Hope Springs (2012)

Hope Springs (2012)

Wie beim ersten Mal
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  2. 100 Minuten

Filmkritik: Sextherapie im Alter

Da zahlt man ein Vermögen und muss doch alles selber machen
Da zahlt man ein Vermögen und muss doch alles selber machen © Ascot Elite

Nach 31 Jahren Ehe ist bei Kay (Meryl Streep) und Arnold Soames (Tommy Lee Jones) die Luft raus. Jeden Morgen macht Kay ihrem Mann Frühstück, er liest Zeitung und geht zur Arbeit. Am Abend wird schweigend gegessen, und schliesslich schläft Arnold auf seinem Sessel beim Schauen seiner Golfsendung ein. Auch die Nacht verbringen die beiden nicht mehr zusammen. Jeder zieht sich in sein eigenes Bett zurück. Kein Wunder, dass neben zärtlichen Berührungen auch der Sex ganz ausbleibt.

Ob der Verkäufer was geahnt hat?
Ob der Verkäufer was geahnt hat? © Ascot Elite

Eines Tages hält Kay die einsame Zweisamkeit nicht mehr aus und stellt ihren Mann vor eine Entscheidung: Arnold soll mit ihr für eine Woche in eine Eheberatung in Great Hope Springs kommen, sonst geht sie allein. Nur widerwillig gibt Arnold dem Wunsch seiner Frau nach und begleitet sie schliesslich nach Maine. Doch während sich Kay nach Liebe sehnt und bereit ist, sich auf Neues einzulassen, zeigt Arnold wenig Interesse für die Sitzungen mit Dr. Feld (Steve Carell) und seiner Frau. Können die beiden der Routine entfliehen und wieder einen Funken Leidenschaft in ihrer Beziehung entfachen, oder ist dies das Ende der Beziehung?

Was, schon wieder ein Film mit Meryl Streep? Die Schauspielerin ist für ihr Alter noch mächtig aktiv und fällt insbesondere durch ihre vielen Nominationen bei den Academy Awards auf. Mit siebzehn Nominationen und drei gewonnenen Goldmännchen (für Kramer vs. Kramer, Sophie's Choice und The Iron Lady) gehört sie zu den Rekordhaltern und ist der Liebling von so manchem Kritiker. In Hope Springs trifft Streep neben Schauspielern wie Tommy Lee Jones (No Country for Old Men, In the Valley of Elah) und Steve Carell (Crazy Stupid Love) auch auf einen alten Bekannten: den Regisseur David Frankel, mit dem sie bereits in der Komödie The Devil Wears Prada zusammengearbeitet hat.

Hope Springs wird es trotz der tollen Schauspieler schwer haben, ein breites Publikum zu erreichen. Jungen Leuten zeigt dieser Film nicht nur eine Beziehung, die sie selbst nie haben wollen - routiniert langweilig und ohne jegliche Leidenschaft -, sondern auch die Tatsache, dass alte Leute immer noch Sex haben oder dies zumindest gern wollen. Alles Dinge, von denen man am liebsten nichts wissen will. Auch die wenigen lustigen Momente, die vor allem durch Tommy Lee Jones' mürrische Figur ans Licht treten, lassen einen nicht richtig von den deprimierenden Problemen aufatmen.

Das geht so weit, dass man sich beim Zuschauen fragt, ob das Paar die Sache nicht abblasen und es vielleicht mit der Beziehung auch ganz lassen sollte, anstatt sich selbst und das Publikum noch weiter mit peinlichen (S)Experimenten zu plagen. Während zwar die Kleinstadtatmosphäre gelungen inszeniert ist - Great Hope Springs hat den Charme von Stars Hollow aus Gilmore Girls - sind die Charaktere zu wenig detailliert gezeichnet, so dass einem nicht ganz einleuchten will, was die beiden ausser ihrer Ehe überhaupt je verbunden hat. So kommt es dann auch, dass ausser Unbehagen keine wirklichen Emotionen aufkommen und der Film, der nur sehr langsam fortschreitet, die Zuschauer irgendwann verliert. Auch die nervige Popmusik kann keinen Schwung in diese angespannte Situation bringen, und wenn Streep sich mit Bananen und einem Sexratgeber von einem schwulen Autor im Bad versteckt, will man sich nur noch an den Kopf fassen und das Ganze enden lassen.

Der Schluss stellt dann leider auch das grösste Problem dar. Drei Mal scheint der Film zu einem Ende zu kommen. Doch leider wagt die Drehbuchautorin Vanessa Taylor nichts und der Film nimmt ein Ende, das - wie so oft in Hollywood - nach Friede-Freude-Eierkuchen duftet. Der Abspann überspannt die Nerven dann vollends, wenn der ganze Cast friedlich am Strand tanzt und den Film gänzlich zu einer Farce macht. Schade um die Top-Schauspieler, die trotz solider Leistung den Film nicht retten können.

Fazit: Hope Springs ist nichts für junge Leute und solche, die eine Komödie erwarten. Wer allerdings immer mal wissen wollte, wie sich eine Sextherapie anfühlt, sollte diesen Film nicht verpassen. So ist es doch noch immer angenehmer, als Kinogänger Zeuge von diesem seichten Film zu werden, als selbst im Therapiezimmer zu sitzen.

/ stb

Kommentare Total: 3

faz

Blu-ray-Review: Let's get it on *sing*

BooBee

Ich war heute zwangsweise in dem Film, weil ein anderer ausgefallen war. Der Kritik kann ich nichts hinzufügen - genauso wars... Wir wissen jetzt, was wir nicht für eine Beziehung haben wollen... :-)

Gut gespielt von den drei Hauptdarstellern.

Gruss

Sven

stb

Filmkritik: Sextherapie im Alter

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