Eat Sleep Die - Äta sova dö (2012)

Eat Sleep Die - Äta sova dö (2012)

  1. 104 Minuten

Filmkritik: Ein Salat! Kommt in 4.5 Sekunden

Schau mal, was du in den Haaren hast...
Schau mal, was du in den Haaren hast... © Studio / Produzent

Wir befinden uns in Schweden, in einem kleinen Kaff, wo es ausser einer grossen Nahrungsmittelfabrik kaum Arbeitgeber gibt. Hier werden die bekannten in Plastik verpackten Salate abgefüllt und in die Welt verschifft. Hier schuftet sich Raša (Nermina Lukač) tagtäglich ab und benötigt inzwischen nicht nur bloss 4.5 Sekunden, um einen solchen Salat abzupacken, sie geht auch entsprechend energisch an die Arbeit. Nach ihren langen Schichten geht die gläubige Muslima nach Hause und kümmert sich um ihren Vater, der stark unter einem kaputten Rücken zu leiden hat.

... lässt solche Pilze wachsen.
... lässt solche Pilze wachsen. © Studio / Produzent

Doch all dies endet von einem Tag auf den anderen. Um die Effizienz zu steigern, werden einige Arbeiter entlassen, und wie es so kommt, trifft es genau Raša. Diese steht nun ohne Schulabschluss auf der Strasse, und nachdem ihr Vater auch noch nach Norwegen verreist, steht sie endgültig vor dem Nichts. Nun sucht die 21-jährige Kämpferin im Sumpf des kleinen Dorfes nach einem neuen Ziel für ihr Leben.

Essen, Schlafen, Sterben kann der Lebensinhalt sein, wenn man in einer Kleinstadt lebt, seinen Job verloren hat und keine neue Arbeit findet. Das wird in Äta sova dö behandelt, denn genau dies geschieht der Protagonistin, und sie muss sich demnach neu orientieren. Für dieses Erstlingswerk wurden von Regisseurin Gabriela Pichler konsequent nur Amateur-Schauspieler eingesetzt, um die Arbeiterklasse von Schweden auch glaubhaft und gut darzustellen.

Dieses Ziel von Realismus setzt sich auch in der Umsetzung fort, denn Äta sova dö kommt sehr dokumentarisch und roh daher, weshalb man wirklich das Gefühl erhält, als nähme man am Alltag der Fabrikarbeiter teil. Dies, kombiniert mit Personen, die offensichtlich nicht vom Standardisierungsförderband von Hollywood kommen, sondern bereits in ihren Gesichtern Geschichten zu erzählen wissen, lässt den Film auch wirklich glaubhaft wirken. Wenn dann plötzlich die Gruppe um Raša auf der Strasse steht und keine Ahnung hat, wie es weiter geht und einen auch noch die alten Freunde im Stich lassen, hat man wirklich das Gefühl, dass die Männer und Frauen dies bereits erlebt haben.

Doch so ziellos wie Raša durch das Leben stolpert, so ist auch der Film. Er schlendert unmotiviert durch den Alltag, fängt dort irgendwelche Szenen ein, und man kämpft zusehends mit der unvorteilhaften Kameraführung: Schlechte und verruckelte Bildausschnitte erschweren den Filmgenuss zusehends und wirken in einem Spielfilm auch deplatziert. Dies macht aus Äta sova dö eine enorm zähflüssige Angelegenheit, welche über die Laufzeit einfach zu wenig bietet und letztendlich auch zu einem Ende führt, dass man zwar als Hoffnung interpretieren kann; doch selbst wenn man sich an dem Punkt beinahe mit dem Film versöhnt hat, wird dies wieder zerstört, wenn beim Abspann völlig unpassend ein Song von Scooter aus den Boxen donnert.

Fazit: Äta sova dö hätte vermutlich als Dokumentation funktioniert, denn die Situation wäre durchaus interessant zu erkunden, um so auch das Leben der Menschen im Norden kennenzulernen. Als gescripteter Spielfilm gibt er jedoch schlichtweg zu wenig her, die Kameraführung wird auf die Länge immer mühsamer. Und anstatt wirklich einen Handlungsbogen zu erzählen, wo am Ende auch etwas erreicht wird, dümpelt der Film ziellos dahin und hinterlässt die Zuschauer primär gelangweilt.

/ db