Intouchables (2011)

Intouchables (2011)

Ziemlich beste Freunde
  1. , ,
  2. 112 Minuten

Filmkritik: Ohrenkraulen für Fortgeschrittene

Nää, Arbeit ist nichts für mich
Nää, Arbeit ist nichts für mich © Studio / Produzent

Philippe (François Cluzet) und Driss (Omar Sy) haben so gar nichts gemeinsam ausser, dass sie beide in Paris leben. Der eine, ein reicher Adliger mittleren Alters, liebt klassische Musik, ist an den Rollstuhl gefesselt und ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Der andere, ein junger Arbeitsloser, hält sich mit Gelegenheitsgaunereien über Wasser, ist frisch aus dem Gefängnis entlassen, chaotisch, ruppig und lebensfroh. Die Wege der beiden kreuzen sich, als Driss zu einem Vorstellungsgespräch als Pfleger bei Philippe auftaucht.

Männerfreundschaft par excellence ...
Männerfreundschaft par excellence ... © Studio / Produzent

Den Job zu bekommen, ist alles andere als Driss‘ Ziel, braucht er doch nur die Bewerbungsbestätigung für das Arbeitsamt, damit er endlich Arbeitslosengeld beziehen kann. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass er alles unternimmt, um einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Erstaunlicherweise findet Philippe sein Gegenüber aber hochinteressant und stellt Driss per sofort als persönlichen Pfleger ein. Was zu Beginn in einer Katastrophe zu enden droht, entwickelt sich, zum Erstaunen aller, nach und nach zu einer tiefen Freundschaft, von der alle Beteiligten nur profitieren können.

Never change a winning team! Nach Tellement Proches präsentiert uns das Regisseurengespann Eric Toledano und Olivier Nakache den auf einer wahren Geschichte beruhenden Film Intouchables - und auch Omar Sy ist wieder mit von Partie. Dieser übernimmt in der Rolle des Driss eindeutig den dominanteren, lauteren und auffälligeren Part der Geschichte und hat die Lacher auf sicher. Die schauspielerische Glanzleistung hingegen muss François Cluzet zugesprochen werden. Seine Interpretation des querschnittsgelähmten, tiefgründigen, leicht zynischen Aristokraten Philippe ist mehr als gelungen. Mit einer sympathischen Feinheit verleiht er der Figur Tiefe und vor allem Charme.

Die Mischung und der Wechsel zwischen Humor und Ernsthaftigkeit sind gelungen. Einzig in den ersten paar Minuten gestaltet sich diese Gratwanderung teilweise etwas ungeschickt und Driss‘ Witze werden als aufgesetzt und der Wechsel ins Ernste als gezwungen empfunden. Im Laufe des Films vermag Omar Sy aber mächtig an Spritzigkeit und Qualität zuzulegen und entlockt den Zuschauern so manche Lachträne. Unterstützt wird er dabei von einem perfekt inszenierten Soundtrack. Der Einsatz der Klassiker von Earth, Wind & Fire, abgelöst von einem Repertoire an klassischer Musik, ist perfekt abgestimmt und untermalt die einzelnen, teilweise auch sehr emotionalen Sequenzen optimal.

Mit 112 Minuten handelt es sich bei Intouchables nicht um einen übermässig langen Film. Leider hat man aber dazwischen immer wieder kleinere Handlungsstränge eingebaut, die unnötig sind und eigentlich nur Platz für Wichtigeres wegnehmen. Anstelle dieser Sequenzen hätte man dem Publikum besser noch Szenen aus dem Alltag der beiden Protagonisten oder der anderen Mitarbeiter gezeigt.

Intouchables ist grosses französisches Kino, das es schafft, eine berührende Geschichte so zu erzählen, dass dabei nicht auf Tränendrüsenakrobatik zurückgegriffen werden muss. Neben all der Ernsthaftigkeit erlebt das Publikum aber auch Szenen voller Witz und Humor, die uns zeigen, dass das Leben auch mit tragischem Schicksal seine Überraschungen und schönen Momente bereithält. Und obwohl teilweise Tränen gelacht werden, wirkt das Ganze nie lächerlich oder respektlos.

/ hom

Kommentare Total: 12

somboun

Eine witzige Komödie, etwas vorausschaubar, aber sehr unterhaltsam.

fanya

Eigentlich recht konventionell erzählt und stereotype Figuren. Aber so wunderbar unterhaltsam.

yan

Wunderschöner Film, der ein Thema anspricht, dass zwar nicht völlig neu ist, aber es so verpackt, dass man immer wieder aufs Neue überrascht wird. Witzig, emotional, menschlich und unglaublich natürlich. Intouchables ist ein Genuss, bei dem man genauso lachen wie weinen darf. Berührendes Drama, dass zwischendurch starke Feel-Good und Komödien-Elemente aufweist.

Der Schluss wirkt zwar ein wenig gehetzt, aber alles in allem ein wirklich wunderbares Werk, dass man sich gerne wieder und wieder ansieht.

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