Die Unsichtbare (2011)

Die Unsichtbare (2011)

Oder: Method Acting

Freundinnen - Konkurrentinnen.

Freundinnen - Konkurrentinnen.

Die 21-jährige Fine (Stine Fischer Christensen) ist für eine angehende Schauspielerin erstaunlich scheu und unsicher. Zur ihrer eigenen Überraschung gibt ihr der renommierte Theaterregisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) die Hauptrolle in seiner neuen Inszenierung. Es handelt sich dabei um den Part der Camille, einer extravertierten, sexuell fordernden, aber auch sehr zerbrechlichen Figur.

Fine als Camille.

Fine als Camille.

Fine ist mit der Rolle vorerst völlig überfordert. Sie realisiert, dass sie Camille auch ausserhalb des Proberaums spielen muss, um sie im Stück adäquat verkörpern zu können. So fängt sie an, ihren Nachbarn Joachim (Ronald Zehrfeld) zu verführen. Gleichzeitig entzieht sie sich jedoch immer mehr ihrer geistig behinderten Schwester Jule (Christina Drechlser), die mit Verdruss darauf reagiert.

Im Laufe der Proben übt Friedmann zunehmend Einfluss auf Fine aus. Um sie zu schauspielerischen Höchstleistungen zu treiben, beschwört er mit fragwürdigen Mitteln verdrängte Wutgefühle in ihr hoch. Privat führen Fines Emotionen bald eine Eskalation herbei, an der die junge Frau zu zerbrechen droht.


Film-Rating

Präsenz ist eine der wesentlichen Eigenschaften, die ein Schauspieler oder eine Schauspielerin aufweisen sollte. Fine tut dies nicht. Sie ist ein Duckmäuschen, geht in der vor Euphorie und Energie strotzenden Theatergruppe beinahe unter. "Weshalb hast du mich genommen?", fragt sie einmal den Regisseur. Und der findet keine richtige Antwort.

Der Zuschauer auch nicht. Fine als Camille ist selbst für den Laien schlichtweg eine Besetzung gegen den Strich. Doch damit ist für diesen in seiner Gesamtheit so gelungenen Film das Fundament gesetzt. Bald schon stellt sich ein Déja-vu ein: scheue Künstlerin, exzentrischer Regisseur, die Wandlung vom biederen Mauerblümchen zur Femme fatale - das hat uns letztes Jahr bereits Black Swan vorexerziert.

Gott sei Dank hat uns Regisseur Christian Schwochow (er drehte das vorzügliche Drama Novemberkind) die Effekthascherei erspart, mit der Darren Aronofsky sein Werk überfrachtete. Keine Spiegel, keine Albträume, keine Halluzinationen sind hier zu finden. Natalie Portman lernte bekanntlich für ihre Rolle Ballett tanzen, Stine Fischer Christensen ihrerseits lernte ihre Texte sprechen. Das ist insofern ungewöhnlich, als Fischer Christensen Dänin ist und nicht Deutsch kann. Viel Mut hat Schwochow bei dieser Entscheidung bewiesen, vergleichbar mit Friedmanns Wahl im Film.

Das Resultat gibt dem Regisseur aber absolut recht. Stine Fischer Christensens darstellerische Wandlungsfähigkeit ist famos, und zu keiner Zeit merkt man, dass sie der Sprache eigentlich nicht mächtig ist. Insgesamt spielt das gesamte Cast stark auf; jede Rolle ist hervorragend besetzt. Gepaart mit einer sich zwar stark zuspitzenden, aber trotzdem plausibel wirkenden Story, ist Die Unsichtbare ein sehenswerter, wenn auch nicht ganz repräsentativer Einblick in die Kunst des Schauspiels.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

25.09.2011 / uas

Community:

Bewertung: 5.5 (3 Bewertungen)

 

 

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