Samsara (2011)

Samsara (2011)

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Filmkritik: Heimatfilm

© Rialto Film AG

Mit dem Sanskrit-Wort "Samsara" bezeichnet man das sich unaufhörlich drehende Rad des Lebens, den ewigen Kreislauf des Entstehens und Vergehens. Um diesem Rad bei der "Arbeit" zuzusehen und um es in einer Dokumentation zu verbildlichen, besuchten die beiden Filmemacher Ron Fricke und Mark Magidson fünf Jahre lang über 25 Länder. Gedreht wurde unter anderem in Indien, Japan, der Türkei, in China, Myanmar, Äthiopien, Frankreich, Brasilien und in den USA.

© Rialto Film AG

Nach jeder Menge Arbeit am Schnittpult ist aus dem meterlangen 70mm-Material Samsara entstanden. Ein träumerischer Blick auf unsere Welt, der nicht mit Worten, sondern nur mit Musik von Michael Stearns, Lisa Gerrard und Marcello De Francisci begleitet wird. Frei nach dem Motto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - Bilder von buddhistischen Mönchen, afrikanischen Kriegern, Besuchermassen in Mekka oder von den Pyramiden in Kairo.

Die Blu-ray zu Baraka, dem 1992 gedrehten Film des Duos Fricke/Magidson, gilt auch heute immer noch zum Besten, was die blaue Disc an Bildqualität zu bieten hat. Dies, weil der Film mit 70mm-Material gedreht und danach in einem aufwändigen Konvertierungsprozess in eine 8k-Auflösung gescannt wurde. Der Film selbst war dann, etwas böse gesagt, ein wunderschöner Bildschirmschoner. Denn es wurde nichts erklärt, sondern einfach nur gezeigt - kein Voice-Over, sondern nur Bilder und etwas Musik. 2007 wollten es Fricke und Magidson nochmals wissen und gingen wieder auf die Reise. Der dabei entstandene Samsara hat auch tolle Aufnahmen zu bieten, macht es sich mit seiner Aussage aber etwas zu einfach.

Man könnte glatt den Eindruck bekommen, dass nur noch die Natur Schönheiten bietet und es solche in den Städten gar nicht mehr gibt. Bilder von Sexpuppen, Waffenherstellung sowie Zeitraffer-Sequenzen von herumwuselnden Menschen in U-Bahnen oder Supermärkten. Hektisch und rastlos. Im Gegensatz dazu gibt es ruhige Abschnitte, in deren Zentrum Wasserfälle und Berge stehen, welche atemberaubend sind. Diese können leider nicht verhindern, dass eher Bilder wie die des verstümmelten Soldaten oder die Einpferchung von Tieren für den Fleischhandel in Erinnerung bleiben werden. Damit sind die Filmemacher zwar konsequent, doch deshalb ist ihr Film nicht wirklich was für Kinder.

So kann sich der Zuschauer in der ersten Hälfte der Kraft der Bilder hingeben. In der Mitte versucht das Regieduo aber zu verkrampft und sogar auch ein wenig zu plump, ihre Ideen an das Publikum zu bringen. Ein Performancekünstler, der aus der Büromonotonie auszubrechen versucht, oder bewaffnete sowie arme Leute, die vorwurfsvoll direkt in die Kamera blicken, sind da nur Beispiele. Das Problem beim "stummen Dokumentarfilm" ist schon, dass die Botschaft etwas deutlicher kommuniziert werden muss. Doch hier wird schon etwas übertrieben. Man wird dann regelrecht aus der Bilderflut herausgerissen und hat danach wieder Mühe, in diesen Strudel zurückzufinden. So fühlen sich die zweiten 45 Minuten deutlich länger an als die ersten.

Fazit: Samsara ist ein Bilderrausch, auf den man sich einlassen muss. Nur so kann man die ganzen 90 Minuten geniessen, auch wenn die zweite Hälfte in dieser Hinsicht eine Herausforderung ist. Nachdenklich wird der Zuschauer den Film ohnehin verlassen, und somit ist Samsara letzten Endes gelungen - auch wenn die Schönheit von Baraka nicht ganz erreicht wird.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Deutsch, 01:11