Disconnect (2012)

Disconnect (2012)

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  2. 115 Minuten

Filmkritik: "Gefällt mir"

Sput' dich, wir kriegen sonst keine guten Plätze mehr!
Sput' dich, wir kriegen sonst keine guten Plätze mehr!

Teenager Kyle (Max Thieriot) verdient sich seinen Unterhalt, indem er seine "Dienste" gegen Bezahlung via Webcam auf einer Internetseite für Erwachsene anbietet. Die ambitionierte Fernseh-Journalistin Nina (Andrea Riseborough) ist der Sache auf der Spur und wittert in der Story ihre Chance zum grossen Durchbruch.

Chemiestunde im familiären Rahmen
Chemiestunde im familiären Rahmen

Ein Ehepaar spricht seit dem Tod ihres Sohnes kaum mehr miteinander. Sie (Paula Patton) sucht Rat und Zuwendung in einem Internet-Forum für Trauernde. Er (Alexander Skarsgard) ist auf Geschäftsreisen unterwegs und gambelt gerne online. Anwalt Rich (Jason Bateman) ist ein Arbeitstier und klebt sogar während des Nachtessens mit der Familie an seinem iPhone. Sein Sohn (Jonah Bobo) ist ein Einzelgänger und zieht sich lieber in seinem Zimmer zurück, um am Computer Musik zu machen und diese auf seine Facebook-Seite zu laden.

Kennen tun sich diese Menschen nicht. Doch eines haben sie gemeinsam: Internetzugang und die heutigen technischen Möglichkeiten. Doch was bringt die moderne Welt effektiv?

Dokumentar- und Werbefilm-Regisseur Henry Alex Rubin ist mit Disconnect ein überaus spannender Film zu einem hochaktuellen Thema gelungen. Dass er bei seinem Mentor James Mangold (Walk the Line) einiges über das Regiehandwerk abschauen konnte, hat sich hier ausgezahlt.

Beinahe jedermann (und -frau) wird sich in die Story von Disconnect hineinversetzen können und bei einigen Verhaltensweisen wiedererkennen. Wie oft sitzt man am Tisch beisammen, und man selber oder wer anderes greift in die Tasche um kurz nachzusehen, ob eine SMS gekommen ist oder jemand was Neues auf Facebook gepostet hat. Online-Zahlungen mit der Kreditkarte werden auch tagtäglich getätigt, und dass das World Wide Web die grösste Informations-Datenbank überhaupt ist, versteht sich von selbst. Nebst dem weltweit bekanntesten Sozialnetzwerk werden im Film auch Internet-Sicherheit (täglich werden rund 25'000 Menschen ihrer Identität beraubt: Sozialversicherungsnummer, Kreditkartennummern, etliche persönliche Daten und Informationen - alles weg), Pornographie, Cybermobbing und vor allem auch die Suche nach Aufmerksamkeit und Zuwendung thematisiert; sei dies nun in karrieretechnischer oder privater Hinsicht.

Disconnect ist ein Episodenfilm mit drei Handlungssträngen, die unabhängig voneinander stattfinden, sich aber an gewissen Stellen treffen und überschneiden. Gleich von Beginn weg ist der Zuschauer mitten im Geschehen und schaut gebannt auf die Leinwand, um mitzuverfolgen, was als nächstes passiert. Die Szenenwechsel sind fliessend. Es kommt nie ein Gefühl auf, dass etwas abgehackt ist oder dass künstlich zum nächsten Abschnitt übergegangen wird. Die einzelnen Episoden werden in gleichem Mass behandelt, keine der Figuren steht mehr im Fokus als die anderen. So wird dem entfremdeten Ehepaar gleichviel Bedeutung zugemessen wie der karrieregeilen Journalistin mit ihrem Porno-Boy oder dem Emo-Teenie auf der Suche nach Freunden.

Das Cast kann sich durchaus sehen lassen: Nebst Paula Patton (Precious), Alexander Skarsgard (Battleship) und Jungschauspieler Colin Ford (We bought a Zoo) gibt sich auch Jason Bateman (Horrible Bosses) die Ehre. In der Rolle des gestressten Anwalts und machtlosen Vaters zeigt er sich wieder von seiner ernsteren Seite, was ihm besser steht als die Klamaukrollen. Die Chemie zwischen den Mimen stimmt - besonders zwischen Andrea Riseborough (Happy-go-lucky) und Max Thieriot (Jumper), der Reporterin und dem planlosen Teenager.

Was nach klischeegeladenem Film tönt, entwickelt sich nicht als solcher. Klar werden typische Beispiele gebracht, aber Rubin hat das Drehbuch beinahe ohne Kitsch verfilmt. Bei der Eskalation kurz vor Schluss kann über Sinn und Unsinn bei der Verwendung der Zeitlupenbilder diskutiert werden: Einerseits könnte man sich darüber aufregen, dass hier auf dramatisch und effekthascherisch gemacht wird. Andererseits wird hiermit genau auf den Moment hingewiesen, in welchem die Figuren realisieren, dass sie sich in einer Art Gefangenschaft durch die ach so schöne technologische Welt befinden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnen sie ihren Blick von ihren imaginären Displays zu lösen und sehen stattdessen ihrem Gegenüber in die Augen.

Kurz gesagt: Disconnect ist ein spannender Episodenstreifen, der sich mit einem aktuellen Thema befasst, das global von Interesse ist. Das attraktive Cast und ein fliessender Ablauf machen den Film zu einem lohnenswerten Kinobesuch.

/ faz

Kommentare Total: 4

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Wie konnte ich den nur verpassen! Ganz starker Film. Tiefgründige und interessante Thematik, mit der jeder sich identifizieren kann. Dazu noch sehr spannend inszeniert und von allen Akteuren toll gespielt. Die Reportergeschichte braucht zu Beginn etwas Zeit bis sie ins Rollen kommt.

Disconnect ist ein bewegender Film, der von meiner Seite her sackstarke 5.5 Sterne erhält.

yan

Ein grandioses und topaktuelles Thrillerdrama. Die drei Geschichten sind gleichermassen spannend, auch wenn sie gegen Ende nicht alle dieselbe Intensität mitsichbringen. Der Idenitätenklau ist zwar nicht ganz so emotional, dafür ist die Backstory rührend und das Thema sehr gut aufgegriffen. Der Facebookstreich ist haarsträubend realistisch und eine wichtige Message an den Zuschauer und das ausgewählte Ende perfekt. Die Journalistengeschichte ist sicherlich die Originelleste, wirkt aber am Schluss ein wenig zu abgehackt. Disconnect hat zudem ein wunderbarer Soundtrack und überzeugt mit seiner modernen Inszenierung. Ein wichtiger Film. Hoffentlich werden sich viele junge Leute den Film ansehen.

fanya

Ein Episodenfilm, der sehr gut funktioniert. Die Geschichten sind wunderbar verwoben und miteinander verbunden. Er ist weniger subtil als Robert Altmans "Short Cuts", aber spannend inszeniert.

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