Au nom du fils (2012)

Au nom du fils (2012)

  1. ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Bishops Finger

Sprich dein Gebet!
Sprich dein Gebet! © Studio / Produzent

Die vorbildliche Katholikin Elisabeth (Astrid Whettnall) ist eine glückliche Ehefrau und Mutter zweier Söhne. Als Moderatorin eines christlichen Radiosenders pflegt sie immer wieder engen Kontakt zu Priestern, und als die Kirche eine Unterkunft für ihren Pfarrer sucht, bietet Elisabeth ein Zimmer in ihrem Haus an. Als ihr Mann bei einem Jagdunfall stirbt, findet ihr 13-Jähriger Sohn Julien bei dem Priester einen Trostspender.

Als aber der Pfarrer nach mehreren Monaten wieder abreist, folgt eine Katastrophe: Julien nimmt sich vor Elisabeths Augen das Leben. Wie sich herausstellt, führte er eine Beziehung mit dem inzwischen nach Italien versetzten Pfarrer. Verzweifelt sucht sie Hilfe beim Bischof, doch der gedenkt überhaupt nicht, etwas zu unternehmen. Er besitze eine ganze Akte voll mit Beschwerden dieser Art, die aber alle nicht bewiesen werden können. In ihrem Glauben erschüttert und rasend vor Wut bringt Elisabeth diese Akte in ihren Besitz und macht sich kurzerhand auf, um alle pädophilen Priester ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Nach seiner mässig lustigen Vampirkomödie Vampires und dem Thriller Ordinary Man wendet sich der Belgier Vincent Lannoo einem eigentlich ernsthaften Thema zu: Kindesmissbrauch durch katholische Priester. Erstaunlich ist, dass der Film trotz der Thematik eine stark humorvolle Note besitzt. Das Thema Missbrauch wird keineswegs verherrlicht, stattdessen wird das katholische Gedankengut in diesem Zusammenhang ad absurdum geführt. Die ans Fanatische grenzenden Ideen dieser Religion wirken bald so grotesk und ihre Vertreter wie verrückte Sektenführer, dass das Kopfschütteln bald zum lauten Lachen umschlägt.

Die Wandlung, die Elisabeth während des Filmes durchmacht, wirkt trotz allem Witz dennoch glaubwürdig, und so mancher Filmmoment ist wieder drückend deprimierend. Dieses Spiel mit den Gefühlen der Zuschauer schafft Vincent Lannoo sehr gut und überrascht immer wieder mit einer neuen Note und dem gelungenen Einsatz von Musik. In der zweiten Filmhälfte beginnt der Erzählfluss aber etwas zu stocken. Als Zuschauer fühlt man sich bald genauso verloren wie die Hauptfigur, und einen Ausweg aus der fanatischen religiösen Welt scheint es kaum mehr zu geben.

Die Darsteller agieren die gesamte Laufzeit hindurch überzeugend und schaffen die Gratwanderung, bei diesem schwierigen Thema vom feinen Humor nie ins Lächerliche zu fallen. Neben Astrid Whettnall sticht besonders Philippe Nahon als gealterter Priester hervor, der schon bei Filmen wie Menschenfeind und High Tension sein Talent unter Beweis stellte.

Was diese belgische Produktion jedoch vor allem zeigt, ist eine knallharte Abrechnung mit der katholischen Kirche und ihrem verlogenen Gedankengut. Mit dem aufkeimenden Hass der Hauptfigur kann man sich demnach gut identifizieren, doch bietet die Geschichte am Ende keine Antworten und ist somit etwas unbefriedigend.

Fazit: Das schwierige und nach wie vor aktuelle Thema setzt Regisseur Vincent Lannoo gekonnt in einen sowohl humorvollen als auch dramatischen Film um, der unterhält und zum Nachdenken anregt. Antworten bietet er hingegen nicht; vielmehr handelt es sich hier um eine kaltblütige Abrechnung mit der Verlogenheit der katholischen Kirche, die einen am Schluss trotz vielen guten Elementen etwas ratlos zurücklässt.

/ aly

Kommentare Total: 2

aly

Filmkritik: Bishops Finger

db

gelungene Kritik zu einem tragisch aktuellen Thema - wurde leider in gewissen Passagen zu Comedy-lastig, was nur bedingt zur Thematik gepasst hat. Ansonsten interessante Dialoge, gute Schauspieler und ganz amüsante Momente

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