) spreizt die rasierten Beine ohne Werwolfbeisserchen, Kevin Nash (Rock of Ages) hat die Choreo faustdick im Griff und Channing Tatum - ja, der Junge macht das, wofür er früher Moneten verdient hat, ausgezeichnet. Zusammen mit Schmusebacke Alex Pettyfer (In Time) geben die beiden ein schrecklich lustiges Kumpelpaar ab, raufen sich, strippen und helfen sich aus der Patsche.

Davon alleine kann es aber noch keine vier Sterne geben. Soderbergh wäre nicht Soderbergh, wenn er Magic Mike nicht trotz fehlender Substanz etwas Einzigartiges abgewinnen könnte. Er visualisiert das Drehbuch gekonnt, zögert den Schnitt hinaus, fokussiert sich auf die Charaktere und verwendet unkonventionelle Kameraeinstellungen, die das Resultat durchaus überzeugen lassen. Selbstverständlich kommen die weiblichen Zuschauer voll auf ihre Kosten, und am Schluss lernt Magic Mike, was Karate Kid, Rocky und viele andere vor ihm auch gelernt haben. Loveinterest Cody Horn (End of Watch) bleibt dabei dezent, aber sehr natürlich im Hintergrund, was Magic Mike nebst Testosteron einen Hauch Sensibilität verleiht.

Fazit: Mit Magic Mike feiert Steven Soderbergh vor allem durch den Einsatz seiner männlichen Besetzung eine fette Party. Nackte Männeroberkörper und Knackärsche - all dies dürfen unsere weiblichen Zuschauer geniessen, dabei lachen und über die dünne Story hinwegsehen. Der einzigartige Stil schenkt der Stripperei zusätzlich einen Stern. Ziel erreicht.

/ woc

Kommentare Total: 9

yan

Ist zwar keine reine Komödie, da geb ich dir schon recht, aber ein typisches Drama sieht auch anders aus.

th

warum der film auf imdb unter "comedy" läuft ist mir ein rätsel... unabhängig davon hab ich mich ziemlich gelangeweilt - und das sag ich jetzt nicht nur so aus neid auf die sixpacks! 😉

yan

Magic Mike spricht rein von der Thematik her sicherlich eher Frauen an. Mit McConaughey, Tatum und Pettyfer sind da auch die richtigen Schönlinge am Start. Trotzdem muss man auch als Mann zugestehen, dass der Film einfach cool ist. Nette Story, die schön zwischen Komödie und Drama hin und her switcht. Stripszenen mit Scarlett Johansson, Jessica Alba und Mila Kunis hätten mir zwar besser gefallen, doch auch so, geht Magic Mike einen guten Weg und gefällt.😄

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