Avanti (2012)

Avanti (2012)

Oder: Road Trip mit Mami

Neu im Trend: Nach Planking kommt jetzt Hugging

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Die Media-Markt-Angestellte Léa (Nina Meurisse) macht momentan eine schwierige Zeit durch. Ihrer Mutter Suzanne (Hanna Schygulla) geht es laut den Ärzten und Léas Vaters François (Jean-Pierre Gos) nicht mehr so gut. Sie soll psychisch gestört und deshalb sehr "zerbrechlich" sein. Léa will dies aber nicht wahrhaben und hat zusätzlich Angst, dass ihre Mutter bald sterben könnte. So beschliesst sie, die Zeit, welche ihrem Mami noch bleibt, mit der Videokamera festzuhalten. Am Abend schaut sich Léa dann die Aufnahmen an und weint danach alleine vor sich hin.

Als Léa eines Tages den Auftrag erhält, ihre Mutter zurück in die Klinik zu fahren, macht sie kurzerhand kehrt und brettert mit der Patientin auf die Autobahn. Nach Triest soll es gehen, wo Suzanne einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Eine Art Abschiedstournee, auf der sich Mutter und Tochter wieder näherkommen. Eine Abschiedstournee, bei der die Videokamera immer in Griffnähe ist.


Film-Rating

Avanti ist das Erstlingswerk der in Lausanne geborenen und aufgewachsenen Emmanuelle Antille. Ihre Erzählung von einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung ist der Stoff, von dem viele Erstlingswerke handeln. Denn erstens sind diese kostengünstig zu produzieren und zweitens plaudern Regisseure dafür auch mal gern aus dem Nähkästchen. Ob dies auch Antille getan hat, kann hier nicht beantwortet werden. Wer nach dem Film noch andere Fragen offen hat, dürfte aber definitiv nicht alleine sein.

Was für eine Krankheit hat die Mutter genau? Wie sieht das Verhältnis in der Familie aus? Wieso werden immer wieder Bilder aus den guten alten Zeiten gezeigt? Dies sind nur drei Fragen, die während des Schauens von Avanti aufkommen. Die beiden ersten Fragen wären dabei essentiell, denn sie würden uns die Figuren näherbringen und verständlicher machen. Wenn sich gegen Ende hin Mutter und Tochter gegenseitig Vorwürfe machen, wissen wir gar nicht, woran wir sind. So hat zwar niemand recht und niemand unrecht, aber anstatt dann etwas zu fühlen, herrscht nur eine Leere.

85 Minuten sind zudem zu lang, um mit leeren Figuren zu verbringen. Die eingeschobenen Archivaufnahmen wirken, wie wenn man bei Bekannten auf Besuch ist und diese dann Urlaubsfotos zeigen. Genau so spannend sind dann auch die Szenen im Film, die nichts aussagen ausser dass es vielleicht früher besser und schöner war. Aber eben: Es ist nur ein Vielleicht, und auch die vielen Momentaufnahmen, welche die Tochter in der Gegenwart der Erzählung macht, ergeben letzten Endes ein unbefriedigendes Ganzes.

Fazit: Das Problem bei Avanti ist, dass wir fast nichts von den Figuren wissen und dass dadurch für uns ihre Handlungen nicht logisch nachvollziehbar sind. Die Tochter weiss nicht, was sie will und staucht ihre Mutter mit Argumenten zusammen, die nicht zum Rest des Filmes passen. Zudem sind die magisch gedachten Momente wie der Besuch in einer Rockerbar mehr peinlich als etwas anderes und lassen all das vermissen, was von einer solchen Szene erwartet werden kann. Positiv: Die Darsteller gefallen, und der Film macht sich nicht mit Gerede über den Tod schwerer, als er sein müsste. Wirklich langweilig ist das Werk auch nicht, aber am Schluss einfach nichtssagend und deshalb auch schnell wieder vergessen.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.5

 

01.10.2012 / crs

Community:

Bewertung: 3.2 (3 Bewertungen)

 

 

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