Hell (2011)

Hell (2011)

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  3. 89 Minuten

Filmkritik: 99 Luftballons

Die Sonne brennt.
Die Sonne brennt. © Studio / Produzent

Im Jahre 2016 ist die Erde eine einzige Wüste. Die Sonneneinstrahlung ist so stark geworden, dass sich Menschen nur kurz und verhüllt aus dem Schatten wagen. Wer Glück hat, hat noch ein Auto, wie Philip (Lars Eidinger), Marie (Hannah Herzsprung) und ihre Schwester Leonie (Lisa Vicari). Damit versuchen die drei in Richtung Berge zu gelangen, in der Hoffnung, dort Wasser zu finden.

Der letzte Zug ist längst abgefahren.
Der letzte Zug ist längst abgefahren. © Studio / Produzent

Auf dem Weg klappern sie alles ab, was irgendwie noch Nahrung oder Benzin hergeben könnte. Dies tun sie ständig in Angst, in einen Hinterhalt zu geraten. Als in einer Tankstelle Philip von Tom (Stipe Erceg) angegriffen wird, geht das gerade nochmals gut: Tom wird überwältigt, darf dann aber mitfahren, weil, so Philip, "ein zweiter Mann ganz nützlich sein kann."

Tom stellt sich dann wirklich als sehr nützlich heraus. Doch auch er kann nichts dagegen ausrichten, dass Schergen den Wagen klauen und Leonie kidnappen. Zwar spüren sie sie wieder auf, doch der Befreiungsversuch missglückt. Schlussendlich liegt es an Marie, die anderen vor ihrem grausamen Schicksal zu retten.

Es ist ein Traumstart für den Basler Jungfilmer Tim Fehlbaum: Für seinen Debütfilm konnte er nicht nur ein anschauliches Cast gewinnen, sondern mit Gabriele M. Walther, Thomas Wöbke, Roland Emmerich und Ruth Waldburger auch ein hochkarätiges Produzententeam. Zudem ist Hell bereits jetzt ein Meilenstein, auf geschäftlicher Ebene: Es ist der erste Film, den Paramount Pictures Germany veröffentlicht.

Angefangen hat alles vor fünf Jahren mit Fehlbaums Zombie-Kurzfilm Am Flaucher, den Wöbke grossartig fand. Eine Zeitlang wären sogar auch in Hell Untote mit Hunger auf Menschenfleisch vorgesehen gewesen. Doch dann wurden die Zombies verworfen - was drin blieb, ist der Kannibalismus, der deutlichste Ausdruck von schierem Wertezerfall.

"Hell" steht nicht nur für gleissendes Licht, sondern für die Hölle an sich. Wie beim unübersehbar verwandten Endzeit-Drama The Road wird auch hier verlautet: Wenn es ums Überleben geht, stellt ein jeder seine Regeln selbst auf. Eine keineswegs überraschende Kernaussage eines keineswegs überraschenden Films, der trotz alledem gebannt zuschauen lässt. Die Visualisierung gelingt Fehlbaum trefflich: Viel Sand und jede Menge überbelichtete Aufnahmen lassen die Hitze spürbar werden. Die trostlose Landschaft ist gekonnt eingefangen und findet am Ende eine unverhoffte Aufwertung: Als sich das Geschehen in schattenspendende, aber klaustrophobische Räume zwängt, wird sie zur Sehnsucht.

Gut auch, wie Hannah Herzsprung ihrer vorerst eher ängstlichen Figur Marie Mut einflösst - Mut, der zuallererst von Verzweiflung genährt wird. Stipe Erceg ist wie gewohnt charismatisch, und Lars Eidinger spielt eigentlich wieder die Rolle, die er in Alle anderen spielte. Wie gesagt: Überraschend ist das nicht - sich dafür zu erwärmen fällt indes nicht schwer.

/ uas

Kommentare Total: 7

db

Solide gemacht, atmosphärische Bilder und gute Schauspieler. Ansonsten bekanntes Szenario, nach bewährtem Schema mit einem Schluss den man erwarten kann.

db

schön wär's, in Zürich läuft das Ding nur in den fummligen Arthouse Kinos... wo es "better filmlovers" hat aber schlechte Qualität...

yan

In Oftringen läuft er im kleinen, aber doch schon ordentlichen Saal. Tiptop 😉

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Trailer Deutsch, 01:44