For Ellen (2012)

For Ellen (2012)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: Der Rocker und sein Handy

Arschkalt im Spalt
Arschkalt im Spalt © Studio / Produzent

Der mässig erfolgreiche Rockmusiker Joby Taylor (Paul Dano) fährt mit seinem Schrottgöppel ins schneebedeckte Niemandsland der USA, um Scheidungspapiere zu unterschreiben. Mit Schrecken muss er feststellen, dass seine Ex (Margarita Levieva) sich weigert, mit ihm zu sprechen oder auch nur einen Kaffee zu trinken. Das erschwert den Kontakt zu seinem Töchterchen Ellen (Shaylena Mandigo), mit dem er eigentlich nie etwas zu tun hatte in den letzten sechs Jahren.

Pack die lange Unterhose ein...
Pack die lange Unterhose ein... © Studio / Produzent

Ein letztes Mal mit dem Nachwuchs zu sprechen wäre nun aber Jobys Herzenswunsch. Sein Anwalt (Jon Heder) kann ihm nicht helfen. Doch da Joby Beweise besitzt, dass die leibliche Mutter ursprünglich vorhatte, Ellen abzutreiben, gelingt es ihm trotzdem, eine oder zwei Stunden mit dem Mädchen herauszuschinden. Statt des Sorgerechts bleibt ihm ein letzter gemeinsamer Nachmittag mit Ellen, aus dem es nun das Beste herauszuholen gilt.

Die in Amerika aufgewachsene Koreanerin So-yong Kim wagt sich nach den auf ihre Heimat fixierten Werken In Between Days und Treeless Mountain erstmals an einen Film in englischer Sprache. Sie konnte für ihren Indie-Film einige bekanntere Namen engagieren wie Paul Dano (Little Miss Sunshine), der auch als Executive Producer mitwirkte, Jon Heder (Napoleon Dynamite), in einer für ihn etwas gewöhnungsbedürftigen Rolle als Anwalt, und Jena Malone (Donnie Darko) mit einer Kleinstrolle. In For Ellen bleibt Kim aber ihrer Themenwelt treu: isolierte Figuren in einer auch meteorologisch kalten Gegend, gerne auch mit Kinderdarstellern.

Neu ist hingegen die männliche Perspektive, der sich Kim hier komplett verschreibt, und ihr nur bedingt gelingt. Der Film rückt quasi ausschliesslich Paul Dano auf die Pelle, dessen Joby sich schnell als egozentrischer Unsympath entpuppt, dem niemand wirklich eine Primarschülerin anvertrauen möchte. Die Spannung, welche man hinter einem Film, der sich um einen Sorgerechtsstreit dreht, erwarten könnte, geht spätestens dann weg, wenn Joby nach langen Barnächten seine Termine versifft. Es bleiben Szenen, die wenig miteinander zu tun haben und von Grossaufnahmen von Stubenfliegen im Ohr des Hauptdarstellers bis zu peinlich berührendem Lasagne-Essen bei der Mutter seines Anwalts reichen.

Auch die Führung der Kinderdarstellerin misslingt Kim diesmal. Klar ist Shaylena Mandigo süss, aber bei der Laiendarstellerin, welche Kim im einzigen Schulhaus im Drehort gefunden hat, weiss man nie so genau, ob sie so still sein soll, oder ob sie es einfach nicht besser kann. Diese Antriebslosigkeit gipfelt in einer der apathischsten Szenen, die wohl je ein Kind geleistet hat, das im Spielwarengeschäft freie Auswahl simulieren soll.

For Ellen zeigt einen Loser mit seiner in sich gekehrten Melancholie in der für den Indie-Film typischen Manier. Ausser sporadischen Ausbrüchen bei Rockmusik aus Jukeboxen sinniert Paul Dano still vor sich hin, und aller aufgebauter Goodwill ist spätestens dann verbraucht, wenn der Film nach dem eigentlichen Schluss in eine unmotivierte Coda mündet.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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