Young Adult (2011)

Young Adult (2011)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: "So ä Zwätschgä"

"Hallo Krankenhaus. Ich habe gerade das Spülmittel ausgetrunken."
"Hallo Krankenhaus. Ich habe gerade das Spülmittel ausgetrunken." © Paramount Pictures

Mavis (Charlize Theron) lebt mit ihrem kleinen Hund Dolce in einem Appartement in Minneapolis und verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Teenieromanen. Ihr Leben ödet sie an, und etwas Spass holt sie sich mit dem Konsum von Alkohol und kurzen Liebesaffären. Eines Tages wird sie jedoch aus der Lethargie gerissen, als ein Mail sie aus ihrer Heimatstadt Mercury erreicht. Ihr früherer Freund Buddy (Patrick Wilson) ist vor kurzem Vater geworden und hat deshalb nun Grussbotschaftskarten mit dem Bild des kleinen Mädchens verschickt.

Glacé am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.
Glacé am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. © Paramount Pictures

Genervt vom Bild, kehrt sie kurzentschlossen nach Mercury zurück. Doch sie will nicht etwa den frischgebackenen Eltern gratulieren, sondern erneut Buddy umgarnen, sodass sie endlich das Paar werden können, von dem die beiden in den Highschooljahren immer geträumt haben. Doch Buddy ist nicht nur stolzer Vater, sondern auch glücklich verheiratet. Mavis denkt allerdings nicht im Traum daran, Buddy aufzugeben.

Wohl die wenigsten hätten vor ein paar Jahren gedacht, dass die Stripperin Diablo Cody einen Oscar gewinnen könnte. Doch dank ihrem frechen und humorvollen Skript zu Juno gelang ihr genau dieses Kunststück, was sie in die Notizbücher vieler Filmfans katapultiert hat. Ihr Nachfolgewerk, das Drehbuch zum Megan-Fox-Vehikel Jennifer's Body, war dann eine grosse Enttäuschung: für einen Grusler zu wenig unheimlich und auch keine Cody-typischen Dialoge mehr. Bei ihrer neusten Arbeit, Young Adult, hat sie sich wieder auf ihre Stärken besinnt und präsentiert zusammen mit Juno-Regisseur Jason Reitman eine starke, bittere Tragikomödie.

Gleich vorweg: Die Protagonistin Mavis ist nicht Juno 20 Jahre später. Die Charaktere könnten verschiedener gar nicht sein. Während Ellen Page eine herzliche und aufgestellte Figur verkörperte, die nie um einen Spruch verlegen war, ist Therons Part so ziemlich das Gegenteil: mies gelaunt mit einem Hang zu alkoholischen Getränken. Diese Mavis ist auf den ersten Blick eine richtige Zwätschgä, wie wir Schweizer sagen würden. Doch trotzdem beginnt man diese Figur zu mögen und hat dank einem Twist in dem letzten Drittel des Filmes sogar etwas Verständnis für ihr Handeln.

Zum Lachen und zum Schmunzeln gibt es im Vergleich eindeutig weniger, da Mavis ihrem Ziel humorlos entgegensteuert. Ein paar freche Sprüche hat Cody trotzdem eingebaut, die fast alle Patton Oswalt zugesprochen werden. Oswalts Matt Freehauf ist die für den Zuschauer besser zugänglichere Person: eine vom Schicksal gebeutelte Person, die sympathisch ist und der man etwas Glück im Leben wünscht. Da ist es fast schade, dass seine Auftritte begrenzt sind und Oswalts tolle Leistung von einer überstrahlt wird: Charlize Theron.

Die Südafrikanerin zeigt wie bei ihrer oscargekrönten Perfomance in Monster wieder Mut zur Hässlichkeit - nur ist es hier vornehm die innere Hässlichkeit. Theron, die in jeder Szene vorkommt, stiehlt allen die Show. Der einzige, der ihr Paroli bieten kann, ist der bereits angesprochene Oswalt. Ihre gemeinsamen Szenen sind die Highlights in einem Film, der einen hohen Fremdschämfaktor aufweist. Wenn Mavis versucht, ihren alten Schwarm vor den Augen vieler zurückzuerobern, schaut man diesem Treiben nur ungern zu.

Fazit: Young Adult ist die Geschichte einer Frau, die es nicht schafft, nach vorne zu schauen. Wie die Kassette, die sie im Auto hat, spielt sie immer wieder das gleiche Lied ab, anstatt weiterzumachen und Dinge hinter sich zu lassen. Dies ist tragisch, aber leicht humorvoll vorgetragen, und ausserdem gibt es eine der besten Leistungen von Charlize Theron zu sehen. Der Fremdschämfaktor ist jedoch hoch, und mehr Szenen mit Patton Oswalt hätten dem Film gut getan. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass Frau Cody zurück in die Spur gefunden hat. Mit ihr ist definitiv wieder zu rechnen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 5

yan

Young Adult ist ein Wechselbad der Gefühle. Fiebert man mit Madame Theron mit, oder ist die unsympathische und doch bemitleidenswerte Frau einem scheissegal? Dies muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen und wirkt sich sicherlich auch auf die Bewertung des Filmes aus. Mich hat die Dame jedenfalls überzeugt und von Anfang an in ihr krankes Leben gerissen. Gewisse Szenen sind saukomisch, andere bieten Fremdschämpotential zum Abwinken und wieder andere sind so komisch, dass man bloss den Kopf schütteln kann. Young Adult ist sicherlich kein Meilenstein, aber ein gelungener Versuch, eine eigentlich schwer unsympathische Frau auf eine absurde Art und Weise dem Zuschauer so näher zu bringen, dass er für ihr Verhalten sogar ein gewisses Verständnis entwickelt. Hat mich jedenfalls zum Nachdenken angeregt und Charlize Theron hat wieder einmal deutlich gezeigt, weshalb sie zur absoluten Spitze Hollywoods gehört.

Ghost_Dog

Naaaaaja! Eigentlich gute Ausgangslage, dazu die allesamt coolen Szenen mit Matt, aber ansonsten eher langweilig, plätschert dahin und was man vom Schluss halten soll... Tja wenn schon so tragikomisch, dann bitte ein etwas peppigerer Schluss mit mehr Mut zum Abgrund.

El Chupanebrey

Zitat bench4444 (2012-02-17 22:25:28)

Kameraführung, Schnitt und Musik sind grösstenteils 0815.

Gründe? Ich fand gerade die wacklige Kamera sehr passend.

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