Abraham Lincoln: Vampire Hunter (2012)

Abraham Lincoln: Vampire Hunter (2012)

Oder: Basierend auf einer wirklich wahren, total verbürgten Geschichte

Die Axt ist scharf, die Frisur sitzt - ab geht die Post!

Die Axt ist scharf, die Frisur sitzt - ab geht die Post!

Indiana 1818: Weil der fiese Jack Barts (Marton Csokas) eine freigeborene afroamerikanische Familie verkaufen will, mischt sich der kleine Abraham Lincoln ein. Das verhinderte Unrecht hat jedoch drastische Folgen: Barts entlässt Abes Vater und schleicht sich noch in derselben Nacht ins Haus der Lincolns. Abe beobachtet im Dunkeln, wie sich Barts, der plötzlich eine grässliche Monsterfratze hat, an seiner Mutter Nancy zu schaffen macht. Am nächsten Morgen ist Nancy ernsthaft erkrankt und stirbt bald darauf. Ihr Sohn schwört deshalb bittere Rache.

Nur eine von euch wird America's Next Topmodel!

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Doch erst als Erwachsener bietet sich Abe (Benjamin Walker) eine Gelegenheit, sich an Barts zu rächen. Der Mordversuch geht aber schief, denn Barts erweist sich als Monster, dem offenbar sogar Kugeln nichts anhaben können. Abe erhält jedoch unverhofft Hilfe durch den reichen Playboy Henry Sturgess (Dominic Cooper), der ihm das Leben rettet und ihm auch ein furchtbares Geheimnis verrät: Die USA sind unterwandert von Vampiren, die vor allem in den Südstaaten durch die Sklaverei zu Blut und Wohlstand gekommen sind. Henry kann Abe für den Kampf gegen die Blutsauger gewinnen und bildet ihn zum Vampirjäger aus. Im Laufe der Zeit werden Abes Rachegelüste aber durch den Wunsch nach einer Familie und einem freien Amerika für alle abgelöst...


Film-Rating

2009 trat Seth Grahame-Smith einen literarischen Horrortrend los, indem er in Pride and Prejudice and Zombies Jane Austens Romanklassiker durch Untote ergänzte. Zahlreiche solcher Mashup-Romane mit so schönen Titeln wie Die Zombies von Oz oder Die Leichen des jungen Werther folgten. Während die Verfilmung des ersten Mashup-Werkes noch in der Development hell steckt, schafft es nun eine ikonische historische Heldenfigur ins Kino: In Abraham Lincoln: Vampire Hunter tritt der 16. US-Präsident nach einem Drehbuch von Grahame-Smith den Kampf gegen das Böse an.

Da beim Mashup-Genre die hanebüchenen Titel Programm sind, dürften auch die Herren auf dem Regiestuhl - der kasachische Regisseur Timur Bekmambetov (Wanted) und in der Produzentenrolle Kult-Regisseur Tim Burton (Dark Shadows) - nicht überraschen, die ja beide den Filmkunst-Niederungen nicht abgeneigt sind. Zweifellos sind die geheimen Abenteuer des axtschwingenden Präsidenten der Kategorie Trash zugehörig - jedoch jener Art Trash, die, schön angerichtet serviert, durchaus Laune verbreiten kann. Besonders die Inszenierung weiss zu überzeugen: Bildgewaltig und mit viel Zeitlupeneinsatz wird geprügelt, die Special-Effects sitzen und auch die Kampfchoreo lässt sich sehen. Nervig ist aber die Farbpalette, die ziemlich penetrant zwischen Grau- und Brauntönen wechselt. Fragwürdig ist auch, dass der eigentlich ordentliche 3D-Effekt durch das ständige Herumfliegen kleiner Körnchen künstlich betont werden musste.

Die eigentliche Handlung hält sich erstaunlicherweise weitgehend an die historisch verbürgten Tatsachen. Leider liegt hier auch die Schwäche des Filmes. Die erste Hälfte des Filmes vermag zwar noch zu gefallen: Benjamin Walker gibt einen sympathischen Abe, der in Actionszenen wie auch in leiseren Momenten punkten kann. Die Bösewichte sind eher von der Stange, machen ihr Ding aber ordentlich, zumal auch die Vampirfratzen schön eklig geraten sind. Wo die erste Hälfte witzige Szenen und bildgewaltige Kämpfe aufweisen kann, bricht das Ganze in der Mitte leider völlig ein; mit Abes Heirat und seiner politischen Karriere wird es sogar richtig langweilig. Spätestens beim Bürgerkrieg zeichnet sich ab, dass die historische Bedeutung von Lincoln die wahre Krux des Filmes ist: Erstens lenken die historischen Begebenheiten schlicht von der vergnüglichen Actionhandlung ab; zweitens ist es bedenklich, einen solchen Krieg zu einer simplen Auseinandersetzung zwischen guten Menschen und bösen Monstern zu machen.

Gegen Ende findet der Film zum Glück wieder zu seiner Trashness zurück: Das fulminante Finale ist extrem übertrieben und absolut vorhersehbar - trotzdem macht es einfach Spass. Abraham Lincoln: Vampire Hunter ist zuweilen wirklich schlecht geraten - allen voran das Alters-Make-up kann man wiedermal schlicht vergessen. Die Inszenierung, die herrlich übertriebenen Actionsequenzen und der sympathische Hauptdarsteller machen den drögen Mittelteil jedoch einigermassen wett.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

03.10.2012 / pps

Community:

Bewertung: 2.9 (55 Bewertungen)

 

 

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