A Late Quartet (2012)

Saiten des Lebens

A Late Quartet (2012) Saiten des Lebens

Oder: Wenn die Musi nicht mehr spielt

"Das mit dem Playback funktioniert ja schon richtig gut."

"Das mit dem Playback funktioniert ja schon richtig gut."

Seit 25 Jahren spielt das weltberühmte Fugue String Quartet bereits zusammen und hat in dieser Zeit schon über 3000 Auftritte absolviert. Passend zum Jubiläum wollen die Vier Beethovens Streichquartett Nr. 14 cis-moll op.131 aufführen, eine äusserst schwieriges und schnelles Stück. Ihr gefasstes Vorhaben wird aber durch eine schlimme Nachricht erschüttert: Bei Cellist Peter (Christopher Walken) werden frühe Anzeichen von Parkinson entdeckt, was es ihm mit fortschreitender Entwicklung der Krankheit verunmöglichen wird, weiter aufzutreten.

"Sorry, bin kurz eingepennt."

"Sorry, bin kurz eingepennt."

Dieser Schicksalsschlag hat für das ganze Quartett Folgen. Bei Überlegungen für einen Ersatz tut Robert (Philip Seymour Hoffman) seinen Unmut kund, dass er es satt habe, die zweite Geige zu spielen. Er sei ebenso gut wie Daniel (Mark Ivanir), der schon seit 25 Jahren die erste Geige spielt und die Gruppe führt. Um ihn umzustimmen, trifft Daniel sich mit Peters Frau Juliette (Catherine Keener), die im Quartett die Bratsche spielt. Doch die Probleme werden dadurch nur schlimmer und die Musikergruppe droht auseinanderzubrechen.


Film-Rating

Die inoffizielle Alte-Musiker-Trilogie findet in den Schweizer Kinos mit A Late Quartet ihren Abschluss. Nach einem harmlosen Besuch im Altersheim und einem zu forcierten Versuch auf die Tränendrüse zu drücken, ist es A Late Quartet, der am meisten auf die Komponente Drama setzt. Alle vier Musiker in dem Film von Yaron Zilberman haben ihre eigenen Sorgen, die sie plötzlich nicht mehr bereit sind, im Sinne des Gruppenfriedens voreinander zu verstecken. Schade, dass gerade nur zwei Schicksale wirklich interessieren und Zilberman gegen Ende hin immer mehr in Soapgefilde abdriftet.

Viele wird schon nur der Cast ins Kino locken: Philip Seymour Hoffman, Christopher Walken und die immer wunderbare Catherine Keener machen den Film zu Beginn recht sympathisch, obwohl ihre porträtierten Figuren dies nicht wirklich sind. Zu sehr haben alle einen Stock im Arsch, was die Identifizierung schwer macht. Zilberman versucht sie später mit Problemen wie dem Älterwerden und Untreue für die Zuschauer greifbarer zu machen. Dies funktioniert bei Walken wunderbar, der von allen am wenigsten auf der Leinwand zu sehen ist, dabei aber das Optimum herausholt. Auch Hoffmans Robert ist ein interessanter Charakter, doch wird er das erste Opfer von zu vielen Nebenplots, die ihn über längere Zeit von der Bildfläche verbannen. Gerade die Liebelei zwischen Mark Ivanir und Imogen Poots nimmt unnötigerweise viel Platz ein und gipfelt in einer Keilerei, die gar nicht so richtig in den Film passt.

Fazit: A Late Quartet ist eine mit klassischer Musik ausgeschmückte Seifenoper. Auch wenn das Drama ruhig beginnt und vor allem Walken gefällt, sind es die anderen Charaktere, die mit ihren Sorgen zu viel Platz bekommen, welche entweder nicht interessieren oder sehr klischeehaft dargestellt sind. In seinen besten Momenten ist A Late Quartet ein grossartiges Musikerdrama, während er in den schwachen Sequenzen seiner toller Schauspieler unwürdig ist. Die letzte Szene ist jedoch äusserst gelungen und entlässt einen dann doch zufrieden aus dem Kinosaal. Doch da wäre eindeutig mehr drin gewesen.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

03.03.2013 / crs

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