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Miss Bala (2011)

Miss Bala (2011)

Oder: Schön zu sein ist nicht immer ein Vorteil

"Ich habe dir doch gesagt..."

"Ich habe dir doch gesagt..."

Die 23-jährige Laura Guerrero (Stephanie Sigman) lebt mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder in Baja, einer mexikanischen Kleinstadt an der Grenze zu den USA. Die attraktive junge Frau träumt davon, mit einer Karriere als Model dem Leben in Armut zu entkommen, weswegen sie sich zusammen mit ihrer Freundin Jessica (Irene Azuela) für den lokalen Schönheitswettbewerb "Miss Baja California" anmeldet.

"...unter dem Bett gibt's keine Monster!"

"...unter dem Bett gibt's keine Monster!"

Die beiden überstehen die erste Casting-Runde. Zur Feier gehen sie zusammen aus. Doch dann überfällt eine Gruppe maskierter und schwer bewaffneter Männer die Disco, in der sie sich gerade befinden. Laura kann sich verbergen und fliehen. In der Hoffnung, Jessica zu finden, die in dem Lokal zurückgeblieben ist, wendet sie sich an einen Polizeibeamten. Sie ahnt nicht, dass damit ihr Alptraum erst richtig losgeht. Denn der vermeintliche Freund und Helfer führt sie direkt in die Arme von Lino (Noé Hernández), dem gefürchteten Drogenboss und Anführer der Gang, die für den Überfall verantwortlich ist. Und dieser weiss, wie er die verängstigte junge Frau zu seinem Nutzen einsetzen kann.


Film-Rating

Der Kontrast zwischen der heilen und oberflächlichen Welt eines Schönheitswettbewerbs und dem dreckigen, unerbittlichen Drogenkrieg kommt in Miss Bala sehr gut zur Geltung: Hauptdarstellerin Stephanie Sigman leiht dem Schrecken ihr schönes Gesicht. Es ist fast unerträglich, die Gewalt und die Ungerechtigkeiten mitanzusehen, die der jungen Frau im Verlaufe der knapp zwei Stunden widerfahren. Die Auswegslosigkeit ihrer Situation, die ihr keine andere Möglichkeit lässt, als sich in den Dienst der kriminellen Bande zu stellen, ist bedrückend.

Tatsächlich war eine Zeitungsmeldung, dass eine Schönheitskönigin wegen ihrer Verwicklung in kriminelle Machenschaften einer Drogenbande verhaftet worden ist, die Ausgangslage für Gerardo Naranjos engagierten Actionthriller. Als Zuschauer bekommt man die Geschichte aus Lauras Perspektive erzählt. Durch die atemlose Inszenierung weiss man nie, wann's das nächste Mal knallt. Es mutet alles wie ein übler Alptraum an, aus dem man bald erwachen möchte. Auch wenn sich der Film mit expliziter Gewaltdarstellung zurückhält, geht er doch unter die Haut. Die ruhigen Szenen zwischendurch sind trügerisch. Man weiss, dass die Ruhe nicht lange anhalten wird, die Angst und die Ohnmacht der Protagonistin scheinen greifbar. Sigman, übrigens selbst ursprünglich aus dem Model-Business stammend, verkörpert ihre Hauptrolle realistisch und glaubhaft.

Wenn auch der Film etwas lang geraten ist und vor allem gegen Schluss etwas ausfranst, ist er gleichwohl beeindruckend. Er zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von Mexiko als ein von Korruption und Drogenkrieg gezeichnetes Land. Wer den nächsten Mexiko-Urlaub plant, dem sollte eher davon abgeraten werden. Es könnte die Vorfreude vergällen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

15.05.2011 / ebe

Community:

Bewertung: 4.2 (7 Bewertungen)

 

 

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