Mit dem Bauch durch die Wand (2011)

Mit dem Bauch durch die Wand (2011)

  1. 93 Minuten

Filmkritik: Aufs Bauchgefühl hören

Folge der Pisa-Studie: Extrafrühe Talentförderung
Folge der Pisa-Studie: Extrafrühe Talentförderung © Studio / Produzent

Sandra, Jasmine und Jennifer teilen eine aussergewöhnliche Gemeinsamkeit: Alle drei sind minderjährig schwanger geworden. Entgegen der absehbaren und unabsehbaren Umständlichkeiten entscheiden sie sich für die Lebensherausforderung Kind. Mutig kämpfen die Girls gegen gesellschaftliche Ressentiments und Vorurteile an - dies jedoch unter unterschiedlichen Vorzeichen. Während Sandras Freund Marcel zu ihr steht und auch die Familie tatkräftig dabei mithilft, dass sie Muttertum und Lehre unter einen Hut bringt, sind die Voraussetzungen für Jasmine und Jennifer weitaus schwieriger. Bei beiden gehen die Beziehungen mit den Vätern zu Bruch. Während Jasmine keinerlei Unterstützung erhält und sich gezwungen sieht, den kleinen Armando in ein Heim zu geben, hat Jennifer immerhin ihre Mutter, die ihr den Rücken freihält.

Doch wie schwierig auch die Zustände sein mögen - Sandra, Jasmine und Jennifer reifen alle gleich an ihrer Aufgabe. Die involvierten Männer dagegen, mit Ausnahme von Marcel, haben da weit mehr Probleme, sich zu arrangieren ...

Mit dem Bauch durch die Wand ist eine Langzeit-Dokumentation von Anka Schmid, welche sich insgesamt über drei Jahre hinwegstreckt. Kinder werden über diese Dauer zu Erwachsenen, Babys zu Kindern - der Wandel der Betroffenen wird durch die Verdichtung auf 90 Minuten stark dramatisiert.

Nur schon dieser erweiterte Zeithorizont zieht eine klare Trennlinie zu einem seichten Reality-TV- Format wie "Mama ich bin schwanger". Authenzität und Tiefe finden sich hier im Inhalt, der ein permanentes Springen zwischen den "Fällen" sieht. Gegenwärtig werden zwei Lebensphasen: die vor und die mit dem Kind. Aus einer aufmüpfigen Jennifer etwa wird innerhalb von einem Jahr eine Frau, die ihre adoleszente Verantwortungslosigkeit komplett niederlegt und sie gegen respektable Hingabe und Zuversicht eintauscht. Solch intensive Wandlungen so unmittelbar dargelegt zu bekommen - das ist die hochinteressante Essenz von Mit dem Bauch durch die Wand.

Zugute halten darf man dem Film überdies, dass er nie moralisieren möchte. Einfach wäre es gewesen, auf der Tatsache herumzukauen, wieso die Situation überhaupt entstehen konnte. Stattdessen lässt Anka Schmid die Eltern kurz erzählen, wie sie sich einst getroffen haben und wie das Umfeld die Schwangerschaft aufgenommen hat. Danach wird sich den Tatsachen gestellt. Dass Roman und Mwathi sich mit diesen schwerer tun, mag Verständnislosigkeit ernten. Durch den Film hindurch wird jedoch immer wieder daran erinnert, wie jung diese Menschen sind, und wie unglaublich schwer es sein muss, eine solche Situation zu handhaben.

Mit dem Bauch durch die Wand ist eine aufschlussreiche Dokumentation, in der junge Frauen über sich hinauswachsen, Kinder heranwachsen und Männer erwachsen werden.

/ uas