The Flowers of War - Jin líng shí san chai (2011)

The Flowers of War - Jin líng shí san chai (2011)

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  3. 146 Minuten

Filmkritik: "Schindlers Liste" auf Chinesisch

Batman&Robin anno 1937?
Batman&Robin anno 1937? © Studio / Produzent

Im Dezember 1937 eroberten die japanischen Truppen mit wenig Gegenwehr die chinesische Hauptstadt Nanking. In den folgenden Wochen kam es zu unkontrollierten Plünderungen, Vergewaltigungen und anderen Grausamkeiten durch japanische Truppen, denen bis zu 200'000 chinesische Zivilisten erlagen. Das Ereignis ging als das Massaker von Nanking in die Geschichte ein.

Liam Neeson hat mir nicht nur das Kämpfen beigebracht
Liam Neeson hat mir nicht nur das Kämpfen beigebracht © Studio / Produzent

John Miller (Christian Bale) ist ein amerikanischer Totengräber in Nanking. Auf der Flucht vor den japanischen Soldaten findet er Zuflucht in einer katholischen Kirche, die nur noch von einer Gruppe Mädchen des Konvents bewohnt wird. Wenig später gesellen sich Prostituierte von einem nahegelegenen Bordell zu ihnen. Doch die Kirche erweist sich nicht als der erhoffte sichere Ort, und als die Japaner einfallen, gibt sich Miller in der Not als Priester aus, um die Frauen zu beschützen. Doch kann er die Fassade aufrecht erhalten? Und gibt es irgendeinen Weg aus der Stadt?

Das Nanking-Massaker wurde 2009 gleich doppelt filmisch aufgearbeitet, nämlich im chinesischen Film City of Life and Death und in der deutschen Produktion John Rabe. Letztere erzählte in unverkennbarer Schindlers Liste-Manier und mit nicht wenig Pathos die Geschichte eines Ausländers, der gegen alle Wahrscheinlichkeit unzählige Chinesen vor dem Tod rettete. In dieselbe Kerbe schlägt nun The Flowers of War, die chinesische Mega-Produktion von Zhang Yimou (Hero, House of Flying Daggers). Der mit einem Budget von gut 100 Millionen Dollar bis dato teuerste chinesische Film überhaupt stellt mit Christian Bale ebenfalls einen Westlichen ins Zentrum, welcher sich zum Beschützer der Chinesen mausert. Ohne Zweifel spielten marketingtechnische Gründe dabei eine Rolle, schliesslich äugt der Film unverkennbar auf den amerikanischen Markt und ist dementsprechend auch weitgehend in Englisch gehalten. Das hat leider nicht nur gute Seiten.

Auch in der Inszenierung erinnert der Film mehr an einen üblichen Hollywood-Streifen denn an die unverkennbare, eigenwillige Ästhetik von Yimous früheren Filmen. Tatsächlich ist der Pathos-Gehalt so gross, dass selbst Steven Spielberg Mühe haben dürfte, mitzuhalten. Das Problem ist nicht, dass die Geschichte an sich nicht tragisch sein dürfte, sondern, dass hier auf Biegen und Brechen versucht wird, auch den letzten Tropfen an Emotionen aus dem Zuschauer herauszupressen. Dabei wird auf jedes Klischee zurückgegriffen, dass die Kriegsfilmgeschichte zu bieten hat: Man lasse die Japaner möglichst schlimme Dinge tun und die Opfer möglichst unschuldig erscheinen, man filme das in möglichst dramatischen Bildern und unterlege es mit möglichst pathetischer Musik. Als Hauptfiguren nehme man einen lasterhaften, dem Alkohol zugeneigten aber innerlich gutherzigen Amerikaner, einen heroischen Soldat, eine verführerische Edelprostituierte und ein kleines, unschuldiges Mädchen. Und da die Rettung eines einzigen Mädchens nicht wichtig genug ist, stelle man ihm noch zwanzig weitere zur Seite und lasse sie in jeder zweiten Szene in Richtung Kamera heulen - damit der Zuschauer nicht vergisst, dass diese Geschichte dramatisch und wichtig und erinnernswert ist. Dass es mindestens zweieinhalb Stunden dauert, eine solche Geschichte zu erzählen, versteht sich natürlich von selbst.

Es ist ein Schuss nach hinten: Gerade dadurch, dass von allem lieber zu viel als zu wenig aufgetragen wurde, wirkt der Film künstlich, unpersönlich und lässt einen deswegen schlussendlich kalt. In seiner Darstellung der feindlichen Japaner ist The Flowers of War nebenbei ein Rückschritt in die Zeit von amerikanischen Propagandafilmen wie Bataan, wo die "Japsen" als kreischende Meute mit verzerrten Gesichtern dargestellt werden. Die reisserisch und bevorzugt in Slowmotion gefilmte Gewalt dient dabei lediglich dazu, die abgrundtiefe Brutalität des Feindes zu zeigen.

The Flowers of War ist eine überlange, endlos pathetische und pompös inszenierte Geschichtslektion, die man politisch nicht anders denn als anti-japanische Propaganda lesen kann. Wer dasselbe Ereignis ebenfalls von chinesischer Seite, aber ausgewogener und nüchterner verfilmt sehen möchte, greife bitte zu City of Life and Death.

/ Jonas Ulrich [jon]

Trailer Englisch, 02:32