De rouille et d'os (2012)

De rouille et d'os (2012)

Der Geschmack von Rost und Knochen
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  2. ,
  3. 120 Minuten

Filmkritik: Opé?

Huckepack zum Ersten...
Huckepack zum Ersten... © JMH Distributions

Der arbeitslose Ex-Boxer Alain, genannt Ali (Matthias Schoenaerts), kommt mit seinem fünfjährigen Sohn Sam (Armand Verdure) aus Frankreichs Norden nach Antibes an der Côte d'Azur, wo er von seiner Schwester Anna (Corinne Masiero) und deren Mann aufgenommen wird. Er findet eine Anstellung im Security-Dienst eines Nachtclubs, wo er Stephanie (Marion Cotillard) trifft, die als Wal-Dompteurin im "Marineland" arbeitet. Sie ist gestürzt und hat einige Schürfwunden davongetragen, weshalb sie Ali nach Hause fährt. Obwohl ihr dort der eifersüchtige Freund eine Szene macht, lässt sich Ali nicht einschüchtern und hinterlässt ihr seine Nummer - für den Fall der Fälle.

...und zum Zweiten.
...und zum Zweiten. © JMH Distributions

Monate später erhält Ali tatsächlich einen Anruf von Stephanie. Diese hatte mittlerweile einen folgenschweren Unfall während einer Show, bei dem sie beide Beine verloren hat. Die beiden treffen sich wieder, und tatsächlich schafft es der bodenständige Ali, der deprimierten Stephanie ein wenig Lebensmut zurückzugeben. Die beiden kommen sich näher, doch wird die sich anbahnende Freundschaft auf die Probe gestellt, als Ali seine Leidenschaft für das Boxen wieder entdeckt und beginnt, bei geheimen Strassenkämpfen mitzumachen.

Nein, De rouille et d'os ist nicht das zuckersüsse Nach-schwerem-Unfall-die-Lebensfreude-zurückfinden-Drama, wie man es aufgrund der Inhaltsangabe erwarten könnte. Die Geschichte der Neo-Invalidin Stephanie ist lediglich einer von verschiedenen Handlungssträngen, die, obwohl teilweise sehr emotional, nie ins Sentimentale abdriften und gerade deshalb besonders ans Herz gehen. In dieser Hinsicht funktioniert der Film gleich wie Un prophète, Jacques Audiards letzter Film, zu dem sonst wenig inhaltliche Parallelen auszumachen sind.

Einzelne Storyelemente mögen dabei etwas gar dick aufgetragen sein, vielleicht wäre weniger mehr gewesen. Doch da der Film auf jegliche Tränendrüsendrückerei verzichtet, kann er sich das erlauben. Zu dieser betont unsentimentalen Erzählweise tragen auch die körnigen, rauhen Bilder bei.

Bemerkenswert ist, dass alle Figuren kaum mit einer Vergangenheit ausgestattet sind. Insbesondere Ali scheint aus dem Nichts aufzutauchen, und weder die Umstände, die dazu geführt haben, dass er einen Sohn hat, noch seine Vergangenheit als Boxer kommen gross zur Sprache. Das mag einerseits etwas unbefriedigend sein, ist aber letztendlich auch konsequent: Denn für Ali, einen klassischen "Loner"-Typ, zählt die Gegenwart, nicht die Vergangenheit. Sein simpel gestrickter, aber liebenswerter Charakter wird von Matthias Schoenaerts stark dargestellt. Genau wie er als Ali sowohl Sohn Sam als auch Stephanie Huckepack trägt, trägt er auch den Film auf seinen stattlichen Schultern.

Seiner ungleich berühmteren Leinwandpartnerin Marion Cotillard kann er problemlos das Wasser reichen. Doch auch die Oscarpreisträgerin weiss zu überzeugen - in einer Rolle, in der sie für einmal grösstenteils mit per Computer amputierten Beinen agieren muss. Auch ihr kommt das Drehbuch entgegen, das um jegliche potenzielle emotionale Zuckerwatte einen weiten Bogen macht. De rouille et d'os ist ein vielschichtiges und überzeugend gespieltes und inszeniertes Drama - mit Emotionen, aber ohne Schnörkel. Stark.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 6

solarkritik

Interessant und sehenswert auf der DVD zum Film auch die Tricks, wie man die Beine von Marion Cotillard "amputiert" hatte.

solarkritik

Sicherlich ist der Film atemberaubend gespielt, emotional sehr bewegend, aber es fehlt mir in diesem Film der tiefere Sinn, den man bei einem solchen Film erwartet hätte. Auch das Ende des Films lässt den Zuschauer durch sein abruptes Ende ziemlich fragend zurück. Sicherlich kann der Film so interpretiert werden, dass das wahre Leben für den Sinn bestimmter Schicksalsschläge auch keine Antworten parat hat. Wenn das der Sinn des Films sein soll, dann ist mir das zuwenig...

yan

Atemberaubend gefilmt, stark gespielt und wunderbar inszeniert. Vieles kann man bei Rust and Bone nicht kritisieren. Höchstens die nicht enden wollenden Tragödien. Ähnlich wie bei Precious will und will das Leben nicht aufwärts gehen. Immer wieder schlägt das Schicksal zu und wirft die Figuren zurück. Emotional und erschütternd ist der Film trotzdem und Ansehen sollte man ihn schon nur der Bilder wegen.

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Trailer Französisch, mit englischen Untertitel, 01:53