Araf (2012)

Araf (2012)

Araf - Somewhere in between
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  2. 124 Minuten

Filmkritik: Irgendwo in der Türkei

Run Forrest, run!
Run Forrest, run! © trigon-film

In einer Autobahnraststätte zwischen Istanbul und Ankara rackern sich der achtzehnjährige Olgun (Baris Hacihan) und die gleichaltrige Zehra (Nesliham Ataguül) tagtäglich ab. Auch zuhause erwartet die beiden keine wirkliche Erholung; Olguns Stiefvater trinkt, und Zehras Eltern sind konservativ und streng. Die junge Frau entkommt dem trüben Alltag nur in Tagträumen, wenn sie den vorbeifahrenden Autos in die Ferne nachblickt und sich fort wünscht. Die direkten Liebes-Bekentnisse Olguns reichen auch nicht aus, um ihre Betrübtheit wirklich zu mindern.

Da hilft nur Schäfchen zählen
Da hilft nur Schäfchen zählen © trigon-film

Als sie eines Tages an einer Hochzeit dem Fernfahrer Mahur (Özcan Deniz) näher kommt, scheint die ersehnte Freiheit greifbarer. Zehra fällt in einen Gefühlstaumel von Hoffnung, Liebe und Kummer. Angezogen von neuen Möglichkeiten gibt sie sich naiv in ein Abenteuer, welches sich als weniger erlösend herausstellt, als sie es sich vorstellte.

"Ich fragte mich, wie es wohl sein möge, sich an so einem flüchtigen, unfassbaren Ort wie diesem Rastplatz zu verlieben?" So entstand im Kopf der Regisseurin die Geschichte rund um die junge Türkin Zehra. Es handelt sich dabei um Yesim Ustaoglus fünften Spielfilm, der sich wiederum zwischenmenschlichen Beziehungen und den Problemen einer Gesellschaft widmet. Wie schon in Erfolgsstreifen Pandora's Box geht es um den Clinch zwischen Tradition und Moderne. In diesem Fall wird der Fokus auf eine junge Generation gesetzt, die wenig Möglichkeiten hat, aus ihren ärmlichen Verhältnissen auszubrechen, aber genug Freiheit erfährt, um eine enorme Sehnsucht danach zu entwickeln.

Bemerkenswert ist die Interpretation des Titels, die Präsenz des Leitmotivs in diversen Ebenen. So bedeutet Araf übersetzt Fegefeuer oder lateinisch Saum/Rand. Umgesetzt wurde der Begriff als ein Zustand der Schwelle, ein Raum dazwischen, weder hier noch da. Dieses Gefühl lässt sich perfekt in der Location wiederfinden, einer grossen Autobahn-Raststätte zwischen Istanbul und Ankara. Aber auch der emotionale Zustand des jungen Mädchens, das einerseits zwischen zwei Männern und andererseits im Umbruch von Kindheit und Erwachsenenwelt steht, spiegelt sich im Begriff wieder. Zusätzlich spielt das Fegefeuer auf einer symbolischen Ebene in den Bildern mit.

Die Kameraführung ist lobenswert, mit viel Licht und Spielereien von Schärfe und Unschärfe. Es werden nur wenige Worte gebraucht, um Stimmung zu erzeugen; meist sprechen die Bilder für sich. Trotzdem hätte teilweise an deren Länge gespart werden können.

Abgesehen von Bildsprache und Schauspielern kann bei Araf - Somewhere In Between nicht von einem "schönen" Film gesprochen werden. Das Schicksal der Protagonisten ist sehr betrübend und steigert sich zum Drama. Es ist fraglich, ob der beabsichtigte hoffnungsvolle Schimmer zum Ende wirklich die Zuschauer erreicht. So bleibt man doch eher niedergeschlagen im Sessel sitzen.

/ mar

Kommentare Total: 2

mar

Filmkritik: Irgendwo in der Türkei

tdave

Sehr eindrücklicher Film. Einfühlsam, stimmungsvoll und doch plötzlich voller Action. Sehr zu empfehlen!

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:37