One Day (2011)

One Day (2011)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Und jährlich grüsst das Liebestier

"Jetzt verrat mir doch endlich was aus dem neuen Batman!"
"Jetzt verrat mir doch endlich was aus dem neuen Batman!"

15. Juli 1988: Am Tag ihrer Examensfeier lernen sich Emma Morley (Anne Hathaway) und Dexter Mayhew (Jim Sturgess) kennen. Nach einer Nacht im selben Bett trennen sich ihre Wege aber wieder. Emma versucht sich daraufhin als Schriftstellerin, ist aber wegen ausbleibendem Erfolg gezwungen, in einem Restaurant zu arbeiten. Dexter hingegen lebt als Kind einer reichen Familie sein Leben unbeschwert. Ein Jahr später, nachdem sie sich in Emmas Bett nahe gekommen sind, schlägt Dexter Emma zur Entspannung Ferien in Frankreich vor. Doch es dauert wieder ein Jahr, bis sie die Reise antreten können.

Sie war völlig begeistert, wie er den Wagen steuerte...
Sie war völlig begeistert, wie er den Wagen steuerte...

Obwohl Emma strikte Regeln aufstellt, beginnen sie diese in den gemeinsamen Ferien zu brechen. Doch aus den Freunden wird kein Liebespaar, sondern ihre Wege trennen sich kurz nach den Ferien wieder. Emma kommt mit dem Stand-up-Comedian und ehemaligen Mitarbeiter Ian (Rafe Spall) zusammen und Dexter wird Moderator einer Fernsehsendung. Doch trotzdem schaffen sie es irgendwie immer, auf den 15. Juli wieder zusammenzufinden. Werden die beiden eine gemeinsame Zukunft haben?

Nachdem Lone Scherfigs letzter Film An Education 2010 bei den Oscars mitmischte, war man gespannt, was die gebürtige Dänin denn als nächstes plant. Um keine allzu grossen Risiken einzugehen, hat sie sich wieder für die Verfilmung eines Romans entschieden. Doch lieferte die Vorlage dieses Mal nicht Nick Hornby, sondern der eher unbekannte David Nicholls. Sein Buch One Day erzählt die Geschichte zweier Menschen, wobei man beim Lesen immer nur den 15. Juli mitbekommt. In Filmform funktioniert diese Vorgehensweise überhaupt nicht, da man mit den Figuren überhaupt nicht warm wird und das Werk geradezu vor Kitsch trieft.

Beginnen tut der Film im Jahre 2005 und geht dann zurück ins Jahr 1988, um sich dann Jahr für Jahr nach vorne zu arbeiten. Diese Vorgehensweise bringt jedoch ein grosses Problem mit sich: Wenn der Film nicht funktioniert, ist dies ein Countdown, der sich schmerzhaft langsam Richtung Zukunft bewegt. So ist es leider der Fall.

Scherfig machte den Fehler, alles ins Extreme steigern zu wollen: Wenn Jim Sturgess als TV-Moderator etwas schleimig sein sollte, dann ist er der Oberschleimer. Oder wenn er die Falsche heiratet, dann könnten die Verheirateten nicht unterschiedlicher sein. Und wenn Anne Hathaways zwischenzeitlicher Freund ein Nerd zu sein scheint, dann muss dies auch noch mit Kinobesuchen von Army of Darkness, Star-Trek-Zitaten und Auf-dem-Klo-hocken-und-Zündhölzchen-verlangen-Szenen unterstrichen werden. Kommt noch hinzu, dass Rafe Spall in dieser Rolle aussieht wie David Walliams aus Little Britain. So wird das Ganze so unglaubwürdig wie die Behauptung, Hathaway spiele eine Britin. Die hübsche New Yorkerin versucht es zwar, scheitert aber überdeutlich am British English.

Ein putziges Paar geben Hathaway und Sturgess aber trotzdem ab, und einige "Jahrestage" können sich dank frechem Humor wirklich sehen lassen. Dies bewahrt den Film dann auch vor dem totalen Absturz. Man wünscht sich ja irgendwie doch, dass die zwei endlich zusammenkommen. Wäre das Ganze aber nicht so plump vorgetragen, würde man dann auch wirklich mitbangen.

Fazit: One Day ist eine Schnulze. Vieles ist übertrieben romantisch - der Film ist fast nur für ganz hartgesottene Romantiker. Zu empfehlen ist an dieser Stelle der italienische Film Dieci Inverni, der ebenfalls eine ähnliche Erzählstruktur aufweist, aber letztendlich glaubhafter und auch emotionaler war. Hier hat Frau Scherfig beim erneuten Griff ins Bücherregal eindeutig danebengegriffen.

/ crs

Kommentare Total: 3

kiri

Schade, der Film hat die Schwächen des Romans noch verstärkt, anstatt die Chance zu ergreifen diese auszubügeln und ein potentiell fantastisches Kinoereignis zu schaffen.
Die Storyline war noch verwirrender als beim Buch. Dort funktionierte es insgesamt jedoch. Filmisch war das eine totale Niete und die Charaktere waren einfach nicht nachvollziehbar. So durchzogen der Film als Ganzes war, so waren auch die Einzelteile mal schlecht und mal gar nicht so schlecht.... Der Soundtrack erinnerte Stellenweise an eine Rosamunde Pilcher Verfilmung (oder so wie ich mir diese Vorstelle, jedenfalls sehr schnulzig), hatte dann aber wieder etwas von grossem Hollywood Kino. Allerdings passt Hollywood einfach nicht auf die Story und kommt nur kitschig rüber. Anne Hatheway spielte eigentlich gar nicht so schlecht, aber ihr Akzent war zum heulen und ihre Person wirkte dadurch extrem gekünstelt. Die Mutter von Dexter, war die einzige Rolle, die mit Patricia Clarkson erstaunlicherweise wirklich gut besetzt war.
Die Bild- und Farbgestaltung in Blautönen war interessant. Und einzelne Sequenzen für sich selber waren sogar ganz gut.
Fazit: Man kann sich den Film an einem Regentag mit einer Tasse Tee und einem Kreuzworträtsel oder ähnlichem gut anschauen, aber mehr auch nicht.

Granunaile

Es ist nicht einfach, einen über 500 Seiten dicken Roman - der im Übrigen starke wie schwache Abschnitte aufweist - in einen 107 Minuten dauernden Film zu pressen. Ich bin der Meinung, dass dies weitgehend gelungen ist. Einzelne Dialoge zwischen Emma und Dexter machen wirklich grossen Spass. Der Film ist kein "Jahrhundertereignis", kein Meilenstein in der Filmgeschichte, doch ich finde ihn gut.

crs

Filmkritik: Und jährlich grüsst das Liebestier

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