Blancanieves (2012)

Blancanieves (2012)

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  3. 104 Minuten

Filmkritik: Das Torero-Schneewittchen

Finde das Schneewittchen
Finde das Schneewittchen © Xenix Filmdistribution

Antonio Villalta (Daniel Giménez Cacho) ist der bekannteste Torero Spaniens. In Sevilla in der Stierkampfarena jubeln ihm jeweils tausende Zuschauer zu, wenn er einem Bullen gegenübersteht. Unter den Zuschauern befindet sich immer auch seine schwangere Frau Carmen de Triana (Inma Cuesta). Doch eines Tages geschieht das Unglück: Wegen einer Unachtsamkeit wird Antonio von einem Stier aufgespiesst und sehr schwer verletzt. Wenig später stirbt Carmen bei der Geburt ihres Kindes und lässt so den querschnittgelähmten Antonio alleine mit dem Kind zurück.

Die Kleine hat einen Vogel
Die Kleine hat einen Vogel © Xenix Filmdistribution

Die Krankenschwester Encarna (Maribel Verdú) sieht die Chance ihres Lebens gekommen: Sie heiratet den ehemaligen Stierkämpfer und wird so die Stiefmutter von dem kleinen Mädchen, das wie die Mutter auf den Namen Carmen hört. Als Encarna nach mehreren Jahren genug von Antonio hat, stösst sie ihn mit dem Rollstuhl die Treppe hinunter und tötet ihn damit. Doch nicht genug: Sie will auch die inzwischen erwachsene Carmen loswerden. Diese entkommt dem Mordanschlag jedoch knapp. Zum Glück wird Carmen, die seit dem Vorfall an Gedächtnisverlust leidet, von sechs Torero-Zwergen aufgenommen. Zusammen mit ihren neuen Freunden zieht Carmen fortan unter dem Namen Schneewittchen durchs Land.

Schweigen ist wieder Gold, bestimmte die Academy im Februar 2012, als sie The Artist mit fünf Oscars belohnte, darunter auch mit demjenigen für den besten Film. In Spanien wird man sich derweil fürchterlich aufgeregt haben. Dort plante Regisseur Pablo Berger nämlich schon lange einen Stummfilm, der den Zauber vergangener Tage zurückbringen sollte. Doch selbst wenn es Blancanieves (zu deutsch: Schneewittchen) vor Michel Hazanavicius' Preisabräumer in die Kinos geschafft hätte, den Vergleich hätte der Film auch dann verloren.

Dies liegt vor allem an der schon eindeutig zu oft durchgekauten Story des Schneewittchens, der schleppenden Geschichte und einer nicht klaren Linie. Mal will Berger morbid sein mit dem Verspeisen des Lieblingsgockels, und dann wird wie im Kinderfilm fröhlich herumgetanzt. Anstatt sich so von den anderen Schneewittchen-Filmen abzuheben, bleibt so nur ein zwiespältiger Eindruck. Auch wird viel zu lange in den Teilabschnitten der Geschichte verweilt. Es dauert eine geschlagene halbe Stunde, bis das kleine Schneewittchen überhaupt zu der fiesen Stiefmutter kommt. Bis zu den Zwergen dauert es dann auch nochmals so lang, ohne dass das Interesse der Zuschauer aufrechterhalten werden kann.

Dafür gibt es mehr Stierkämpfe als in allen anderen Schneewittchen-Verfilmungen zusammen. Auch sonst sind Berger ein paar gelungene Einfälle geglückt. So besteht die Zwergengruppe aus sechs Mitgliedern anstatt sieben, und die böse Stiefmutter, gespielt von Maribel Verdú, gehört zu den fiesesten Geschöpfen des Kinojahres. Doch ansonsten herrscht hier einfach zu viel Leerlauf.

Fazit: Die im 4:3-Bildformat gedrehte spanische Einreichung für den Oscar 2013 in der Kategorie des besten ausländischen Filmes ist ein Beweis dafür, dass nicht jeder Stummfilm gleich hohe Wellen wie The Artist zu schlagen vermag. Die Ausstattung ist zwar toll, doch ansonsten gibt es nur wenige Highlights in einer sehr langsam vorgetragenen Geschichte, die auch noch recht unausgeglichen daherkommt. Es ist eben nicht alles Gold, was Schwarz-Weiss glänzt.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Teaser Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 00:49