Heiter bis wolkig (2012)

Heiter bis wolkig (2012)

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  2. 100 Minuten

Filmkritik: Das seltsame Verhalten geschlechtsreifer Grossstädter zur Sterbenszeit

"Eishockey ist soooo langweilig."
"Eishockey ist soooo langweilig." © Studio / Produzent

Tim (Max Riemelt) und Can (Elyas M'Barek) sind zwei junge Köche, die ihre Brötchen nicht in einem Gourmetrestaurant verdienen, sondern in einer Grossküche, wo sie Essen für die Massen zubereiten. Kreativität ist hier nicht gefragt, was Tim langsam zu nerven beginnt. Immerhin können er und Can abends dann kreativ sein, wenn es darum geht, Frauen anzusprechen. Als die klassischen Sprüche wie "Mein Bett ist kaputt, darf ich heute Nacht in deinem schlafen?", nicht den erhofften Erfolg bringen, wenden sie eine Masche an, welche sie schon lange nicht mehr angewendet haben: das Vorgaukeln eines bevorstehenden Todes. Tim gibt deshalb bei der süssen Marie (Anna Fischer) den Tumorpatienten, der nur noch wenige Monate zu leben und noch ein paar Wünsche hat.

Gastauftritt der Geissens
Gastauftritt der Geissens © Studio / Produzent

Marie fällt prompt darauf herein und nimmt Tim zu sich nach Hause. Doch dort werden sie von Maries Schwester Edda (Jessica Schwarz) gestört, die an Krebs erkrankt ist und tatsächlich nur noch drei Monate zu leben hat. Um Edda aufzumuntern, schlägt Marie vor, dass Tim mit ihr etwas Zeit verbringen soll, da die beiden das gleiche Schicksal teilen. Doch Edda durchschaut Tim schnell und macht sich einen Spass daraus, den von Schuldgefühlen geplagten jungen Mann zu quälen.

Filme, die den Tod als Thema haben, sind selten leichte Kost. Neben zermürbenden Beispielen wie Michael Hanekes Palme-D'or-Gewinner Amour gibt es auch solche, bei denen die Macher mit Humor versuchen, das Thema leichter konsumierbarer zu machen. Vorzüglich geschafft hat dies beispielsweise Will Reiser, der mit seinem Skript zu 50/50 einen warmherzigen, lustigen und gleichzeitig auch zu Tränen rührenden Streifen geschaffen hat. Nicht ganz auf gleichen Niveau ist das Duo Jan Ehlert und Axel Staeck mit seiner deutschen Sterbe-Tragi-Rom-Com Heiter bis Wolkig, die zwar schön brav die Eckpunkte des Genres abarbeitet, aber sonst nichts Spezielles zu bieten hat.

Voraussehbarkeit kann man dem Film schon vorwerfen, aber langweilig ist er nicht wirklich. Dies liegt vor allem an den schrägen Situation, welche die Patientin den Möchtegernpatienten hineinbringt. Sie hat die Zügel fest in der Hand, denn bei Nichtgehorsam würde sie den Blondschopf sofort bei ihrer Schwester verraten. Das ist bis zu einem gewissen Grad lustig, doch Dynamit anzuschnallen und danach den Ex zu besuchen, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Was jedoch ganz gut funktioniert, sind die wenigen dramatischen Sequenzen, in denen die Patientin ihren Panzer ablegt und auch mal in Tränen und Zorn ausbricht. Die Lovestory, welche nebenbei noch erzählt wird, ist hingegen viel zu sehr 08/15. Sie zieht den Film nur unnötig in die Länge und sorgt dann auch für ein hollywoodtypisches Ende.

Wie der Gesundheitszustand von Edda sind auch die darstellerischen Leitungen mehr schwankend als konstant. Jessica Schwarz ragt mit ihrer Leistung als Krebspatientin eindeutig heraus. Sie kann in der Rolle ihr ganzes Repertoire zeigen und tut dies eindrucksvoll. Obwohl ihre Figur am Sterben ist, bringt sie mit ihrer Verkörperung am meisten Leben in die Geschichte. Max Riemelt kriegt derweil nicht viel, mit dem er arbeiten kann. Doch immerhin schafft er es, seinen Lügner mit Gewissensbissen mit etwas Sympathie auszustatten. Anna Fischer hingegen als dritte im Hauptdarstellerbunde spielt ihren Part, als wäre sie in einem Kinderfilm. Immer leicht übertrieben gibt sie ihre Sätze zum besten, sodass auch die lieben Kleinen die Emotionen mitbekommen. Für einen Film mit dem Thema Krebs ist dies aber definitiv die falsche Vorgehensweise.

Fazit: Heiter bis Wolkig hat gute Ansätze und paart Drama mit Humor streckenweise überzeugend. Doch die Lovestory enttäuscht, und der Film wäre auch gut ohne sie ausgekommen, denn Riemelt und Schwarz hätten ein super Paar abgegeben. Da aber solche Szenarien wie ein Protagonist, der sich in eine Sterbenskranke verliebt, auch langsam ausgelutscht sind, nahmen die Macher wohl noch eine Mittelsfrau hinzu. Doch obwohl dieses Klischee ausgelassen wurde, finden sich hier immer noch genug andere, sodass Heiter bis Wolkig am Ende wieder einer dieser Filme ist, die man schon ein paarmal besser gesehen hat.

/ crs

Trailer Deutsch, 02:26