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Bel Ami (2012)

Bel Ami (2012)

Oder: Ein Vampir auf Abwegen

"Ups sorry, alte Vampir-Gewohnheit..."

"Ups sorry, alte Vampir-Gewohnheit..."

Ex-Feldwebel Georges Duroy (Robert Pattinson) kehrt nach seinem Militärdienst verarmt nach Paris zurück. Er lebt unter ärmlichen, dreckigen Verhältnissen in einem Zimmer in der Vorstadt. Er trifft durch Zufall den aus Militärzeiten bekannten Forestier wieder, der ihn zum Abendessen zu sich nach Hause einlädt. Dort trifft er nicht nur auf Forestiers gebildete Ehefrau Madeleine (Uma Thurman), sondern wird auch in die höhere Gesellschaft eingeführt. Als der Vorschlag aufkommt, Duroy könne doch seine Erlebnisse in Form eines Tagebuches verarbeiten, ist mit Hilfe Madeleines und ihres einflussreichen Gatten der Grundstein für eine Journalistenkarriere gelegt.

Wie bestellt und nicht abgeholt

Wie bestellt und nicht abgeholt

Durch seinen Verdienst und die Affäre zu der schönen Clotilde de Marelle (Christina Ricci) schafft er es in die feinen Pariser Szene und letztlich bis zum Chefredakteur. In dieser Position ist er auch am Sturz der Regierung beteiligt. Derweil vergnügt er sich mit den gelangweilten Damen viel beschäftigter Männer und nutzt deren gesellschaftliche Stellung für seine Zwecke aus.


Film-Rating

Es ist der Versuch, das Bild des schönen Vampirs Edward abzustreifen. Nachdem die Twilight-Reihe komplett abgedreht ist und nur noch ein Film offen bleibt, ist es an der Zeit, sich in neuen Projekten zu beweisen. Robert Pattinson gelingt es mit einigen Schwächen erstaunlich gut, sich in der Rolle des Georges Duroy zurechtzufinden. Zugegeben, schwer ist es allemal, nicht in jeder Geste oder Mimik den Vampir Edward zu sehen, und so erinnert mancher Gesichtszug doch allzu sehr an diese Rolle. Doch insgesamt ist es eine passable Darstellung, die der junge Schauspieler in Bel Ami bietet, vielleicht auch deshalb, weil beide Figuren eine gewisse Ähnlichkeit miteinander haben. Sowohl Georges als auch Edward sind schöne Männer, darauf aus, ihre Sucht zu befriedigen. Ist es in Twilight die Sucht nach Blut (wenn auch dezent unterdrückt), so giert es den "Bel Ami" nach den Frauen und Anerkennung. Manch schauspielerischer Durchhänger Pattinsons wird durch die durchwegs topbesetzten Nebenrollen wettgemacht, bei denen sich vor allem die Frauenriege um Uma Thurman und Chrisitna Ricci sehen lassen kann.

Von den schauspielerischen Aspekten einmal abgesehen, ist Bel Ami das Spielfilmdebüt der beiden Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod, die sich bisher mit dem Theater beschäftigten. Man sieht dem Film den Background der Regisseure an, denn der Hang zu liebevoll gestalteten Kulissen und schönen Kostümen ist jeder Szene anzumerken. Deutlich wird aber auch, dass sich die Geschichte haargenau an ihrer Romanvorlage entlang hangelt, jedes Kapitel bis aufs Feinste abgearbeitet wird und der Film dadurch unangenehm statisch und steif wirkt. Trotz der namhaften Darstellerinnen ist es fast ärgerlich, dass die Frauenfiguren ungemein blass bleiben und manches Mal wie Statisten wirken, die ihre Texte aufzusagen haben.

Insgesamt ist die auf dem gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant beruhende Verfilmung wesentlicher blasser, als man bei der Besetzung vermutet hätte. Die Rolle des egozentrischen Verführers kann man Pattinson stellenweise abnehmen, von den Damen wird er jedoch an die Wand gespielt. Kurzweilige Unterhaltung ist trotzdem garantiert, und dank seines Hauptdarstellers werden eh genug Zuschauer den Weg ins Kino finden.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

18.02.2012 / jst

Community:

Bewertung: 3.0 (7 Bewertungen)

 

 

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