Draussen ist Sommer (2012)

Draussen ist Sommer (2012)

Oder: Drinnen ist Eiszeit

Creepy

Creepy

Die vierzehnjährige Wanda (Maria-Victoria Dragus) zieht mit ihrer Familie von Stuttgart in einen Vorort von Zürich. Einer der Gründe für den Umzug lässt sich in dem schiefen Haussegen finden, der jetzt in der Schweiz gerichtet werden soll. Während Vater Joachim (Wolfram Koch) arbeiten geht und auch Mutter Anna (Nicolette Krebitz) wieder ins Jobleben einzusteigen versucht, müssen die Kinder, neben Wanda noch ihre zwei jüngeren Geschwister Sophie (Audrey Käthe von Scheele) und Bubi (Nalu Walder), lernen, alleine im neuen Umfeld klarzukommen.

Voll blau

Voll blau

Wanda versucht ihr bestes, doch erwartet sie zuerst viel Abneigung von den Schulkameradinnen. Als sie eines Tages Bekanntschaft mit dem Nachbarn Hannes (Philippe Graber) macht, scheint das Mädchen vorerst einen Halt gefunden zu haben. Doch der vermeintliche Freund macht schon bald einen merkwürdigen Eindruck und Wanda möchte schnell nichts mehr mit ihm zu tun haben. Doch Hannes lässt nicht locker und beginnt sie zu verfolgen. Wanda ist verzweifelt: An wen soll sie sich wenden, wenn die Eltern wegen der erneuten Verschlimmerung der Ehekrise einen wie Luft behandeln und keine Freunde da sind?


Film-Rating

Viele kennen die Situation, wenn man irgendwo neu ist und dort nochmals bei null anfangen muss - sei dies in Freundesdingen oder um sich einfach nur geografisch zurechtzufinden. Auch Marie-Victoria Dragus‘ Figur Wanda muss diese Erfahrungen machen, und die bei den Dreharbeiten 17-jährige Schauspielerin meistert ihren Part mit Bravour. Mit verstohlenen Blicken gibt sie ihr verunsichertes Mädchen überzeugend und vor allem lebensnah. Leider kann sie nicht verhindern, dass der Film von Regisseurin Friederike Jehn gegen Ende hin immer mehr zum Klischeehaufen wird.

Obwohl hier meistens die Sonne scheint (Draussen ist Sommer), ist der Streifen bestes Depri-Kino. Es wird kaum gelacht und die Schauspieler ziehen meistens ihre Mundwinkel nach unten. In Kombination mit dem eher schleppenden Erzähltempo wird der Film so sehr schnell anstrengend. Trotzdem mag er aufgrund einiger beklemmender Szenen zu packen. Einige davon werden richtiggehend unangenehm in die Länge gezogen, sodass Überlegungen von der Leinwand wegzusehen gar nicht so abwegig sind. Das Problem ist nur, dass jede Szene, egal ob bedrückend oder auch aufmunternd, gestreckt ist. Eine Tanzszene mit der ganzen Familie will zum Beispiel kein Ende nehmen.

Da schnell klar ist, dass die Geschehnisse letzten Endes auf eine Katastrophe hinsteuern, sind auch grosse Teile der Story hervorsehbar. Hoffnung für die Hauptfigur gibt es da nur anhand von Träumen, die Jehn auch dazu veranlasst haben, nicht mit Symbolik zu geizen. Der immer wieder eingesetzte bunte Ballon wird aber derart plakativ eingesetzt, dass er schnell zum Ärgernis wird.

Fazit: Draussen ist Sommer ist ein schweres Stück Film, das die Zuschauer recht erdrücken kann. Häufen sich dann gegen Ende jedoch immer mehr die Klischees und die Übertreibungen, ist es schnell mal um die Glaubwürdigkeit des Ganzen geschehen und es mündet in einem bizarren letzten Abendmahl. Applaus aber für die Leistung von Jungschauspielerin Dragus sowie für das perfekte Einfangen des Gefühls des Alleinseins.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

27.06.2013 / crs

Community:

Bewertung: 4.1 (6 Bewertungen)

 

 

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