La Maison Corse (2011)

La Maison Corse (2011)

Das Haus auf Korsika
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  2. 82 Minuten

Filmkritik: Nirgends ist es so schön wie am A**** der Welt

Auf Korsika gibt es keinen Coiffeur
Auf Korsika gibt es keinen Coiffeur © Xenix Filmdistribution

Christina (Christelle Cornil) hat sich ihr Leben definitiv anders vorgestellt. Fast 30-jährig hat sie zwar einen Abschluss an einer Kunstschule vorzuweisen, doch ihr Geld verdient sie in einer Pizzeria als Kellnerin. Am selben Ort beschäftigt ist auch ihr Freund, mit dem sie schon seit zehn Jahren zusammen ist und mit dem es nicht mehr zu stimmen scheint. Da kommt eines Tages aus heiterem Himmel eine Gelegenheit, ihr Leben zu verändern.

Lady in Red
Lady in Red © Xenix Filmdistribution

Von ihrer verstorbenen Oma bekommt sie ein Häuschen auf der Insel Korsika vererbt. Doch anstatt das Grundstück sofort zu verkaufen, wie es der Vater vorschlägt, beschliesst sie, sich die Sache mal vor Ort anzusehen. In einem abgelegenen Dörfchen mit gerademal zwölf Einwohnern findet sie die mehr als baufällige Behausung. Doch die Luft und der Abstand zu ihrem "normalen" Leben scheint Christina gut zu tun und beschliesst deshalb, das Haus wieder bewohnbar zu machen. Etwas, dass in ihrer Heimat auf wenig Verständnis stösst.

Regisseur Pierre Duculot wagt nach zwei Kurzfilmen den Schritt zu den Langfilmen. Zum Zeitpunkt des Drehbuchschreibens interessierten ihn drei Sachen: eine Geschichte, die in Charleroi und auf Korsika spielt, Leute, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und das Bedürfnis, wieder mit seiner Muse Christelle Cornil zusammenzuarbeiten. Diese Zutaten wurden zu dem Selbstfindungstrip La Maison Corse vermischt - einem Film, bei dem das Interessante wohl auf der Überfahrt nach Korsika verlorengegangen ist.

Es ist aber auch ein geradezu ausgelutschtes Thema, um welches sich Duculot hier bemüht. Die Bruchbude, welche die Hauptprotagonistin vorfindet, steht natürlich sinnbildlich für das Leben, welches die gute Frau führt und Christina sowie das Haus haben dringend Handlungsbedarf. Die Verbesserungen finden am Grundstück mithilfe von Arbeit statt und die Figur findet Freude an dem ruhigen Leben, welches die Korsen führen. Duculot, der selbst viel auf Korsika herumgereist ist, kennt all die schönen Plätze und Kameramann Hichame Alaouié fängt diese in Bildern ein, die trotz Winteratmosphäre eine gewisse Wärme ausstrahlen.

Den Schwachpunkt lässt sich zweifelsohne in der Geschichte finden, die dem Genre nicht wirklich neue Seiten abgewinnt. Der Wandel zum Guten wird auch hier nicht alleine geschafft, sondern braucht die Hilfe der Familie und von neuen Freunden. Diese Steine aus dem Standardbaukasten werden zwar alle schön verbaut, doch nur weil die Geschehnisse jetzt in Korsika spielen, werden sie nicht wirklich interessanter, sondern schippern gleich langsam auf ein vorhersehbares Ende zu, wie schon genügend ähnliche Filme zuvor.

Fazit: Der Belgier Duculot macht in seinem Regiedebüt nicht wirklich viel falsch. Doch etwas mehr Mut hätte man dem ehemaligen Produzenten von Dokumentar- und Spielfilmen wirklich zugetraut. Dieses "Auf-Nummer-sicher-gehen" nimmt den Film schon recht früh den Wind aus den Segeln, weshalb auch die eher kurzen 83 Minuten schleppend voranschreiten. Korsika-Fans und Liebhaber von Lokalkolorit werden an einigen Sequenzen ihre Freude haben, doch emotional werden auch die aufgrund der Trägheit des Ganzen nicht wirklich mitgenommen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:49