Kokvinnorna (2011)

Kokvinnorna (2011)

  1. 80 Minuten

Filmkritik: Olle Weiber auf dem Hof

Kopfnuss von der Kuh
Kopfnuss von der Kuh © Studio / Produzent

Die Schwestern Inger und Britt haben eine Farm geerbt und kümmern sich nun um die elf dort lebenden Kühe. Beide haben bereits ein hohes Alter erreicht, und Britt kann seit einem Unfall nur noch mit stark gekrümmtem Rücken gehen. Trotzdem ist der Hof ihr Ein und Alles. Mühsam treibt sie in ihrem schlechten Zustand die Kühe auf die Weide, melkt sie täglich im von Hunderten von Fliegen durchsummten, heruntergekommenen Stall und schaufelt und kehrt Mist umher, als gäbe es kein Morgen.

Ihre Schwester Inger hilft zwar mit, tut dies aber äusserst ungerne und wäre eigentlich schon lange bereit gewesen, sich zur Ruhe zu setzen. Doch Britt ist derart von der Idee des Lebens auf dem Hofe fixiert, dass es auch für ihre Schwester keinen Ausweg zu geben scheint. Eines Tages jedoch entscheidet sich Inger endlich dafür, den Hof zu verlassen, und Inger bleibt auf sich alleine angewiesen zurück.

Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Doch nicht nur die Tiere sind ein Ärgernis, auch der Film selbst vermag zwischendurch zu verärgern. Nicht aber, weil er bockig ist, sondern weil er sich ein wenig zu oft und zu eindeutig über seine Protagonistinnen lustig macht. Aufnahmen im Altersheim, spontane Tanzeinlagen und zerrissene Schlabberhosen sorgen unweigerlich für Lacher beim Publikum auf Kosten der beiden wirrköpfigen Schwestern.

Die Geschichte an sich ist so klassisch wie sie rührend ist. Britt sieht in ihren Kühen einen Ersatz für den Mangel an menschlichen Beziehungen in ihrem Leben. Hier fühlt sie sich wohl und es ist erstaunlich zuzusehen, wie sie sich immer wieder aufrafft und all ihre körperlichen Defizite stur zu ignorieren scheint, um sich um ihre vierbeinigen Freunde zu kümmern. Ihre Figur könnte besser nicht geschrieben sein: Ihr krummer Gang und ihre zerzausten Haare alleine definieren den Charakter. Ihre Streitereien mit Inger sind herrlich und ihre Sturheit bewundernswert.

Inger, die einfach keine Lust mehr hat, sich mit dem Hof herumzuschlagen, wird weder von ihrer Schwester noch von den Filmemachern Peter Gerdehag und Tell Aulin wirklich ernst genommen. Sie wird als "meckerndes" Weib porträtiert, was den Film etwas einseitig macht. Ganz klar sollen wir auf Britts Seite stehen. Doch auch sie ist nicht vor Spott geschützt: So wird sie zum Beispiel mit einer Schnecke gegengeschnitten, da sie auch nicht schnell vorwärts kommt und die Form zu ihrem geschädigten Rücken passt.

Ein Publikumshit in der Heimat, ist Kokvinnorna eine amüsante Dokumentation mit zwei spannenden Figuren. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl, dass diese zwei schrägen Figuren zu sehr als Figuren und nicht als Menschen dargestellt wurden.

/ ma