Neverland (2011)

Neverland (2011)

Neverland - Reise in das Land der Abenteuer
  1. ,
  2. 180 Minuten

DVD-Review: Wie die Uhr ins Krokodil kam

*Love is in the air*
*Love is in the air* © Concorde Home Entertainment

London, 1906: Vor Jahren wurde der Waisenjunge Peter (Charlie Rowe) vom ehemaligen Waffenhändler Jimmy Hook (Rhys Ifans) aus dem Waisenhaus geholt. Nun macht sich der kecke Junge mit seinen Kumpels Fox, Slightly, Nibs, Curly, Toodles und Twins regelmässig auf Diebestour und tut alles, um Jimmy zu beeindrucken. Als die Bande in ein Juweliergeschäft einbricht, stösst sie auf ein mysteriöses Artefakt: eine Kugel, die bei Berührung zu leuchten beginnt und Jimmy und die Jungs auf einen Schlag verschwinden lässt. Peter bleibt als einziger zurück und steht vor dem Rätsel, was mit seinen Freunden passiert ist.

...und Peter sah nur noch Sterne.
...und Peter sah nur noch Sterne. © Concorde Home Entertainment

Wie sich herausstellt, ist die Kugel eine Art Portal, die zu einem fernen Planeten namens Neverland führt. Als Peter ebenfalls nach Neverland transportiert wird, befinden sich seine Freunde bereits in der Gefangenschaft von Piraten, die seit Jahrhunderten unter der Führung von Captain Elizabeth Bonny (Anna Friel) in Neverland festsitzen. Während Jimmy von Bonny becirct wird, findet Peter Unterschlupf beim Indianerstamm der Kaw. Von den Indianern erfährt er, dass in Neverland niemand älter wird und die Piraten seit langem hinter der Magie der sogenannten Baumgeister her sind. Peter muss nun also nicht nur seine Freunde befreien, sondern auch verhindern, dass die Piraten auf die Erde zurückfinden.

Noch zu seinen Lebzeiten hat J. M. Barrie, Schöpfer von Peter Pan, die Rechte an seinem berühmtesten Werk dem Great Ormond Street Hospital in London vermacht, damit in Zukunft kranke Kinder von der beliebten Kinderbuchfigur profitieren konnten. Diese unkonventionelle Rechtslage wurde nach Ablauf des Copyrights Ende der Achtzigerjahre noch etwas komplizierter, als das Copyright vom britischen Parlament verlängert wurde. Erst in den letzten Jahren lockerte sich diese Regelung, und siehe da: Kaum muss man dem Kinderkrankenhaus nichts mehr abgeben, schiessen Peter-Pan-Adaptionen förmlich aus dem Boden.

Den Anfang einer ganzen Reihe geplantet Peter-Pan-Projekte macht der US-Sender Syfy, der die Geschichte des berühmten Jungen, der niemals erwachsen wird, in einer zweiteiligen Mini-Serie umsetzte. In dieser wird die Vorgeschichte von Peter und seinen Lost Boys, von Hook und seinen Piraten erzählt. Die Story hält sich nur lose an die literarische Vorlage; dafür hat man eine Prise Oliver Twist dazugemischt, den Piratengehalt etwas hochgeschraubt, und Peter-Pan-Kundige werden unschwer auch einige Ähnlichkeiten zur Buchserie Peter and the Starcatchers von Dave Barry und Ridley Pearson erkennen (auch diese soll nächstens den Weg auf die Leinwand finden).

Der Einstig in die Mini-Serie scheint vielversprechend: So hat jede Figur in der Truppe von Peter und Hook individuelle Charakterzüge und bekommt ihren eigenen Auftritt. Auch das Vermischen von Fantasy- und Science-Fiction-Elementen funktioniert im ersten Teil noch gut. Spätestens im zweiten Teil ist das Überraschungsmoment aber langsam verflogen, und man beginnt, sich zunehmend an seltsamen Wendungen und schlechten Spezialeffekten zu stören. Warum zum Beispiel musste man ein x-beliebiges und nicht gerade virtuos angemaltes Modell in der Rolle der Tinkerbell anstellen, die dann von Keira Knightley mehr schlecht als recht synchronisiert wurde? Und ist es wirklich nötig, Peter Pans ewige Jugend und seine magischen Kräfte zu erklären? Auch die Story flacht gegen Ende zunehmend ab, was umso enttäuschender ist, weil der Anfang, und vor allem die vielen bekannten Gesichter, weitaus mehr versprochen hätten. Doch auch gestandene Schauspieler wie Anna Friel (Pushing Daisies), Charles Dance (Game of Thrones) oder Amazing Spider-Man-Bösewicht Rhys Ifans schaffen es nicht, die verwurstelte Story am Ende noch zu retten.

Peter-Pan-Fans dürfte diese Neuinterpretation seiner Wurzeln enttäuschen oder erst recht faszinieren. Sehenswert ist auf jeden Fall Charlie Rowe in der Hauptrolle, der bis zum Schluss eine grossartige Leistung bringt und sowohl die frechen, zuweilen fast irren Züge, als auch das Tragische in Peter Pan gut umsetzen kann. Der Rest enttäuscht leider. Sogar noch schwächer ist die Bonusausstattung der DVD. Die bietet nämlich ausser ein paar Trailers gar nichts.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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