Kampf der Königinnen (2011)

Kampf der Königinnen (2011)

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  2. 70 Minuten

Filmkritik: Bauer, mit Kuh, sucht...

Gewinnt die Siegerkuh auch einen Muni?
Gewinnt die Siegerkuh auch einen Muni? © Studio / Produzent

Im südlichen Wallis besteht die Tradition, in einer Arena Kühe gegeneinander kämpfen zu lassen. Jene Kuh, die zurückweicht, verliert. Im Gegensatz zum Stierkampf verletzen sich die Kühe jedoch nicht oder nur geringfügig. An einer dieser Ausscheidungen begleitet der Film verschiedene Menschen, welche einen unterschiedlichen Bezug zu dieser Tradition haben.

Auf dem Weg zur Alphütte
Auf dem Weg zur Alphütte © Studio / Produzent

Da ist der Zürcher Journalist Andreas Herzog, welcher eine Reportage über den Kuhkampf machen will, um ihm unbekannte Bereiche der Schweizer Kultur zu entdecken. Oder der Bauer Beat, welcher mit seiner Kampfkuh Dominga gegen den ehrgeizigen Titelverteidiger antritt. Dieser wiederum hat schon ein halbes Jahr zuvor das Training mit seiner Kuh begonnen, damit sie in Topform ist für die Wettkämpfe.

Junge Wallisser versuchen derweil die Aufmerksamkeit einer Tierzüchterin auf sich zu ziehen, während die Treiber mit allen Mitteln versuchen, die kämpfenden Kühe unter Kontrolle zu halten. Archaische Tänze von jeweils zwei dieser Kolosse begeistern dabei das zahlreiche Publikum. Welche Kuh wird als Siegerin aus der Arena geführt werden?

Nicolas Steiner, Absolvent der Filmakademie Baden-Württernberg, legt mit Kampf der Königinnen sein Langfilmdebut vor. Dafür hat sich der junge Schweizer (Jahrgang 1984) ein traditionelles Thema der Schweiz ausgesucht, welches im Vergleich zum Schwingen oder Hornussen relativ unbekannt ist und vor allem im Wallis praktiziert und begeistert verfolgt wird: den Kuhkampf.

Steiner zeigt einen Doku-Heimatfilm mit künstlerischem Anspruch, der sich sehen lassen kann. In prächtigen Schwarzweiss-Bildern und unterlegt mit einem treibenden Rhythmus, kommt Kampf der Königinnen trotz des traditionellen Themas modern und kunstvoll daher. Besonders beeindruckend sind die Superzeitlupen-Bilder der Kämpfe, welche die archaische Kraft der Kolosse besonders veranschaulichen. Leider setzt der Regisseur dieses Stilmittel dann arg oft ein und lässt die an sich tollen Momentaufnahmen repetitiv erscheinen.

Jedoch überwiegen die überraschenden Momente der Dokumentation. Indem Steiner das Vertrauen dieser wohl oft als eigentümlich verschrienen Personen gewonnen hat, kriegt er intime Einblicke ins Gefühlsleben der Protagonisten. Wenn beispielsweise einer der Trainer meint, dass es ihm gut gehe, weil es seiner Mutter und seiner Kuh gut geht, hat das eine tragikomische Note. So finden durch den ganzen Film komische Momente, in denen Steiner aber auf eine Wertung seiner Protagonisten verzichtet und so ein respektvolles Bild dieser Tradition zeichnet.

Steiner gelingt mit Kampf der Königinnen eine genaue Momentaufnahme des Kuhkampfs und seiner Anhänger, ohne dabei viel Wissenswertes zu liefern. Aufgrund seiner Bildgewalt und seiner kunstvollen Inszenierung ist der Film jedoch auch für Personen ohne Vorwissen zum Kuhkampf sehr empfehlenswert.

/ hut

Kommentare Total: 2

inirye

Ich hab den Film auf der Berlinale gesehen und muss wirklich sagen, dass eine tolle, tolle Doku gelungen ist, die einfach eine super Stimmung verbreitet und das Bizarre am Thema perfekt aufnimmt. Witzig, nicht rührselig, sondern einfach nur da, frech und mit einer Super Slo Mo Ästhetik, die die Kuhkämpfe aussehen lässt wie die Schlachten der Spartaner bei 300. Unbedingt ansehen!

[Editiert von inirye am 2011-02-27 20:48:10]

hut

Filmkritik: Bauer, mit Kuh, sucht...

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Trailer Schweizerdeutsch, mit deutschen Untertitel, 01:30