After the Battle - Baad el Mawkeaa (2012)

After the Battle - Baad el Mawkeaa (2012)

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  3. 116 Minuten

Filmkritik: Pyramiden sind hoch

Ein Lächeln öffnet alle Türen
Ein Lächeln öffnet alle Türen © Studio / Produzent

Ägypten, 2. Februar 2011: Vom Machthaber Hosni Mubarak manipuliert, kämpfen verarmte Reiter mit Peitschen für den Staatspräsident. Mubarak hat ihnen versprochen, dass er die Mauer abreissen werde, welche den Reitern die Aussicht auf die Pyramiden und damit auf die Touristen und deren Gelder versperrt. Doch sie haben gegen die aufgebrachte Bevölkerung keine Chance und müssen einiges einstecken. Für den Reiter Mahmoud (Bassem Samra) kommt es sogar noch schlimmer: Auf einem YouTube-Video ist er zu sehen, wie er von mehreren Männern verhauen wird. Damit steht er nun sinnbildlich für alle Leute, welche mit Mubarak sympathisieren.

"Die Mauer muss weg!"
"Die Mauer muss weg!" © Studio / Produzent

Zur gleichen Zeit versucht die Marketingfrau Reem (Menna Shalabi), für ein besseres Ägypten zu kämpfen. Dabei macht sie bei der Futterausgabe für Pferde Bekanntschaft mit Mahmoud. Reem, die vor kurzem ihren Freund in die Wüste geschickt hat, beginnt mit dem Reiter zu flirten. Als sie herausfindet, dass dieser Frau (Nahed El Sebaï) und Kinder hat, versucht sie alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um der Familie zu helfen.

Die Bilder von den Geschehnissen, welche letztes Jahr am Tahrir-Platz stattfanden, gingen dank dem World Wide Web um die Welt. Dabei erhielt der westliche Internetnutzer aber lediglich eine vereinfachte Sichtweise, in der die Positionen genau bezogen waren: Mubarak gegen die Bevölkerung. Regisseur Yousry Nasrallah versucht nun, ein etwas detailiertes Bild der Revolution und deren Folgen zu zeichnen, in dem er nicht in Gut und Böse unterteilt, sondern durchaus auch Grautöne zeigt. Im Film ist dies in den besten Momenten aufschlussreich und interessant, doch der Grossteil ist etwas gar naiv und die erzähle Geschichte funktioniert zu allem Übel nicht.

Nasrallah hat für seinen Film einen unspektakulären, fast schon dokumentarischen Filmstil gewählt. Lange Einstellungen und viele Streitgespräche geben das Gefühl, dass hier nicht gespielt wird, sondern dass der Zuschauer wirklich der Neuformung eines Landes beiwohnt. Dabei lässt er so viele Seiten wie nur möglich zu Wort kommen: Menschen, die nur das Beste für alle Bevölkerungsteile wollen, solche, die versuchen, den "Mubarak-Status" aufrechtzuerhalten, und solche, die dazwischengeraten.

Das Problem des Filmes ist - so seltsam sich das anhört - der ganze Plot. Nasrallahs Ziel war es wohl, so viele Aspekte wie nur möglich abzudecken. Doch was er dem Zuschauer als Geschichte verkauft, ist nur lahm. Die Liebelei zwischen der modernen Frau und dem konservativen Pferdemann wirkt aufgesetzt und klaut den wirklich interessanten Themen nur unnötig Zeit. So wird die Laufzeit von fast zwei Stunden schnell zur Geduldsprobe und man wird nur durch das ständige Geschrei der Protagonisten am Einschlafen gehindert. Die Figuren streiten zudem wirklich laut und nicht zu knapp.

Fazit: Baad el Mawkeaa ist gut gemeintes Weltverbesserungskino. Nur wird sich an diesen Film in kürzester Zeit niemand mehr erinnern. Die Story packt nicht, und für die Botschaften des Filmes könnte man auch einen Dokumentarfilm gucken. Gute Absichten alleine helfen einem Film nur in den seltensten Fällen. Hier tun sie es auf jeden Fall nicht.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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