Arbitrage (2012)

Arbitrage (2012)

Oder: Der arme, reiche Kerl

"Ich will sofort ein grösseres Flugi!"

"Ich will sofort ein grösseres Flugi!"

Robert Miller (Richard Gere) hat alles: Er leitet erfolgreich seine eigene Firma, hat eine liebe Frau (Susan Sarandon), und die beiden Kinder (Brit Marling, Austin Lysy) sind wie der Vater ebenfalls erfolgreich im Berufsleben. Was kaum einer weiss: Um Roberts Firma steht es momentan gar nicht gut. Weil sich Robert bei einem Deal in Russland verspekulierte, musste er einen Kredit aufnehmen, um den Ruin abzuwenden. Zurückzahlen möchte Robert das Geld, indem er seine Firma an den Banker James Mayfield (Graydon Carter) verkauft. Bis dieser seine Unterschrift auf den Übernahmevertrag getätigt hat, muss Robert versuchen, die Probleme seiner Firma geheimzuhalten.

Auf der Suche nach der Lösung?

Auf der Suche nach der Lösung?

Doch anstatt bis zur Unterzeichnung eine ruhige Kugel zu schieben, trifft sich Robert immer mal wieder mit der Galeristin Julie (Laetitia Casta), die er finanziell unterstützt und mit der er eine Affäre unterhält. Als die beiden nach einem gemeinsamen Abend mit dem Auto davonfahren, baut Robert einen Unfall, bei dem seine Geliebte ums Leben kommt. Aus Angst um den bevorstehenden Deal flieht er vom Unfallsort und hofft, dass er die Sache vertuschen kann. Doch Detective Bryer (Tim Roth), der den Fall bekommt, nimmt Robert sogleich ins Visier.


Film-Rating

Die Jagd auf die "reichen Kerle da oben" ist im Kino nach wie vor im Gange. Immerhin dort können sich die Zuschauer sicher sein, dass die gemeinen Banker gerecht bestraft werden. Einen weitaus weniger reisserischen Ansatz hat Nicholas Jarecki für sein Spielfilmdebüt Arbitrage gewählt. Er zeigt, dass auch die "Ein-Prozenter" nur Menschen sind. Mit dem Vorzeige-Buddhisten Richard Gere hat er für die Rolle des vermeintlichen Fieslings die genau richtige Verpflichtung getätigt. Dank ihm und dem cleveren Drehbuch, für welches Jarecki ebenfalls verantwortlich zeichnet, zeigt der Film nicht nur Schwarz-Weiss, sondern mehrheitlich Grautöne.

Spannend ist Arbitrage aber nur bedingt. Es ist bekannt, wer die Schuldigen sind, und wir warten nur darauf, bis der Detektiv, gespielt von Tim Roth, die nötigen Beweise zusammenhat. Das einzige Aufeinandertreffen von "Räuber und Gendarm" funktioniert dann auch weniger durch den Dialog, sondern mehr durch die Körpersprache von Gere und Roth. Beide sitzen selbstsicher da - der Banker aufrecht, während sein Gegenüber auf dem Sofa fast zu liegen scheint. Die Frage hier ist nur, wer den ersten Fehler macht, da keiner der beiden sauber spielt. Roth spielt seinen Part cool mit dem Wissen, dass der Zuschauer auf seiner Seite ist.

Gere hat da die schwierigere Aufgabe zu lösen. Sein Robert Miller wird als Familienmensch vorgestellt, der zusammen mit den Enkeln die Kerzen seiner eigenen Geburtstagstorte ausbläst und danach ein Loblied auf seine Verwandtschaft singt. Lässt Jarecki den Zuschauer aber mal hinter diese Fassade blicken, schafft es Gere auch dann immer noch, genügend Sympathie zu erzeugen, sodass seine guten Taten heller scheinen als seine Sünden und wir deshalb mit ihm mitbangen. Schwer vorstellbar, wie ein anderer Darsteller diesen Part gemeistert hätte.

Auch Brit Marling und Susan Sarandon sind Mitglieder dieses tollen Ensembles und spielen starke Frauenfiguren, die aber leider immer etwas in den Hintergrund gedrückt werden. Dies weil Marling in dem Wirtschaftsteil des Filmes untergebracht ist und ihre Figur sich nicht mit dem für den Zuschauer viel interessanten Autounfall auseinandersetzen muss. Sarandon hat da sogar noch weniger Szenen als ihre Filmtochter, doch vor allem ihre letzte ist grandios.

Was Arbitrage von einer besseren Bewertung abhält, hat mit zwei Nebenfiguren zu tun. In einem Film, der sehr auf Realismus setzt, wirken Klischeefiguren wie die des armen afroamerikanischen Jungen, welcher den Kopf hinhalten muss, und die des Experten in Mordsachen, über den wir nichts in Erfahrung bringen, störend.

Fazit: Arbitrage ist ein sehenswerter Thriller, der nicht auf billigen Nervenkitzel, sondern auf Realismus setzt. Jarecki sorgt mit seinem Drehbuch dafür, dass immer was los ist und so fast keine Längen zu verzeichnen sind. Die Schauspieler sind toll, und trotz des Fehlens eines richtigen Sympathieträgers bleibt man bis zum Schluss gespannt dran. Den erst gerade 33-jährigen Jarecki gilt es definitiv im Auge zu behalten.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

21.09.2012 / crs

Community:

Bewertung: 4.2 (21 Bewertungen)

 

 

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