Jonas (2011)

Jonas (2011)

  1. 106 Minuten

Blu-ray-Review: Was ist ein Logarithmus?

Jonas sieht ganz schön alt aus...
Jonas sieht ganz schön alt aus... © Studio / Produzent

Jonas ist 18 Jahre alt und kriegt noch einmal eine Chance. Schon mehrmals sitzengeblieben, darf er nun doch noch die brandenburgische Paul-Dessau-Gesamtschule besuchen. Doch Jonas ist kein normaler Schüler: Der junge Mann wird vom Schauspieler Chritian Ulmen verköpert, der hier in einem Experiment mit echten Schülern und Lehrern gedreht hat.

Deutschland sucht den Pausenclown
Deutschland sucht den Pausenclown © Studio / Produzent

Jonas erlebt die Sorgen eines ganz normalen Teenagers: Er hat Probleme mit dem Mathelehrer, möchte unbedingt eine Band gründen oder trinkt an einer Party einen über den Durst. Dazu kommt noch, dass er sich in seine Musiklehrerin verliebt und deren Herz unbedingt gewinnen möchte. Es steht dieser "fiktiven Figur im realen Raum" also eine turbulente Zeit bevor.

Eine Schule hat wohl jeder von uns schon einmal von innen gesehen. Dank Schulpflicht hat jedes Kind das Vergnügen, die Bank drücken zu dürfen - ob es will oder nicht. Im Nachhinein bezeichnet man diese Jahre gerne als die unkompliziertesten und schönsten Jahre des Lebens. Christian Ulmen hat nun in der Figur des Jonas einen Selbstversuch gestartet: Sechs Wochen besuchte er eine Schule in Brandenburg und liess sich von Kameras begleiten.

Der Einstieg in die Dokumentation erfolgt mit ein paar unvermittelt eingeblendeten Worten. Leider wird hier nicht verraten, wer eigentlich alles eingeweiht war und was die Zielsetzung des Experiments ist. Diese Frage bleibt leider im ganzen Film unbeantwortet. Wer Christian Ulmen kennt, wird sich unter Jonas eine provokante Figur vorstellen und hinter dem Film eine Comedy oder vielleicht sogar eine sozialkritische Dokumentation à la Michael Moore vermuten. Letztlich ist es weder das eine noch das andere, sondern wirklich nur der Schulalltag aus Beobachterperspektive.

Die Figur des 18-jährigen Jonas bleibt hinter den Erwartungen zurück, da Ulmen seiner Figur nicht wirklich authentisches Leben einzuhauchen vermag. Einige Szenen sind zwar wirklich liebenswert und amüsant zu beobachten, werden aber aufgrund einer doch sehr übertriebenen Darstellung seitens Ulmen schnell lächerlich werden. Die eigentlichen Stars sind die Schüler und Lehrer der Brandenburger Gesamtschule. Die Unterrichtsbeobachtung wirkt unglaublich authentisch, sodass man sich an die eigene Schulzeit erinnert sieht.

Fazit: Jonas bleibt hinter den Erwartungen zurück, da der Dokumentation eine klare Zielsetzung und Struktur und Christian Ulmen die nötige Jugendlichkeit fehlt, um einen Schüler angemessen verkörpern zu können. Der Schulalltag hingegen ist grossartig dokumentiert worden und bietet dank natürlich wirkender Schulsituationen viele Möglichkeiten, die eigene Schulzeit Revue passieren zu lassen.

Die Umsetzung der Blu-ray ist grandios gelungen. Das Bild ist gestochen scharf und zu keiner Zeit verwaschen oder grob, und wenngleich der Ton aufgrund des Genres keine wirkliche Raumtiefe aufkommen lässt - klar ist er in jedem Falle. Das Bonusmaterial ist mit 132 Minuten überraschend detailliert, und insbesondere die Interviews mit Christian Ulmen und den Lehrern bieten einen tollen Einblick in die Produktion. Ein paar der Aussagen hätte man ruhig in den eigentlichen Film mit einbinden können, um ihm einen roten Faden zu verleihen.

/ lop