The Gangster - Antapal (2012)

The Gangster - Antapal (2012)

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  2. 114 Minuten

Filmkritik: Gangster's Paradise

Die Sonnenbrillen-Gang
Die Sonnenbrillen-Gang © Studio / Produzent

Bangkok in den Fünfzigern: Jod (Krisada Sukosol Clapp) und sein Kumpel Daeng (Somchai Kemglad) haben sich dank ihrer Furchtlosigkeit respektable Positionen im einem Verbrechersyndikat gesichert. Vor allem ihre Fähigkeiten im Strassenkampf machen die beiden für ihre Bosse fast schon unverzichtbar. Doch eines Tages wird Jod die viele Gewalt zu viel und er möchte am liebsten nichts mehr damit zu tun haben. Dies merkt auch sein Umfeld, und so wird Jod recht schnell durch jüngere und hungrige Leute ersetzt, während er wegen der guten alten Zeiten aber noch in Ruhe gelassen wird.

"Wo bleibt Chow Yun-Fat?"
"Wo bleibt Chow Yun-Fat?" © Studio / Produzent

Alles ändert sich jedoch, als ein paar Freunde von Jod internen Machtkämpfen zum Opfer fallen. Er schwört Rache und löst damit eine Welle der Gewalt aus, bei der nicht nur die Täter schlimm unten durch müssen, sondern auch Leute, die ihm nahe stehen. Denn zum gleichen Zeitpunkt beginnt die Militärdiktatur die Säuberung des Sündenpfuhls und geht dabei genauso rücksichtslos vor wie die Strassengangs.

2007 erhielt Martin Scorsese den schon längst überfälligen Regieoscar für seine Arbeit am Infernal Affairs-Remake The Departed. Ein jeder konnte mit dieser Entscheidung der Academy sehr gut leben, obwohl das Goldmännchen vielmehr als Ehrung für sein Gesamtwerk verstanden werden konnte und weniger für seine Leistung an dem Crime-Drama. Viel einflussreicher war Scorsese nämlich Jahre zuvor mit Meisterwerken wie Taxi Driver oder GoodFellas, welche eine ganze Reihe von jungen Regisseuren inspirierten. So auch Kongkiat Khomsiri, der letzteren Film als Blaupause für seinen Gangsterfilm Antapal genommen hat. Zwar gelingt Khomsiri ein cool aussehendes Werk, bei dem er jedoch anscheinend nie richtig weiss, welche Figur er denn ins Zentrum stellen soll.

In der obigen Inhaltsangabe ist zwar fast nur det Name Jod erwähnt, doch hier tummeln sich noch viele andere Charaktere in einer Erzählung, die zwei Jahrzehnte umfasst und nebenbei noch die Geschichte Bangkoks abarbeitet. Das Problem liegt darin, dass wir mit dem durchaus sympathischen Jod beginnen, dann auf ein Brüderpaar umschalten, sodass im Mittelteil der gute Jod fast vollkommen vergessen geht. Taucht er mal wieder auf, bleiben Fragen wie "Was hast du eigentlich in der Zwischenzeit gemacht?", ohne jedoch darauf eine Antwort zu erhalten. Könnte es sein, dass grosse Teile des Filmes im Schneideraum zurückgeblieben sind?

Verstand es Scorsese bei GoodFellas, den von Ray Liotta gespielten Marty ins Zentrum zu setzten und ihm mit Robert DeNiro und Joe Pesci zwei starke Schauspieler an die Seite zu stellen, welche zwar Szenen stehlen durften, aber Marty nicht verdrängten, gelingt Khomsiri dieser Balanceakt nicht wirklich. Was am Ende bleibt ist ein knallharter Bandenkrimi mit operettenhaftem Schlussakt, welcher die guten alten John-Woo-Zeiten nochmals aufleben lässt. Die Vorbilder bleiben dabei aber deutlich ausser Reichweite, weshalb Antapal auch schnell wieder vergessen sein wird.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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