Les neiges du Kilimandjaro (2011)

Les neiges du Kilimandjaro (2011)

  1. 107 Minuten

Filmkritik: Los-Pech

Ferrero-Rocher-Torte?
Ferrero-Rocher-Torte? © Studio / Produzent

Michel (Jean-Pierre Darroussin) hat ein schönes Leben: Er ist mit seiner Frau Marie-Claire (Ariane Ascaride) seit 30 Jahren glücklich verheiratet, hat tolle, bereits erwachsene Kinder und ist engagiert bei seiner Arbeit. Doch dann ist er eines Tages wegen der Krise gezwungen, Hafenarbeiter zu entlassen. Dies macht er nach dem Zufallsprinzip, indem er die zu entlassenden Arbeiter mit dem Los bestimmt. Aus Solidarität tut er seinen Namen auch in die Kiste und wird prompt als einer von 20 gezogen. Obwohl es ihn zu Beginn noch stört, nicht zu arbeiten, gewöhnt er sich schnell an sein neues Leben. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen - bis zu einer bestimmten Nacht.

"Ist das eine 6 oder eine 9?"
"Ist das eine 6 oder eine 9?" © Studio / Produzent

Als er zusammen mit zwei Freunden und seiner Frau einen Spieleabend durchführt, stürmen plötzlich zwei maskierte Männer das Haus und verlangen Geld. Mit den Bankkarten kommen sie davon und leeren schnell die Konten. Was Michel noch nicht weiss: Einer der Diebe ist sein ehemaliger Mitarbeiter Christophe (Grégoire Leprince-Ringuet), der von ihm per Los entlassen wurde. Der verzweifelte junge Mann braucht eigentlich nur Geld, um seine beiden kleinen Brüder zu ernähren, da die Mutter wie auch der Vater sich aus dem Staub gemacht haben.

Unsere Klassengesellschaft ist etwas Böses! Daran glaubt Regisseur und Kommunist Robert Guédiguian nicht nur felsenfest, sondern er zeigt dies auch gern in seinen Filmen. Er beutelt in seinem neusten Werk, Les neiges du Kilimandjaro, seine Protagonisten mit den ungleichen Lebensverhältnissen zuerst ein bisschen, um sie noch etwas weiter zu plagen, bis er dann mit der Lösung um die Ecke kommt. Und die lautet, dass wir Menschen nicht nur das Problem sind, sondern auch die Lösung sein können. Was sich jetzt vielleicht nobel anhört, ist dermassen übertrieben dargestellt, dass die gut gemeinten Absichten geradezu ins Lächerliche gezogen werden.

Guédiguain war schlicht und einfach nicht imstande, seine Geschichte mit aller Härte durchzuziehen. Auch wenn es sich hier um ein Sozialdrama handelt - wirklich ernst und eng wird es nur sehr selten. Ohne diese Extrameile gehen zu wollen, sodass man mit den Figuren leidet, verlangt der Film vom Zuschauer, dass er die Protagonisten einfach zu mögen habe, weil sie aus dem Leben gegriffen scheinen. Dies hebt den Film dann auch wirklich selten über TV-Niveau, was übrigens auch für die Inszenierung gilt.

Trotzdem: Schlecht ist es ja nicht, was gezeigt wird. Es ist nur sehr naiv. Wer bereit ist, dies zu ignorieren und sich an überzeugenden Schauspielern erfreuen kann, wird von Les neiges du Kilimandjaro nicht enttäuscht werden. Vor allem Jean-Pierre Darroussin überzeugt auf ganzer Linie als grummliger Frührentner mit weichem Kern. Seine Leinwandpartnerin Ariane Ascaride steht ihm in nichts nach, obwohl sie immer wieder in Nebenhandlungen gedrängt wird, welche oftmals nicht viel Interessantes zu erzählen haben.

Fazit: Wie der Kommunismus hört sich auch Les neiges du Kilimandjaro auf dem Papier sehr gut an. Umgesetzt kämpfen aber beide mit Schwierigkeiten, weshalb Guédiguian seinen Film gegen Ende mächtig geradebiegen musste, damit seine Vision aufgeht. Dies funktioniert aber nicht wie gewünscht, womit der letzte Abschnitt der Geschichte dem zuvor ganz netten Film einen bitteren Nachgeschmack gibt.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Französisch, 01:33