The Three Musketeers (2011)

Die drei Musketiere

The Three Musketeers (2011) Die drei Musketiere

Oder: Beleidige nie ein gascognisches Pferd!

"Ringel-Ringel-Reihe!"

"Ringel-Ringel-Reihe!"

Frankreich, 17. Jahrhundert: Der junge Gascogner D'Artagnan (Logan Lerman) reist nach Paris, um wie sein Vater Musketier zu werden. Unterwegs wird er vom fiesen Rochefort (Mads Mikkelsen), dem Anführer von Kardinal Richelieus (Christoph Waltz) Leibwache, beleidigt und verletzt. In Paris möchte D'Artagnan Vergeltung und handelt sich bei der Verfolgung Rocheforts drei Duelle ein - wie sich herausstellt ausgerechnet mit den legendären Musketieren Athos (Matthew McFadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans). Bevor es zum Duell kommt, werden die Musketiere von Rocheforts Schergen angegriffen. Zu viert schlagen sie die Gegner locker in die Flucht und werden dafür vom jungen, leichtgläubigen König Louis XIII. (Freddie Fox) belohnt.

Hihi, aufhören, das kitzelt!

Hihi, aufhören, das kitzelt!

Weil Richelieu selbst auf den Thron Frankreichs will, stiftet er Athos' einstige Geliebte M'lady de Winter (Milla Jovovich) dazu an, eine Diamantenkette von Königin Anne (Juno Temple) zu stehlen und dem Herzog von Buckingham (Orlando Bloom) unterzuschieben. D'Artagnan und die drei Musketiere müssen die Kette rechtzeitig zurückstehlen, denn die so inszenierte Affäre der Königin würde zu einem Krieg zwischen Frankreich und England führen. Doch die Aufgabe ist nicht leicht - immerhin besitzt Buckingham Luftschiffe und spannt mit der cleveren M'lady zusammen.


Film-Rating

Mit Game-Verfilmungen, Remakes und Sequels auf dem Buckel gehört Regisseur Paul W. S. Anderson kaum zu den Namen, die bei der Verfilmung eines Klassikers der Weltliteratur als erstes fallen. Allen Unkenrufen zum Trotz hat er es jedoch geschafft, einen familientauglichen Abenteuerfilm zu produzieren, der mit Humor, spektakulärer Action und einer illustren Schar an Schauspielern aufwartet.

Die neuste Umsetzung des Romans von Alexandre Dumas gibt sich deutlich modern, mit frechen Sprüchen, einigen witzigen Anachronismen und Slow-Motion-Einsatz in (unspektakulärem) 3D. Während der Film erst recht nahe an der Vorlage bleibt, steigt er mit dem Einbezug von Luftschiffen in der zweiten Hälfte in ganz eigene Spähren; wer weiss, vielleicht hat man schlicht versucht, auf den Hype aufzuspringen und die Musketiere mit Piraten zu kreuzen. Doch auch Traditionelles wird geboten: schöne Kostüme, herrlich-prächtige Schlösser und spektakuläre Duelle. Gedreht wurde übrigens in Deutschland, neben den Babelsberger Filmstudios auch in Bayern, wo einige Schlösser für französische und italienische Gegenden doubeln mussten.

Die durch und durch europäische Produktion ist auch an der Besetzung ersichtlich, wo sich besonders auf der Seite der Gegner bekannte Namen häufen: So darf Til Schweiger mit seinem Akzent für einige unfreiwillige Lacher sorgen, und Christoph Waltz ist in seinem üblichen Post-Oscar-Modus: böse, aber nicht so böse, wie man es gerne hätte. Orlando Bloom als herausgeputzter Pfau Buckingham hat dafür sichtlich Spass als schnauzzwirbelnder Bösewicht. Und weil er so herrlich herablassend und selbstverliebt sein darf, macht es wirklich Spass, ihm dabei zuzusehen. Köstlich ist auch der verklemmt-naive König mit seinem Bubenschnäuzli.

Der sehr jung wirkende Logan Lerman als D'Artagnan ist zwar ein guter Sympathieträger, hat jedoch dasselbe Problem wie die drei Musketiere, die erstaunlicherweise nicht von den ganz grossen Namen im Filmgeschäft dargestellt werden: Sie werden alle viel zu wenig gezeigt. Vor lauter Actionspektakel fehlt nämlich schlicht die Charakterisierung. So ist die Freundschaft der vier nur zu ahnen, das Musketier-Motto "Einer für alle, alle für einen!" verkommt zur reinen Randnotiz. Dies liegt auch daran, dass die Figur der M'lady, gespielt von Milla Jovovich, in den Mittelpunkt gerückt wurde. Jovovich - die, wie man erwähnen sollte, mit dem Regisseur verheiratet ist - darf sich in so vielen Slo-Mo-Szenen räkeln, dass es richtig ärgerlich ist. Lieber hätte man die Filmminuten für andere, interessantere Figuren verwendet.

Anderson hat einen erstaunlich unterhaltsamen Actionfilm hingelegt, der durch einige herrliche Sprüche, eine gut gewählte Schauspielerschar und visuelle Einfälle punkten kann. Leider ist der Film trotz schlanker 110 Minuten Länge etwas überladen. Schade ist's besonders um die zu wenig gezeigten Hauptfiguren und den Jovovich-Overload. Aber das Ende lässt vermuten, dass - bei finanziellem Erfolg - bereits eine Fortsetzung geplant sein dürfte.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

15.08.2011 / pps

Community:

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