Fenster zum Jenseits (2012)

Fenster zum Jenseits (2012)

Oder: Ghost adventures made in Switzerland

Das ist nicht "Sennentuntschi"...

Das ist nicht "Sennentuntschi"...

O'Neil Bürgi porträtiert in seinem Dokumentarfilm drei Schweizer Männer, die sich leidenschaftlich und beruflich mit dem Kontakt zum Jenseits beschäftigen: Andreas Meile ist ein Medium, welches mit Verstorbenen in Kontakt tritt und deren Botschaften an seine "Patienten" weiterleiten kann. Sam Hess ist nebst seinem Beruf als Förster ein Seher, welcher Wesen aus dem Jenseits spürt und mit ihnen kommuniziert. Hans Peter Roth ist Journalist und befasst sich mit Parapsychologie.

... und auch nicht "The Shining".

... und auch nicht "The Shining".

Er macht sich auf den Weg, um in der Schweiz mit Menschen zu sprechen, welche bereits unerklärliche Geschehnisse hautnah erlebt haben. Dabei verlässt er sich auf authentische Erzählungen und versucht, wissenschaftlich erklärbare Phänomene darin zu erkennen. Die drei Protagonisten geben einen intimen Einblick in ihr tägliches Schaffen, ihre Erkenntnisse und Hoffnungen. Sie treffen sich schlussendlich, um im Kurhotel Val Sinestra dem berüchtigten "Hausgeist" auf die Schliche zu kommen.


Film-Rating

Der Dokumentarfilm Fenster zum Jenseits basiert auf dem Buch "Orte des Grauens in der Schweiz" von Hans Peter Roth, welcher ebenso den Platz eines der drei Protagonisten im Film einnimmt. Die Vergangenheit der Schweiz ist eine Fundgrube von folkloristischen Schauermärchen. Einzelne davon haben sogar bis in die Gegenwart überlebt. O'Neil Bürgi stellt nicht unbedingt die Frage, ob das Unerklärliche auch in der Schweiz existiert, sondern überlässt den roten Faden den Erzählungen der drei Protagonisten.

Es wirkt auf den ersten Blick fast befremdlich, wenn das selbsternannte Medium Andreas Meile von Wesen aus der geistigen Welt spricht und sogenannte "Sitzungen" mit seinen Patienten abhält, oder der Seher und Förster Sam Hess im Einklang mit der Natur eine Tanne umarmt. Bürgi reflektiert das umstrittene Thema mit der nötigen Distanz und lässt den drei Männern freien Lauf. Der Journalist und Spuk-Interessierte Hans Peter Roth geht etwas bodenständiger an das Thema heran: Er will es mit den Händen berühren und damit erklären können. Sogar, als er im Hotel Val Sinestra - dem place to be, was Spuks in der Schweiz betrifft - die Energie des Hausgeistes spürt, spricht er im Nachhinein von etwas, "das er nicht unbedingt als die Präsenz eines Geistes definieren würde."

Ein ähnliches Gefühl beschleicht den Zuschauer, was die Authentizität der Erzählungen betrifft. Auf der einen Seite läuft Fenster zum Jenseits unspektakulär und monoton ab: Ruhige Szenen, Zeitraster von Natureinstellungen und Interviews mit Menschen, die keineswegs auf Provokation aus sind, stören unsere Meinungsbildung. Patienten zweifeln keine Sekunde an den Aussagen des Sehers und dem Medium. Ob wir Zuschauer es machen, bleibt jedem einzelnen überlassen. Beim Finale im Val Sinestra zeichnet sich schlussendlich ein Hauch von "Inszenierung" ab, was dem Dokumentarfilm aber nicht wirklich die Sympathie raubt, sondern den Zuschauer mit der Frage stehen lässt, mit der er ins Kino gekommen ist.

Fazit: Fenster zum Jenseits ist ein ruhiger und stimmiger Dokumentarfilm über ein zeitloses, heiss diskutiertes Thema. O'Neil Bürgi porträtiert drei Männer, die sich leidenschaftlich mit dem Jenseits befassen, und richtet sich dabei an Zuschauer, die dem Thema ebenfalls nicht abgeneigt sind.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

07.01.2013 / woc

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Bewertung: 4.3 (7 Bewertungen)

 

 

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