Kid-Thing (2012)

Kid-Thing (2012)

  1. 83 Minuten

Filmkritik: Darf ich jetzt das?

Mist, das sind die gleichen Farben...
Mist, das sind die gleichen Farben... © Studio / Produzent

Annie (Sydney Aguirre) ist ein depressives, wütendes und rebellisches elfjähriges Mädchen, das am Rande einer Stadt haust und meist auf sich alleine gestellt ist. Ihre Mutter ist nicht mehr da, und wenn der Vater nicht gerade seine Ziegen hütet, schläft er durch den Tag. Also wächst Annie mehrheitlich ohne Eltern auf, weshalb sie auch über keinen moralischen Kompass verfügt und das tut, was ihr gerade in den Kopf kommt: Im Dorfladen stehlen, Gegenstände zerstören und ihre Mitmenschen mit Streichen terrorisieren.

Mal schauen, ob das weh tut...
Mal schauen, ob das weh tut... © Studio / Produzent

Diese destruktive Tagesroutine wird jedoch unterbrochen, als sie eines Tages im Wald die Stimme einer alten Frau hört. Annie geht ihr nach und kommt schliesslich zu einem Brunnen, in den die Frau, welche sich als Esther vorstellt, anscheinend gefallen ist. Allerdings ist sich Annie nicht sicher, ob das nun wirklich eine Frau ist, oder bloss der Teufel höchstpersönlich, der sie verführen will. Dies führt schliesslich zu einem fatalen Entscheid: Das junge Mädchen denkt nicht daran, die Frau aus ihrer misslichen Lage zu befreien - ganz im Gegenteil. Annie bringt ihr lediglich etwas zu essen, zu trinken und ein Walkie Talkie...

"Wenn du etwas tust, überlegst du dir etwas oder tust du es einfach?" Eine simple Frage, und dennoch steckt soviel dahinter. Was ist gut, was ist schlecht? Was gehört sich, und vor allem, was darf man und was nicht? Diese Fragen stellt auch Kid Thing und schickt dabei die junge Annie auf eine Reise, um genau diese zu erkunden. Doch wie kann man diese Fragen beantworten, wenn die Mutter nicht mehr da ist und der Vater primär mit seinen Ziegen beschäftigt ist oder schläft? Die anderen Kinder sind auch keine Hilfe, denn sie wollen nichts mit Annie zu tun haben, und so wird dies auch eine schwere Reise, die das Mädchen noch vor viele Probleme stellen wird.

Der Film bietet viele lange, melancholische Bilder, welche die Trostlosigkeit und den Zerfall in Annies Leben sehr gut einfangen und mit dem düsteren Soundtrack gut untermalt sind. Von der Besetzung her mimt Sydney Aguirre die junge Annie sehr zurückhaltend und wirkt dabei zum Teil auch eher gelangweilt und lustlos. Aber auch das, ob beabsichtigt oder nicht, passt durchaus zu ihrer Rolle, doch etwas mehr Facetten hätten ihr gut getan. Die restlichen Erwachsenen erhalten zwar Screentime, doch sie werden dabei als so beschränkt porträtiert, dass sie kaum einen Satz zustande bringen und deshalb auch kaum einen Mehrwert für Annie sowie für den Film bieten; entweder sind sie beim Melken, scheuchen Ziegen herum oder verrichten andere mässig interessante Tätigkeiten.

Vom Ablauf her ist die Handlung genau so gemächlich und dahindümpelnd wie Annies Leben. Primär wird von einer Momentaufnahme in die andere gegondelt, ohne wirklich etwas zu erreichen, ausser dass meistens wieder etwas zerstört wurde. Wie Annie dabei zu einem sehr teuren professionellen Paintball-Marker kommt oder das Signal des Walkie Talkie vom Brunnen bis zu ihr nach Hause reicht, wenn sie zum Hinkommen sogar das Fahrrad benutzen muss, sei jetzt mal dahingestellt. Leider ändert sich dieses Ziellose auch nicht, als Annie Esther gefunden hat. Anstatt dies als Wendepunkt zu nehmen, um den Film nun zielgerichtet auf etwas zuzusteuern, lassen die Regisseure den Film in Untätigkeit verharren und den Prozess primär in Annies Kopf weiterlaufen, wo ihn die Zuschauer nur erahnen können.

Fazit: Kid Thing ist eine sehr stille, melancholische Bildcollage aus dem Leben eines Mädchens ohne Halt und Führung. So gut dies zur Selbstfindung passt, verpassten die Macher den Moment, einen Gang hochzuschalten, und deshalb endet der Film zwar in einem mutigen Moment, aber wirkt auch verschenkt. Als Selbstfindungsfilm hat er das Driften des Mädchens sicher gut eingefangen, doch man sieht weder im Film noch bei ihr eine Entwicklung, was Kid Thing sehr gut getan hätte.

/ db