Urban Explorer (2011)

Urban Explorer (2011)

Oder: Wieder einmal ein Beweis, dass man vor Kellern zurecht Angst haben soll...

Soll ich da runter? Soll ich nicht? Soll ich da runter? Soll ich nicht?...

Soll ich da runter? Soll ich nicht? Soll ich da runter? Soll ich nicht?...

Wer den ultimativen Kick sucht, wird in Berlin fündig. Der dortige Geheimtipp nennt sich "Urban Exploring". Bei diesem halblegalen Angebot geht es um einen Trek in den weit verzweigten, kaum überschaubaren und bis zu sechzig Meter in die Tiefe führenden Untergrund der Stadt.

Vier junge Reisende, die Japanerin Juna (Brenda Koo), ihre französiche Freundin Marie (Catherine de Léan), der Amerikaner Denis (Nick Eversman) sowie dessen aus Venezuela stammende Freundin Lucia (Nathalie Kelley) treffen sich eines Abends an einem abgelegenen Ort um, angeführt von Kris (Max Riemelt), den Abstieg anzutreten - hinab in die Katakomben Berlins, seit Jahrzehnten brach liegend und kaum jemals wieder von Menschen betreten. Während ihres anfangs sowohl fröhlichen als auch aufregenden Abstieges wird den Jugendlichen aber immer bewusster, dass die Finsternis auch noch andere Relikte beherbergt. Als auf die erscheckende Begegnung mit zwei durchgeknallt-aggressiven Neonazis auch noch Kris nach freiem Fall einige Stockwerke tiefer zu liegen kommt, wird aus dem Abenteuer bitterer Ernst...


Film-Rating

Deutsche Horrorfilme haben in Ihrer Heimat seit jeher einen schweren Stand. Mit Ausnahme von harmlosen Hochglanz-Produktionen wie Anatomie oder zuletzt Wir sind die Nacht führen deutsche Genre-Beiträge ein Leben im Untergrund.

Erfreulich deshalb, dass mit Urban Explorer, man ist geneigt zu sagen zum ersten Mal, ein professionell produzierter Slasher vorliegt, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Der Film ist in englischer Sprache gedreht und wartet mit einer internationalen Besetzung auf. Dies sicherlich aus dem Grund, dass der deutschsprachige Markt auch für diese Produktion nicht viel hergeben wird und man so gezielt das Ausland ansteuern kann.

Andy Fetscher (Bukarest Fleisch), der hier neben der Regie auch die Kamera und den Schnitt übernahm, ist ein visuell interessanter, geradlinig-kurzweiliger und spannender Genre-Beitrag gelungen. Der Film bietet einige wirklich gelungene Schockmomente, und die Story beinhaltet einen guten Twist, der den Zuschauer auf die falsche Fährte lockt. Zu guter Letzt kommen sogar noch die Gore-Hounds unter uns auf ihre Kosten, denn gegen Ende fährt Fetscher mit deftigem Splatter auf. Ein weiterer Pluspunkt des Films ist die Location. Er wurde zu 90 Prozent an Originalschauplätzen gedreht, sprich im Untergrund von Berlin. Das perfekte Umfeld für einen Horrorfilm und von der Kamera in tollen Bildern eingefangen.

Auch der Cast kann sich sehen lassen, entspricht er doch nicht ganz dem gängigen Klischee eines Slasher-Movies. Klar, die Trek-Teilnehmer sind jung, haben aber Charakter, und von pubertären Hormonschüben kann hier in keiner Sekunde die Rede sein. Das grosse Los hat der Regisseur mit der Besetzung von Klaus Stiglmaier in der Rolle des Armin gezogen. Der Mann ist eine einzige Naturgewalt.

Die vollständige Umgehung der gängigen Genre-Konventionen schafft der Film natürlich nicht. So gibt es doch einige Szenen, bei denen der versierte Horror-Freund ein Déjà-vu hoch zwei erlebt. Ausserdem ist der Schluss etwas bieder geraten und fällt, verglichen mit Rest des Films, etwas ab.

Fazit: Urban Explorer ist eine positive Überraschung. Der Film bietet über weite Strecken gelungene Genre-Unterhaltung. Von einem Meilenstein ist er zwar noch ein ganzes Stück entfernt, er macht aber auf jeden Fall Spass. Man darf gespannt sein, was uns Andy Fetscher als nächstes präsentieren wird.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

04.07.2011 / mvf

Community:

Bewertung: 3.5 (10 Bewertungen)

 

 

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