Confession of a Child of the Century (2012)

Confession of a Child of the Century (2012)

Confession
  1. , ,
  2. 120 Minuten

Filmkritik: Je t'aime... moi non plus

"Inspirierend, dieses Kamasutra-Buch..."
"Inspirierend, dieses Kamasutra-Buch..." © Studio / Produzent

Paris, 1830: Octave (Pete Doherty) ist ein junger Bohemien ohne Geld, aber mit viel Leidenschaft. Als ihn seine Geliebte Elise (Lily Cole) mit seinem besten Freund betrügt, ist er bitter enttäuscht. Das Duell, dass er als Ehrenmann daraufhin gefordert hat, überlebt er zwar, doch eigentlich wäre er lieber gestorben. Vom Weltschmerz getrieben, versucht er, in ausschweifenden Orgien Trost zu finden. Doch auch diese sind keine Linderung für sein gebrochenes Herz.

Pech in der Liebe, Glück im russischen Roulette?
Pech in der Liebe, Glück im russischen Roulette? © Studio / Produzent

Als er erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, verschlägt es Octave aufs Land. Zwar kommt er zu spät, um den Vater noch lebend zu sehen, dafür trifft er eines kalten Wintertages auf Brigitte (Charlotte Gainsbourg), eine Witwe, die zehn Jahre älter ist als er und bei ihrer Tante lebt. Octave verliebt sich in sie, aber sie weist ihn zunächst zurück. Doch er bleibt hartnäckig und ist gewillt, in den Tod zu gehen, wenn Brigitte seine leidenschaftliche Liebe nicht erwidert.

Charlotte Gainsbourg, die Schauspielerin, die auch singt, und Pete Doherty, der Sänger, der neuerdings auch schauspielert, in einem Kostümfilm von Sylvie Verheyde, die 2008 mit Stella ein kleines, aber umso feineres Regiedebüt gegeben hat - das Interesse ist da schon mal geweckt. Leider ist der Film aber eine mittelgrosse Enttäuschung.

Confession of a Child of the Century beruht auf dem 1836 erschienenen gleichnamigen Roman des Franzosen Alfred de Musset, der darin das Mal de siècle beschwört, den romantischen Weltschmerz, der in der damaligen Zeit verbreitet war. Und Weltschmerz gibt es auch in der Verfilmung reichlich. Ja, Pete Doherty kann - soviel sei dem Film zugestanden - durchaus als perfekte Besetzung für die Rolle des Octave gesehen werden. Denn wer sonst als der von Skandalen umwitterte Rocksänger könnte besser den rastlosen Bohemien verkörpern, der von leidenschaftlicher Liebe getrieben wird? Dafür braucht es nicht mal ein spezielles Schauspieltalent, auch wenn Doherty in seinem Debüt ein solches durchaus an den Tag legt.

Leider bleibt aber vor lauter Geschwurbel um Liebe und Tod die Geschichte auf der Strecke und wird dermassen zerhackt erzählt, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer nach wenigen Minuten verpufft ist. Dafür suhlt sich der Film in wunderschönen Kostümen, einem brillanten Soundtrack (vom Duo NousDeux the Band), malerischen Landschaftsaufnahmen und hübschen Softerotik-Szenen. Das ist alles prächtig anzuschauen, wenn es denn nur interessieren würde. So aber ist leider trotz ansprechender Inszenierung der ganze Aufwand umsonst.

Wenn man schon einen Sänger wie Doherty an Bord hat, ist klar, dass er dann den Abspann-Song singen darf - auch wenn dieser stilistisch überhaupt nicht zum Rest des Filmes passt. Aber schlussendlich ist das reichlich egal, denn Confession of a child of a century kann das Feuer, das im Protagonisten Octave dermassen lodert, nicht auf die Zuschauer übertragen. Ohne eine valable Geschichte geht's halt einfach nicht. Vielleicht sollten es Gainsbourg (um die es in diesem Film besonders schade ist) und Doherty nächstes Mal doch eher mit einem Duett versuchen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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