Mary & Johnny (2011)

Mary & Johnny (2011)

Filmkritik: Sündenpfuhl Zürichfäscht

Ein Bild sagt alles.
Ein Bild sagt alles.

Sommer 2010. Ein Besuch am Zürifäscht steht an, doch Johnny (Philippe Graber) verliert pünktlich darauf seinen Job im Media Markt. Missmutig geht er trotzdem mit seiner Freundin Mary (Nadine Vinzens) an die Stadtparty. Doch bald schon gerät sich das Paar in die Haare, und Mary an den zwielichtigen Aufreisser Hofstettler (Nils Althaus).

Auf dem Weg zur schönsten Unterführung Zürichs.
Auf dem Weg zur schönsten Unterführung Zürichs.

Als Mary endgültig Schluss macht, will Johnny eigentlich heim. Doch der grossspurige Macho Mischa (Marcus Signer) überredet das Häufchen Elend, seinen Frust im Alkohol zu ersäufen. Gleich tut es ihm Mary, doch mit eingeschränkterer körperlicher Verarbeitungskapazität. Bald schon torkelt die Frau unkontrolliert herum. Die Hemmschwelle fällt - darauf hat nicht nur Hofstettler gewartet, sondern auch der widerliche Sepp (Andrea Zogg).

Währenddessen weiht Mischa Johnny in seine bevorzugte kriminelle Aktivität ein: Trickdiebstahl. Während der Grosskotz sich auf die Pirsch macht, lässt er Johnny mit seiner Freundin, der Wetterfee Fränzi (Gina Gurtner), allein. Die beiden kommen sich näher, was dem impulsiven Mischa überhaupt nicht gefällt ...

Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" stand Pate für Mary & Johnny, jedenfalls in der Grundforum. Das Theaterstück spielt 1932, mit der Weltwirtschaftskrise im Rücken, und handelt von einem verrückten Oktoberfestabend, nach dem nicht nur für ein Paar alles anders ist. Für ihr Regiedebüt transferierten Samuel Schwarz und Julian M. Grünthal die Geschehnisse in eine Nacht des Zürifäschts 2010, zeitlich in Schlagdistanz zur Krise von 2008.

Doch noch etwas mehr als die Umsetzung dieser Prämisse interessiert der Auftritt von Nadine Vinzens. Die Ex-Miss Schweiz versucht seit Jahren ihr Glück in Hollywood - den hiesigen Boulevardmedien zufolge ist sie dabei in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten. Die Rolle der Mary wird ihr angekratztes Image nicht umstülpen, muss sie doch eine oberflächliche Partynudel spielen, welche die halbe Zeit trunken herumläuft. Es ist eine Viel-Schönheit-nix-dahinter-Figur, und da kann sich Vinzens noch so redlich Mühe geben: Gewisse Leute werden da eine gefallene Ex-Miss und keine fiktive Person auf der Leinwand sehen.

Vinzens an Bord zu haben gab dem Film sicherlich einiges an Publicity. Diese kann er gebrauchen; mit all seinem Rotz und seiner Garstigkeit ist das kein Werk für die Masse. Überkandidelt ist es, gleich einem Theaterstück, doch widerspiegelt es mit der Anreihung verschiedenster Klischees irritierend getreu den anscheinend schon ganz normalen Wahnsinn unserer Zeit. Drogen und Hybris und Gewalt und Status und Sex, alles da, mit dem man sich in einer langen Zürich-Ausgehnacht konfrontiert sieht.

Aufgrund dieser Ingredienzien ist es wohl kein Wunder, dass die Förderanstalten Mary & Johnny ihre Unterstützung versagten. Nils Althaus und Andrea Zogg dagegen erkannten glücklicherweise das Potenzial dieses sinistren Werkes und legen tolle Performances hin. Wer dem Schweizer Kino chronische Zahmheit vorwirft, darf sich hier gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

/ uas

Kommentare Total: 5

LisaMeister

Ich habe den Film gestern im Schlosskino Wädenswil gesehen. Ein sehr schöner Film. Nils Althaus sieht sehr gut aus und der Erzähler ist cool

ebe

Zitat jon (2012-07-07 07:00:33)

Der Film muss ja Hammer gut sein, wenn sich 10 Leute extra einen Account machen um ihm 6 Sterne zu geben. 😎

Ja, und darunter sogar das Bundesamt für Kultur! 😄

jon

Der Film muss ja Hammer gut sein, wenn sich 10 Leute extra einen Account machen um ihm 6 Sterne zu geben. 😎

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Trailer Schweizerdeutsch, 02:13